Mittwoch, 13. November 2019

Bericht über unerlaubten Anleihehandel EZB erwägt Verfahren gegen die Deutsche Bank

Hat sich die Deutsche Bank über ein Verbot der Europäischen Zentralbank hinweggesetzt?
Arne Dedert/ DPA
Hat sich die Deutsche Bank über ein Verbot der Europäischen Zentralbank hinweggesetzt?

Die Europäische Zentralbank (EZB) prüft die Eröffnung eines Verfahrens gegen die Deutsche Bank. Wie die "Süddeutsche Zeitung" am Mittwoch berichtet, hat das Geldhaus zwischen 2014 und 2017 eigene Anleihen zurückgekauft, obwohl keine Genehmigung durch die EZB vorlag.

Es handele sich um sogenannte Nachranganleihen. Das sind Mischformen aus Anleihen und Aktien, also aus Fremd- und Eigenkapital. Diese Papiere, in der Fachsprache AT-1 und AT-2 genannt, sollen im Falle einer finanziellen Schieflage der Bank sicherstellen, dass nicht sofort der Steuerzahler als Retter einspringen muss, weil stattdessen die Käufer der Anleihen in Haftung genommen würden.

Der Zeitung zufolge begann die Deutsche Bank im April 2014 für dreistellige Millionenbeträge mit dem Rückkauf der Anleihen, habe aber erst Ende des Jahres bei der EZB um eine Genehmigung gebeten. Die Zentralbanker hätten der Bank allerdings zu jenem Zeitpunkt eine klare Absage erteilt und angeordnet, den Handel sofort einzustellen.

Wie ein Insider der Zeitung sagte, habe die Deutsche Bank diese Geschäfte zur "Marktpflege" betrieben, um den Handel dieser Anleihen liquide zu halten. Dieses wohl gängige Vorgehen von Banken müssten die Aufseher aber genehmigen. Wie die Zeitung weiter berichtet, habe die EZB die Genehmigung 2017 erteilt, allerdings nicht rückwirkend. Nun werde die Eröffnung eines Verfahrens geprüft.


Lesen Sie auch: Das Mastermind hinter dem Radikalumbau der Deutschen Bank


Mitverantwortlich für die Geschäfte soll Alexander von zur Mühlen sein: Jener Mann, der vor einem Jahr zum Strategiechef aufstieg und für den jetzt anstehenden milliardenschweren Umbauplan der Deutschen Bank verantwortlich zeichnet.

Laut SZ war von zur Mühlen damals "Chef-Treasurer" und damit quasi für die Refinanzierung der Bank zuständig. Zusammen mit dem damaligen Co-Chef des Investmentbankings, der kurz darauf die Bank verlassen musste, habe er die Aufseher darum gebeten, den Handel mit den Anleihen auf keinen Fall zu verbieten.

Die beiden Manager hätten dies mit der prekären Lage des Geldhauses begründet: Müsste die Bank den Handel plötzlich einstellen, könnte dies unkontrollierbare negative Folgen haben. Es könnte sich die gesamte Refinanzierung des Instituts verteuern, was das Kreditinstitut in dem schwierigen Marktumfeld nicht gut verkraften würde. Die Aufseher hätten seinerzeit die Bitte abschlägig beschieden und eben erst 2017 die Genehmigung erteilt - ohne Rückwirkung wohlgemerkt.

Weder ein Sprecher der Deutschen Bank noch der EZB wollten den Bericht kommentieren.

rei

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung