Deutsche Bank Quartalsgewinn, Vertrauensverlust

Die Krise der Deutschen Bank führt zu einem Vertrauensverlust bei den Kunden. Trotz eines Quartalsgewinns hat das Geldhaus noch einen weiten Weg vor sich. Bankchef John Cryan kündigt einen neuen Sparplan an.
Deutsche Bank: Ein Gewinn!

Deutsche Bank: Ein Gewinn!

Foto: DANIEL ROLAND/ AFP

Deutsche-Bank-Vorstandschef John Cryan konnte am Donnerstag für das dritte Quartal zwar überraschend einen Gewinn präsentieren, weil vor allem der wichtige Wertpapierhandel angezogen hat. Doch Cryan musste einräumen, dass der Ruf von Deutschlands größtem Geldhaus insbesondere wegen des potentiell sehr teuren US-Hypothekenstreits gelitten hat - bei reichen Anlegern, die Milliarden aus Fonds abzogen, und bei Geschäftspartnern, die ihr Engagement mit den Frankfurtern zurückfahren. Erst seit Anfang Oktober sei eine Beruhigung zu spüren. An der Börse verflog die erste Euphorie sehr schnell wieder: Die Deutsche-Bank-Aktie notierte am Vormittag fast unverändert, nachdem sie noch mit einem Plus von drei Prozent in den Handel gestartet war.

Die Deutsche Bank  arbeite nun auf Hochtouren an einer Einigung mit dem amerikanischen Justizministerium. Danach könnte die rund 100.000 Mitarbeiter des Konzerns eine neue Sparrunde treffen, wie Cryan in einem Brief an die Belegschaft schrieb. Das Umfeld sei noch einmal schwieriger geworden: "Wir werden deshalb unseren Umbau beschleunigen und noch verstärken müssen, wie wir es ja zum Halbjahr schon angedeutet haben." Die Sanierung dürfte sich also noch Jahre hinziehen, Details ließ Cryan allerdings offen. Analysten lobten aber unisono, dass sich bei der Bank endlich erste kleine Erfolge der vor einem Jahr beschlossenen Sparmaßnahmen zeigten.

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300 Millionen Euro Quartalsgewinn

Unter dem Strich verdiente die Deutsche Bank  in den Sommermonaten knapp 300 Millionen Euro, während Analysten einen Verlust von fast 600 Millionen Euro erwartet hatten. Vor einem Jahr hatte noch ein Minus von sechs Milliarden Euro zu Buche gestanden, weil Cryan damals als erste Amtshandlung Abschreibungen auf zentrale Geschäftsbereiche durchdrückte. Seither baut er den Konzern um und versucht, den riesigen Berg an Rechtsstreitigkeiten abzutragen. Der Streit mit dem US-Justizministerium über den Verkauf fauler Hypothekenpapiere vor der Finanzkrise ist einer der größten Brocken. Hier steht eine Strafe von 14 Milliarden Dollar im Raum, die die Bank noch deutlich herunterhandeln will.

Rückstellungen auf 5,9 Milliarden Euro aufgestockt

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Sanierung des wichtigsten deutschen Geldhauses: Wer die Deutsche Bank retten will

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Wie die Chancen stehen, ist unklar. Aber die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten stockte das Institut im Quartal nur um 400 Millionen Euro auf 5,9 Milliarden Euro auf. Insidern zufolge waren die Hypotheken nicht der Grund. Es gibt noch einige andere große Fälle: der Geldwäsche-Skandal in Russland, die mutmaßlichen Sanktionsverstöße bei Iran-Geschäften und Tricksereien auf dem billionenschweren Devisenmarkt. Die Bank hofft, alle diese Themen bis Mitte März mit Vergleichen abzuschließen - dann könnten sie noch in das Jahr 2016 gebucht werden, das Cryan ohnehin als Sanierungsjahr abgeschrieben hat. Ob es am Ende ein weiteres Verlustjahr wird, will er bislang nicht sagen.

Der Deutschen Bank laufen die Millionäre davon

Etwas Rückenwind bekam die Deutsche Bank  zuletzt im Tagesgeschäft. Die Erträge legten leicht zu, obwohl die Niedrigzinsen die gesamte Branche weiter bremsen. Gut die Hälfte des Vorsteuergewinns von rund 600 Millionen Euro entfiel auf den wichtigen Wertpapierhandel und hier boomte insbesondere das Geschäft mit Anleihen. Denn die Volatilität an den Märkten war nach dem Brexit-Votum hoch - was den Investmentbanken die Kasse füllt. Die Deutsche Bank verbuchte im Anleihehandel ein Ertragsplus von 14 Prozent - konnte damit aber an die großen und vor allem gut kapitalisierten US-Rivalen nicht heranreichen.

Noch mehr verdiente die Deutsche Bank im Geschäft mit der Fusionsberatung und der Unternehmensfinanzierung und auch im Privatkundengeschäft und der Vermögensverwaltung standen schwarze Zahlen.

Neun Milliarden Euro aus privater Vermögensverwaltung abgezogen

Allerdings zogen die Kunden allein in der privaten Vermögensverwaltung neun Milliarden Euro ab, das meiste davon in der zweiten Septemberhälfte. Im institutionellen Fondsgeschäft flossen weitere acht Milliarden ab. Insgesamt verwaltet die Bank zwar ein Kundenvermögen von 1,1 Billionen Euro - ein Minus von 17 Milliarden Euro entspricht damit eineinhalb Prozent. Dennoch zieht der Vertrauensverlust immer weitere Kreise: im September war zunächst bekannt geworden, dass Hedgefonds Gelder von der Bank abziehen. Insidern zufolge gehen inzwischen auch die ersten Firmenkunden in der Transaktionsbank auf Abstand.

Cryan und sein Finanzchef Marcus Schenck bemühten sich am Donnerstag zwar um Gelassenheit. Doch intern ist längst eine Debatte darüber entflammt, an welchen Punkten die erst vor einem Jahr ausgerufene "Strategie 2020" nachgebessert werden muss. Insidern zufolge ist unter anderem eine Vollintegration des Ladenhüters Postbank im Gespräch, was zum Abbau weiterer tausend Jobs führen würde. Der Aufsichtsrat beriet darüber am Mittwoch, wie Eingeweihte berichten. Beschlüsse fielen allerdings nicht.

Kathrin Jones und Alexander Hübner und Andreas Kröner, Reuters
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