Wie Cryan in London um Investoren wirbt Deutsche Bank schmeißt Hälfte der Unternehmenskunden raus +++ Alternative für Börsengang der Postbank

Liebe Leser, nach der Konferenz vor Journalisten am Morgen folgt nun das Treffen des neuen Deutsche-Bank-Chefs John Cryan und seines Finanzvorstands Marcus Schenck in London mit Analysten. Wir dokumentieren die wichtigsten Aussagen.
Vier von elf Vorständen: Finanzvorstand Marcus Schenck (links, Jürgen Fitschen (2. v.l.), der den Vorstand der Bank im Frühjahr 2016 verlassen wird, Cryan, Privatkundenvorstand Christian Sewing (r.). Beim Treffen mit Analysten in London waren unter anderem auch die beiden neuen Top-Managerinnen Kim Hammonds (IT) und Sylvie Matherat (Regierungsbeziehungen) anwesend.

Vier von elf Vorständen: Finanzvorstand Marcus Schenck (links, Jürgen Fitschen (2. v.l.), der den Vorstand der Bank im Frühjahr 2016 verlassen wird, Cryan, Privatkundenvorstand Christian Sewing (r.). Beim Treffen mit Analysten in London waren unter anderem auch die beiden neuen Top-Managerinnen Kim Hammonds (IT) und Sylvie Matherat (Regierungsbeziehungen) anwesend.

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19 Uhr: John Andrews beendet die Analystenkonferenz nach zwei Stunden. Cryan und Schenck konnten auf jede Frage souverän antworten, blieben aber bei ihrer Fassung, dass die Jahre 2016 und 2017 für die Deutsche Bank ein ziemlicher Trauermarsch werden. Aufbruchstimmung verbreiteten sie nicht. Lesen Sie dazu auch den Kommentar unseres Banken-Korrespondenten Tim Bartz.

18.55 Uhr: Cryan lobt noch einmal, ähnlich wie am Morgen in der Pressekonferenz, die "zahlreichen, hart arbeitenden, integren Kollegen" in der Deutschen Bank. Auch ihretwegen wolle er den Aktienkurs rasch steigern. Das steigere die Moral auch deswegen, weil viele von denen ein üppiges Aktienpaket halten.

18.55 Uhr: Ein deutscher Analyst fragt zu dem vor allem in Deutschland sehr emotional begleiteten Bonus-Thema: Cryan sagt, die Boni würden sinken und sich stärker an der tatsächlichen Leistung seiner Kollegen orientieren. Aber natürlich würde die Bank weiter Boni zahlen - nicht zuletzt, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Zudem gehe die Bank derzeit durch eine schwere Zeit, man müsse die Mitarbeiter motiviert halten. Auch dazu dienten die Boni.

18.50 Uhr: Schenck, Andrews' Chef, schaut Andrews an und zeigt auf seine Uhr. Lange wird es wohl nicht mehr gehen.

18.45 Uhr: Schenck kündigt an, dass die Bank auch neben der Postbank noch weitere Geschäfte verkaufen wird, will aber nicht konkreter werden. Cryan sagt, die Bank müsse unter anderem investieren, um die Handelsaktivitäten ihrer Banker viel besser überwachen zu können. Das sei derzeit nicht wirklich in idealer Weise gewährleistet.

18.35 Uhr: Die Analysten haben noch zahlreiche Fragen - und John Andrews, Chef der Investor Relations bei der Deutschen Bank, muss ihnen keine Zeitbegrenzung geben. Die Journalisten mussten am Morgen Cryan und Schenck nach ziemlich genau 90 Minuten wieder ziehen lassen. Zahlreiche Fragen blieben unbeantwortet.

18.20 Uhr: Viel hat sich bislang an der Einschätzung der Investoren nicht geändert: Die Deutsche-Bank-Aktie steht am Ende dieses wichtigen Tages für das Frankfurter Geldhauses mit 6,88 Prozent im Minus.

