Vergleich mit US-Justiz Deutsche Bank erzielt Grundsatzeinigung im US-Hypothekenstreit

Es ist Weihnachten: Deutsche-Bank-Vorstandschef John Cryan.

Es ist Weihnachten: Deutsche-Bank-Vorstandschef John Cryan.

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Sanierung des wichtigsten deutschen Geldhauses: Wer die Deutsche Bank retten will

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Ihre Tricksereien auf dem amerikanischen Immobilienmarkt kosten die Deutsche Bank rund sieben Milliarden Dollar. Davon muss das Institut zunächst aber nur 3,1 Milliarden zahlen, wie es in der Nacht zum Freitag nach einer Grundsatzeinigung mit dem US-Justizministerium bekanntgab . Weitere 4,1 Milliarden Dollar werden in den kommenden fünf Jahren in Form von Verbraucherentschädigungen fällig, also etwa bessere Kreditbedingungen und "andere Hilfen für Wohneigentümer". Die Bank betonte allerdings den vorläufigen Charakter: "Es gibt keine Garantie, dass sich das US-Justizministerium und die Bank darauf einigen werden." Das US-Justizministerium äußerte sich zunächst nicht zu dem Fall.

Der Vergleich böte der Deutschen Bank  die Chance, in den kommenden Monaten ohne hastige Schritte zur Stärkung ihres Kapitals auskommen zu können. Derzeit hat die Bank etwa 6 Milliarden Euro in der Bilanz zurückgestellt, um die zahlreichen Rechts-Konflikte zu befrieden. Knapp 2 Milliarden Euro hatte man dafür intern zuletzt für den US-Hypothekenmarkt veranschlagt. Für das vierte Quartal erwarte man durch die Grundsatzeinigung nun noch einmal eine Belastung von 1,17 Milliarden Euro für das Ergebnis, teilte die Bank mit. Wie sich das Fünf-Jahres-Hilfspaket für US-Wohneigentümer auswirke, sei derzeit im Detail noch nicht abzusehen.

Vorstandschef John Cryan hatte zu seinem Start als Vorstandschef im Sommer vergangenen Jahres versprochen, bis Ende 2016 die wichtigsten Rechtsfälle abzuarbeiten, damit die Bank nach Jahren milliardenschwerer, juristischer Konflikte wieder unbelastet arbeiten könne. Im US-Hypothekenstreit gibt es nun zwar eine grundsätzliche Einigung, allerdings wird sie die Bank über das Jahr 2016 hinaus belasten. Zudem stehen Kompromisse in weiteren wichtigen Fällen wie dem Geldwäsche-Verdacht im Russland-Geschäft, mutmaßliche Sanktionsverstöße bei Iran-Geschäften und Manipulationen auf dem billionenschweren Devisenmarkt noch aus.

In den USA hatte das US-Justizministerium für den Hypothekenstreit ursprünglich eine Rekordstrafe von 14 Milliarden Dollar aufgerufen. Das sorgte an den Finanzmärkten zeitweise für Panik, die Aktie stürzte ab und Kunden liefen in Scharen davon. Denn die Reserven der Bank, die mitten in der Sanierung steckt, sind knapp.

Offenbar hatten die Entwicklungen bei Barclays den Druck auf die Deutsche Bank erhöht, noch im Dezember zumindest die Grundsatzeinigung bekanntzugeben: Die britische Großbank wird wegen ähnlicher Vorwürfe von der US-Seite nun verklagt, weil sie sich deren Strafforderungen nicht beugen wollte.

Der Hypothekenstreit ist eine der größten Altlasten der Deutschen Bank. Die Aufsichtsbehörden sehen es als erwiesen an, dass das Institut vor der Finanzkrise auf dem amerikanischen Immobilienmarkt unsaubere Geschäfte machte: Es bündelte faule Hypotheken in hochkomplexe Wertpapiere, die mit dem Einbruch auf dem US-Häusermarkt 2007 auf einen Schlag wertlos wurden und bei vielen Anlegern zu hohen Verlusten führten. Während die Bank die Papiere als sicheres Investment verkaufte, wettete sie intern längst auf den großen Crash, wie 2011 aus einem vernichtenden Untersuchungsbericht des US-Senats hervorging.

Die US-Behörden haben das Hypothekenthema seither akribisch aufgearbeitet. Zunächst wurden wegen ähnlicher Geschäftspraktiken die heimischen Finanzinstitute belangt und mussten hohe Strafen abdrücken, jetzt sind die europäischen Investmentbanken an der Reihe. Neben der Deutschen Bank und Barclays befanden sich zuletzt etwa Credit Suisse und die Royal Bank of Scotland in der Warteschleife.

soc, Reuters
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