Mittwoch, 13. November 2019

"Wo es klug und vernünftig ist" Deutsche Bank erwägt Negativzinsen für Privatkunden

Deutsche Bank in Frankfurt: Das kriselnde Institut will seinen Kunden womöglich negative Zinsen berechnen.
REUTERS/Kai Pfaffenbach
Deutsche Bank in Frankfurt: Das kriselnde Institut will seinen Kunden womöglich negative Zinsen berechnen.

Vor dem Hintergrund der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) berechnen bereits zahlreiche Banken ihren Kunden negative Zinsen für Einlagen. Jetzt gibt es offenbar auch bei der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen Überlegungen in diese Richtung. Die Bank prüfe die Weitergabe der negativen Zinsen der EZB an ihre Kunden, sagte der Finanzvorstand des Instituts, James von Moltke, am Mittwoch in einem Interview mit Bloomberg TV.

"Wir erwägen über alle unsere Geschäftsbereiche hinweg, negative Zinsen an die Kunden weiterzugeben, wo es klug und vernünftig und auch legal ist", so von Moltke. Die Bank befinde sich dazu in Kundengesprächen, "speziell in unserer Unternehmensbank, aber auch in der Privatbank - mit dem Konzept, dass es ab einem bestimmten Niveau angemessen ist, negative Zinsen weiterzugeben."

Die Deutsche Bank beobachte "sehr aufmerksam und fortlaufend die Auswirkungen der negativen Marktzinsen auf die Kunden und die Bank", teilte das Institut zudem auf Anfrage mit. Im breiten Kundengeschäft mit relativ gesehen geringeren Einlagen gebe die Bank derzeit keine Kosten für Einlagen an die Kunden weiter. Bei Kunden mit höherem Einlagevolumen, wie beispielsweise institutionelle Kunden oder internationale Konzerne sei die Bank "im engen Dialog, um passende Anlagealternativen oder Kompensationsmodelle zu vereinbaren".

Während viele Banken bereits Strafzinsen von Geschäftskunden verlangen, hielten sie sich bei Privatkunden lange zurück. Jüngst häuften sich allerdings die Anzeichen, dass die Institute ihre Selbstbeschränkung aufgeben.

34 Institute bitten Privatkunden bereits mit zurMinuszinsen zur Kasse

Inzwischen erheben mindestens 34 deutsche Kreditinstitute einen Strafzins auf private Einlagen, in vielen Fällen jedoch mit sehr hohen Freibeträgen von 500.000 Euro oder 1 Million Euro. Mit der Berliner Volksbank hatte diesen Monat das größte regionale genossenschaftliche Institut Deutschlands den Freibetrag allerdings auf nur 100.000 Euro für private Kunden festgesetzt.

"Die Negativzinsen und vor allem deren Folgen werden sich mehr und mehr in die Märkte hineinfressen", hatte vor kurzem Walter Strohmaier, Bundesobmann der Sparkassen, in einem Interview mit Bloomberg gesagt. "Demzufolge werden sicher auch immer mehr Kreditinstitute Negativzinsen an Kunden weiterreichen und Freibeträge senken."

Die Deutsche Bank hat am Mittwoch zugleich Geschäftszahlen vorgelegt. Der Konzernumbau hat die Bank im vergangenen Quartal tief in die Verlustzone gerissen. Auch im Kerngeschäft lief es nicht rund, die Erträge in wichtigen Sparten gingen zurück. Nach Steuern erzielte Deutschlands größtes Geldhaus im Sommerquartal einen Verlust von 832 Millionen Euro. Unter dem Strich, nach Abzug von Zinszahlungen auf Nachranganleihen, fiel ein Minus von 942 Millionen Euro an.

Wegen der Einstellung des Aktienhandels musste die Deutsche Bank auch einen überraschend deutlichen Rückgang ihrer Erträge hinnehmen. Mit knapp 5,3 Milliarden Euro fielen sie 15 Prozent niedriger aus als ein Jahr zuvor und verfehlten zudem die Erwartungen von Branchenexperten.

cr

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