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John Cryan macht fast alles neu: Gewinner und Verlierer des Radikalumbaus der Deutschen Bank

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17.57 Uhr: Ein Analyst fragt Cryan zu den möglichen Risiken aus den zahlreichen Ermittlungen wegen möglicher Rechtsverstöße der Deutschen Bank. Große Unsicherheit besteht derzeit wegen des Geldwäsche-Vorfalls in Moskau, der inzwischen auch die US-Ermittler beschäftigt. Cryan entschuldigt sich, dass er keine Details liefern kann: "Wir können nicht viel sagen, weil wir nicht viel wissen. Das ist peinlich für uns." Dann gibt Cryan noch eine Kostprobe seiner Akribie. Er habe noch eine Idee, um Kosten zu sparen, wie er seinem Investor-Relations-Chef sagt: Die Hitze, die von der Leinwand abstrahle, vor der Cryan und Schenck sitzen, sei außerordentlich.

17.42 Uhr: Eine vergleichsweise kleine Zahl, aber sehr interessant: Schenck erläutert, dass die Bank künftig mit jährlich rund 200 Millionen Euro Zusatzkosten aufgrund regulatorischer Anforderungen allein in den USA rechne.

17.30 Uhr: In Deutschland wolle die Deutsche Bank "Hausbank" des Mittelstands werden, so Cryan. Bislang reklamiert die Commerzbank das für sich. Cryan rechnet mit Übernahmeangeboten für die Postbank, wenn die Pläne für den Börsengang im nächsten Jahr konkret werden. Selbstverständlich werde man sich das anschauen und danach entscheiden, was im besten Interesse der Deutschen Bank liege. Kurz danach übergibt er an "Marcus", seinen Finanzvorstand.

17.17 Uhr: Erstmals wird Cryan konkret, was er mit "Reduzierung der Komplexität" meint: Die Hälfte der Kunden im Investment- und Unternehmenskundengeschäft (Global Markets and Corporate & Investment Banking) werde die Bank künftig nicht mehr bedienen, weil es sich nicht lohne. "Zu viele Sachen für zu viele Kunden, das führt zu Ineffizienzen." Die Situation in der IT ist wirklich erschütternd: Nur 46 Prozent der Abläufe in der Bank seien digital-fähig. Bis 2020 solle der Anteil auf 95 Prozent steigen.

17.10 Uhr: Cryan bezeichnet die nächsten beiden Jahren als harte Sanierungsjahre. "2018 sollten wir wieder ordentliche Gewinne abliefern", so der Brite. Bis dahin will er unter anderem das Handelsgeschäft der Deutschen Bank zum Teil deutlich zurückfahren, weil es nach neuen Maßgaben der Regulatoren zu viel Kapital bindet.

17.03 Uhr: Die Konferenz in London hat begonnen. Cryan und Schenck sitzen in einem vergleichsweise übersichtlichen Raum an einem Cocktailtisch, Cryan stellt die Strategie vor, etwa 30 Analysten folgen ihm.

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16.55 Uhr: Die Reaktion der Investoren auf die Ansagen des Vorstands bleiben bescheiden: Mit 7,50 Prozent liegt die Aktie am Nachmittag im Minus - obwohl am Nachmittag über die Nachrichtenagentur Reuters durchgesickert war, dass die Bank bis 2018 rund 10 Milliarden Euro Gewinn einfahren will.

12.42 Uhr: Die Investoren sind enttäuscht: Nicht nur keine Dividende, sondern auch noch keine konkreten Wachstumsaussichten. Die Aktie fällt bis Mittag um 5,30 Prozent auf 26.02 Euro. Ab 17 Uhr Frankfurter Zeit haben CEO Cryan und Finanzchef Schenck vor Finanzanalysten in London die Chance, etwas mehr Zuversicht zu verbreiten. Wir berichten dann wieder live.

10.34 Uhr: Jürgen Fitschen nimmt sich das Schlusswort auf die Frage, wann die Deutsche Bank mal wieder einen Normalzustand erreiche: Mit den Kunden gebe es weiterhin gute Gespräche, der Umsatz sei robust. Aber um daraus genügend Gewinn zu erzielen, habe der alte Vorstand nicht konsequent genug gearbeitet: "Es war nicht genug. Es war nicht gut genug." Zudem greift Fitschen noch einmal Cryans Satz von den "sehr guten Leuten" innerhalb der Bank auf und unterstreicht ihn. Das ist ein feiner kollegialer Zug: Cryan war intern zuletzt vorgeworfen worden, die Bank und deren Mitarbeiter in der Öffentlichkeit deutlich zu schlecht zu reden.

