Montag, 22. April 2019

Deutsche Bank Quartalsgewinn, Vertrauensverlust

Deutsche Bank: Ein Gewinn!

Die Krise der Deutschen Bank führt zu einem Vertrauensverlust bei den Kunden. Trotz eines Quartalsgewinns hat das Geldhaus noch einen weiten Weg vor sich. Bankchef John Cryan kündigt einen neuen Sparplan an.

Deutsche-Bank-Vorstandschef John Cryan konnte am Donnerstag für das dritte Quartal zwar überraschend einen Gewinn präsentieren, weil vor allem der wichtige Wertpapierhandel angezogen hat. Doch Cryan musste einräumen, dass der Ruf von Deutschlands größtem Geldhaus insbesondere wegen des potentiell sehr teuren US-Hypothekenstreits gelitten hat - bei reichen Anlegern, die Milliarden aus Fonds abzogen, und bei Geschäftspartnern, die ihr Engagement mit den Frankfurtern zurückfahren. Erst seit Anfang Oktober sei eine Beruhigung zu spüren. An der Börse verflog die erste Euphorie sehr schnell wieder: Die Deutsche-Bank-Aktie notierte am Vormittag fast unverändert, nachdem sie noch mit einem Plus von drei Prozent in den Handel gestartet war.

Die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen arbeite nun auf Hochtouren an einer Einigung mit dem amerikanischen Justizministerium. Danach könnte die rund 100.000 Mitarbeiter des Konzerns eine neue Sparrunde treffen, wie Cryan in einem Brief an die Belegschaft schrieb. Das Umfeld sei noch einmal schwieriger geworden: "Wir werden deshalb unseren Umbau beschleunigen und noch verstärken müssen, wie wir es ja zum Halbjahr schon angedeutet haben." Die Sanierung dürfte sich also noch Jahre hinziehen, Details ließ Cryan allerdings offen. Analysten lobten aber unisono, dass sich bei der Bank endlich erste kleine Erfolge der vor einem Jahr beschlossenen Sparmaßnahmen zeigten.

Foto: Wochit / Getty Images

300 Millionen Euro Quartalsgewinn

Unter dem Strich verdiente die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen in den Sommermonaten knapp 300 Millionen Euro, während Analysten einen Verlust von fast 600 Millionen Euro erwartet hatten. Vor einem Jahr hatte noch ein Minus von sechs Milliarden Euro zu Buche gestanden, weil Cryan damals als erste Amtshandlung Abschreibungen auf zentrale Geschäftsbereiche durchdrückte. Seither baut er den Konzern um und versucht, den riesigen Berg an Rechtsstreitigkeiten abzutragen. Der Streit mit dem US-Justizministerium über den Verkauf fauler Hypothekenpapiere vor der Finanzkrise ist einer der größten Brocken. Hier steht eine Strafe von 14 Milliarden Dollar im Raum, die die Bank noch deutlich herunterhandeln will.

Rückstellungen auf 5,9 Milliarden Euro aufgestockt

Wie die Chancen stehen, ist unklar. Aber die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten stockte das Institut im Quartal nur um 400 Millionen Euro auf 5,9 Milliarden Euro auf. Insidern zufolge waren die Hypotheken nicht der Grund. Es gibt noch einige andere große Fälle: der Geldwäsche-Skandal in Russland, die mutmaßlichen Sanktionsverstöße bei Iran-Geschäften und Tricksereien auf dem billionenschweren Devisenmarkt. Die Bank hofft, alle diese Themen bis Mitte März mit Vergleichen abzuschließen - dann könnten sie noch in das Jahr 2016 gebucht werden, das Cryan ohnehin als Sanierungsjahr abgeschrieben hat. Ob es am Ende ein weiteres Verlustjahr wird, will er bislang nicht sagen.

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