Investmentbanking liefert Deutsche Bank erzielt ersten Jahresgewinn seit 2014

Trotz Corona-Krise fährt die Deutsche Bank für 2020 einen Jahresgewinn ein - erstmals seit sechs Jahren. Trotz Kritik hält Konzernchef Sewing an einer starken Rolle des Investmentbankings fest.
Darf wieder lächeln: Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing

Darf wieder lächeln: Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing

Foto: RALPH ORLOWSKI / REUTERS

Die Deutsche Bank hat 2020 zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder einen Gewinn erwirtschaftet. "Im wichtigsten Jahr unseres Umbaus ist es uns gelungen, die Transformationskosten und die gestiegene Risikovorsorge mehr als auszugleichen – trotz globaler Pandemie", sagte Vorstandschef Christian Sewing (50) am Donnerstag. Unter dem Strich - also nach Abzug von Zinszahlungen für Nachranganleihen - stand ein Gewinn von 113 Millionen Euro. 2019 hatte das größte deutsche Geldhaus wegen der Kosten für den Konzernumbau noch einen Verlust von 5,7 Milliarden Euro angehäuft. Die Aktie  verlor nach anfänglichen Gewinnen zuletzt 2,3 Prozent.

Besonders gut lief es im vergangenen Jahr im Investmentbanking - wie bei anderen Banken auch. Es war die einzige Sparte, in der die Bank ihre Erträge steigern konnte. Sewing hatte im vergangenen Jahr dem Investmentbanking entgegen früheren Absichten wieder eine größere Bedeutung zugemessen und beim Ertragswachstum verstärkt in die Pflicht genommen. Im Geschäft mit Privat- und Firmenkunden hinterließen die Corona-Krise und die niedrigen Zinsen dagegen Spuren, die Einnahmen gingen zurück.

Nur Investmentbanking konnte die Erträge steigern

Wegen der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise zog die Risikovorsorge für faule Kredite deutlich auf 1,8 Milliarden Euro an, sie lag damit aber auf dem von der Bank im Dezember kommunizierten Niveau. Die Kosten fielen um 15 Prozent auf 21,2 Milliarden Euro. Vor Steuern stand damit 2020 ein Gewinn von einer Milliarde Euro in der Bilanz, nach einem Verlust von 2,6 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Sewing gab einen zuversichtlichen Ausblick. Mit dem Ergebnis des vergangenen Jahres seien die eigenen Erwartungen übertroffen worden, sagte er. "Wir sind nachhaltig profitabel und zuversichtlich, dass der insgesamt positive Trend 2021 auch in diesen schwierigen Zeiten anhält." Die Bank sehe sich in einer guten Position, die in Aussicht gestellte Eigenkapitalrendite von acht Prozent 2022 zu erreichen.

Das Investmentbanking erzielte vor Steuern im vergangenen Jahr 3,2 Milliarden Euro Gewinn - nach 502 Millionen Euro im Jahr 2019. Damit lieferte die lange verlustreiche Sparte praktisch den gesamten Gewinn der Kernbank, also der Bereiche ohne die konzerneigene Abbaueinheit für Altlasten. Die Privatkundenbank verzeichnete im Gesamtjahr 2020 einen Verlust vor Steuern von 124 Millionen Euro.

Der Handel mit Anleihen und Währungen florierte, das Beratungs- und Emissionsgeschäft lief bestens. Die Erträge - also die gesamten Einnahmen - in der Investmentbank erhöhten sich binnen Jahresfrist um ein Drittel auf 9,3 Milliarden Euro. Im gesamten Konzern kletterten die Erträge von rund 23,2 Milliarden auf gut 24 Milliarden Euro. Die Entwicklung im Investmentbanking hatte sich abgezeichnet: Auch die Wettbewerber wie Goldman Sachs und JP Morgan oder die Schweizer Großbank UBS profitierten im vergangenen Jahr von turbulenten Börsen und einem starken Investmentbanking.

Sewing hält starkes Investmentbanking für nachhaltig

Sewing rechnet mit einem Anhalten der Stärke im Investmentbanking. Die Entwicklung im vergangenen Jahr stimme ihn zuversichtlich, dass die Ertragszuwächse zu einem großen Teil nachhaltig seien, auch wenn sich die Märkte wieder normalisieren dürften, schrieb Sewing in einem Brief an die rund 85.000 Mitarbeiter des Konzerns. "Ein sehr guter Start ins neue Jahr hat uns in dieser Zuversicht ganz und gar bestärkt." Die Bank habe im zweiten Halbjahr gegenüber US-Wettbewerbern Marktanteile gewonnen, viele wichtige Kunden machten wieder deutlich mehr Geschäft mit dem Institut.

Regulatoren und manche Analysten kritisieren, dass das schwankungsanfällige Kapitalmarktgeschäft wieder eine so wichtige Rolle für die Deutsche Bank spielt. Sewing wollte durch den im Sommer 2019 angestoßenen Konzernumbau eigentlich mehr Ausgeglichenheit zwischen den einzelnen Sparten erreichen. Durch den Umbau fallen weltweit 18.000 Arbeitsplätze weg.

rei/Reuters, dpa
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