10.30 Uhr: Cryan hatte sich lange geweigert, vor der Öffentlichkeit aufgetreten. Auch die heutige Pressekonferenz sollte eigentlich nur telefonisch stattfinden. Die Frage, warum er jetzt doch persönlich auftrete, ordnet Cryan als eine Mischung aus Zufall und neuer Informationslage ein. Er habe lange gedacht, bei diesem Donnerstag handle es sich hauptsächlich um einen "Investor's Day". Dann habe Kommunikationschef Strauß ihn darauf aufmerksam gemacht, dass das eigentlich nicht so sei, und dann habe es sich gut gefügt, dass die Aufsichtsratssitzung am Mittwochabend so lange gedauert habe, dass der Vorstand eh an diesem Morgen noch in Frankfurt sei, so dass er auch gleich die Journalisten informieren könne.

10.23 Uhr: Gegenseitiges Geschmeichle: Die Journalistenfragen werden von den Vorständen regelmäßig als interessant und hilfreich klassifiziert. Jetzt stellt der erste deutsche Journalist seine Fragen in english mit der Begründung, dass John Cryan, dessen Deutsch exzellent ist, in deutscher Sprache gesprochen hat.

10.13 Uhr: Nächste Frage: Was ist eigentlich das Besondere an der Deutschen Bank? Cryan antwortet sehr traditionell. Der Gründungsgrund der Deutschen Bank ist immer noch das Unterscheidungsmerkmal des Instituts. Die Bank sei gegründet worden, um die deutsche Wirtschaft bei der Internationalisierung zu unterstützen. Das könne man so auch auf andere europäische Länder ausweiten. Eine sehr deutsche Antwort für das deutsche Publikum, in der sich möglicherweise internationale Kunden nicht so gut wiederfinden.

10.05 Uhr: Finanzvorstand Schenck weist noch einmal auf ein interessantes Detail hin: Die Bank verabschiedet sich von 6000 Mitarbeitern externer Technologie-Dienstleister, will aber rund 5000 Experten einstellen. Es gehe darum, Technologie wieder zur Kernkompetenz zu machen.

Lange erwartet: Die Details zum Stellenabbau

9.57 Uhr: Die Deutsche Bank hatte jüngst angekündigt, eine Digitalbank neben der etablierten Organisation aufzubauen. Das soll der scheidenden Vorstand Henry Ritchotte unternehmen. Er bekomme dafür eine "überschaubare Summe", so Cryan, um nach den richtigen Technologien Ausschau zu halten und sicherzustellen, dass die Bank keine relevante Technologie verpasse. Dafür werde die Bank im November ein Innovation Lab in Berlin eröffnen.

9.50 Uhr: Christian Sewing konkretisiert den Stellenabbau: Von den netto 9000 Stellen werden 4000 Stellen in Deutschland wegfallen, bis zum Ende 2017 werden 200 Filialen geschlossen. Die Deutsche Bank werde weiterhin rund 500 Filialen betreiben. Hauptsächlich werden die Großstädte von den Schließungen betroffen sein.

9.45 Uhr: Nächste Frage: Wie kann die Bank angesichts des Sparprogramms überhaupt international wettbewerbsfähig bleiben? Cryan holt etwas aus, erklärt seinen Blick auf die Bank: Die Bank habe sehr gute Leute, die Umsätze seien auch gut, aber man müsse mehr Gewinn daraus ziehen. Das liege an den "lausigen Systemen" und das führe dazu, dass "die Moral derzeit nicht stark" sei.

9.40 Uhr: Der Vorstand beendet seine Präsentation, die Fragerunde der Journalisten beginnt. Cryan antwortet in seiner Muttersprache. Erste Frage des Kollegen Frühauf von der FAZ: Die Dividende fällt aus, werden auch die Boni sinken? Cryan antwortet, es sei inakzeptabel, wenn die Situation der Bank nicht auch Folgen für die Vergütung habe. Die Leiden der Aktionäre und Mitarbeiter müssten in "angemessener Balance" stehen. Bei den Boni werde es Konsequenzen haben, konkreter könne er das noch nicht sagen. Details dazu würden Anfang des Jahres diskutiert.

9.35 Uhr: Eine Horrorzahl von Cryan: 35 Prozent der Hardware in den Rechenzentren der Deutschen Bank hätten das Ende ihres Lebenszyklus erreicht oder diesen schon überschritten. Das beunruhige ihn doch besonders. Dafür holt er jetzt immerhin die Ex-Boeing-Managerin Kim Hammonds in den Vorstand.

9.31 Uhr: Der umfänglich gelobte Christian Sewing stellt die neue Organisation der Deutschen Bank in Deutschland vor: Es wird künftig sieben Regionalzentralen geben, die das gesamte Angebot der Deutschen Bank vorrätig haben: Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Köln, Frankfurt, Stuttgart, München. Bislang unterhielten die verschiedenen Sparten zum Teil voneinander unabhängige Regionalzentralen.

Jürgen Fitschen (l) lauscht seinem Co-Chef John Cryan.

Jürgen Fitschen (l) lauscht seinem Co-Chef John Cryan.

Foto: Fredrik von Erichsen/ dpa

9.23 Uhr: Jürgen Fitschen, Co-CEO von John Cryan, darf etwas zur Kundenorientierung der Deutschen Bank sagen. Er verweist darauf, dass die Kundenorientierung auch schon im Mittelpunkt der Strategie von ihm und Jain im Frühjahr stand. Durch die Abschaffung des erweiterten Vorstands (GEC) und den Umbau des Zentralvorstands sei das jetzt umgesetzt. Fitschen, der im kommenden Jahr den Vorstand verlässt, erinnert daran, dass er versprochen habe, Frauen in den Vorstand zu holen. Da habe jetzt geklappt. Dann streift er um die Welt und erklärt, was die Bank wo vorhat. Das sei jeweils eng mit den lokalen Regulatoren abgesprochen. Fitschen spricht ähnlich lang wie Cryan.

9.11 Uhr: Extra-Lob für Sewing: Die Deutsche Bank müsse ihre Wurzeln in Deutschland stärken. "Die Deutsche Bank hat dafür den richtigen Mann: Christian Sewing."

9.08 Uhr: Bislang bleibt es bei Cryans Mantra: Die Deutsche Bank habe kein Strategie-Papier, wohl aber ein Umsetzungsproblem. Der Konzern müsse Komplexität verringern. Dann das erste Detail: Die Deutsche Bank will bis 2018 netto 9000 Stellen streichen. Brutto sind es 14 000 Stellen, dagegen laufen aber geplante Einstellungen von 5000 Stellen. Dazu kommen noch die knapp 20 000 Beschäftigten der Postbank, die verkauft werden soll. Zusammen mit weiteren kleineren Korrekturen will die Bank bis 2018 auf 77 000 Stellen kommen - von heute 103 000.

9.04 Uhr: Strauß kündigt an, dass Cryan die Konferenz in deutscher Sprache bestreitet. Cryan sagt, ihm sei es lieber, bei Englisch zu bleiben. 90 Minuten soll die Konferenz dauern. Dann, so Strauß, gehe es "in den Linienflieger nach London", wo ein Treffen mit Finanzanalysten ansteht. Die Pressekonferenz können Sie hier live verfolgen.  Cryan liest seine Erklärung vor - auf deutsch. Seinem Vorgänger Anshu Jain war immer vorgeworfen worden, kein Deutsch zu lernen.

Vor dem Start: John Cryan am Donnerstag.

Vor dem Start: John Cryan am Donnerstag.

Foto: DPA

8.59 Uhr: Cryan fragt den am Rande stehenden Kommunikationschef Thorsten Strauß, ob er lächeln soll. Macht er dann. Zur Entlastung erscheinen seine Vorstandskollegen Jürgen Fitschen (Co-CEO), Marcus Schenck (Finanzchef), Christian Sewing (Privatkundenchef) und schließlich auch Kommunikationschef Strauß auf der Bühne.

8.55 Uhr: John Cryan betritt die Bühne und muss einige Minuten alleine durchhalten, damit die Fotografen Zeit für ihre Motive haben.

8.50 Uhr: Großer Auflauf in der Taunusanlage 12 in Frankfurt, der Zentrale der Deutschen Bank. Am Mittwochabend und dann noch einmal am Donnerstagfrüh hatte Deutsche-Bank-Chef John Cryan die Deutsche Bank jeweils Mitteilungen über Details der

"Strategie 2020" versendet. Die decken sich sehr stark mit den Zielen, die Cryans Vorgänger Anshu Jain Ende April vorgestellt hatte, sind allerdings detailstärker. Eine wesentliche Information fehlt aber noch: Wie viele Stellen wird der Umbau die Bank kosten? Derzeit beschäftigt sie rund 103 000 Mitarbeiter. Vor einigen Wochen hatten Cryan bereits das Top-Management durcheinander gewürfelt.

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