Entscheidende Monate für Deutschlands größtes Geldhaus Die acht Baustellen der Deutschen Bank

Kann jede Hilfe gebrauchen: Deutsche Bank, hier die Zentrale in Frankfurt.

Kann jede Hilfe gebrauchen: Deutsche Bank, hier die Zentrale in Frankfurt.

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Sanierung des wichtigsten deutschen Geldhauses: Wer die Deutsche Bank retten will

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Die Deutsche Bank  ist vom Vorzeigekonzern zum Sorgenkind der deutschen Wirtschaft abgestiegen. Im Herbst und Winter 2016 wird sich voraussichtlich zeigen, ob dem größten deutschen Geldkonzern die Wende gelingt: Wegweisende Signale werden unter anderem die Zahlen zum dritten Quartal am 27. Oktober und der Ausgang der Verhandlungen mit den Finanzregulatoren weltweit liefern.

manager-magazin.de beschreibt die wichtigsten Baustellen der Deutschen Bank:

Baustelle 1: Rechtsstreitigkeiten - der Mühlstein des Konzerns

Hunderte offener Rechtsstreitigkeiten mit Finanzaufsichten aus aller Welt belasten die Deutsche Bank - finanziell wie imagemäßig. Das hat auch der seit Juli 2015 amtierende Vorstandschef John Cryan erkannt und rasch nach Amtsantritt zum Ziel ausgegeben, bis Ende 2016 den gefährlichsten Giftmüll der Vergangenheit zu entsorgen. 5,9 Milliarden Euro hat die Bank dafür nach Ende des dritten Quartals 2016 zurückgestellt. Die höchste Strafe wird für die unlauteren Geschäfte mit US-Hypotheken vor Ausbruch der Finanzkrise 2008 fällig werden. Die Bank verhandelt dazu seit Monaten mit dem US-Justizministerium (Department of Justice - DOJ), das vor wenigen Wochen mal schlank 14 Milliarden Dollar als Ausgangsforderung ausgerufen hat. Ebenfalls mächtig gefährlich, weil die Causa noch in die Zeit hineinragt, in der Cryan und Aufsichtsratschef Paul Achleitner bereits in der Bank wirkten: Die Vorwurf der Geldwäsche an die Moskauer Niederlassung der Frankfurter.

Ob Cryan mit seinem Zeitplan hinkommt, ist fraglich. Erst nach Abschluss der Vergleichsverhandlungen wird aber auch klar sein, ob die Bank mit den 5,9 Milliarden Euro auskommt - oder frisches Geld braucht. Diese Unsicherheit, medial zuletzt stark thematisiert, nagt zunehmend auch an den Nerven der Kundschaft und macht sie wechselbereit.

Lesen Sie dazu auch den Report in der November-Ausgabe des manager magazin: Das Versagen der Hausjuristen - warum die Deutsche Bank von einem Skandal in den nächsten stolperte

Baustelle 2: Position auf US-Markt - wie klein darf sie sein?

Cryan hat nach Amtsantritt grosso modo die Strategie übernommen, die seine Vorgänger Anshu Jain und Jürgen Fitschen entwickelt und sich von Aufsichtsratschef Achleitner haben absegnen lassen: eine globale agierende Bank mit breiten Produktangebot vor allem für Firmenkunden. Das impliziert: eine breite Präsenz auf dem wichtigsten Kapitalmarkt der Welt, den USA. Denkbar ist nun aber, dass die Bank als Teil des Kompromisses mit dem DOJ zu den Hypothekendeals ihr Geschäft in den USA reduzieren muss. Das wiederum würde sie für Kunden unattraktiver werden lassen.

Baustelle 3: Postbank - ja, nein oder vielleicht?

Die Deutsche Bank hat die Privatkundenbank Postbank erst gekauft, dann integriert, sie dann unter Jain, Fitschen und Achleitner 2015 wieder zum Verkauf gestellt, deswegen wieder separiert - und denkt nun erneut über eine Integration nach, wie manager magazin bereits im Juli exklusiv meldete. Bei der Vorstellung der Zahlen zum dritten Quartal dementierte Finanzvorstand Marcus Schenck allerdings derartige Überlegungen: Es bleibe bei dem alten Plan, die Bank entweder zu verkaufen oder an die Börse zu bringen - sofern der Preis stimme.

Die Turnübungen kosten hunderte Millionen Euro und machen die Belegschaft irre. Der Grund für das Hin und Her: Einerseits würde der Verkauf der Postbank den Deutsche-Bank-Konzern schlanker machen und die Bilanzrelationen verbessern. Andererseits bieten die Einlagen der Postbank-Kunden einen billigen Quell der Refinanzierung, zudem war das Privatkundengeschäft zuletzt ein verlässlicher Gewinnbringer. Um das Geschäft mit dem Privatkunden noch renditestärker zu machen, müsste die Postbank allerdings mit dem Pendant der Deutschen Bank enger verzahnt werden - was Jobs kosten würde. Das wiederum fällt der Deutschen Bank traditionell schwer, neuerdings auch wegen der starken Stellung von Frank Bsirske im Aufsichtsrat, den Chefkontrolleur Achleitner als treuen Genossen gut gebrauchen kann.

Ein alter Hoffnungsträger, Gegner im eigenen Haus und die "lausige IT"

Vertrauensträger: Henning Gebhardt, Starmanager im Aktiengeschäft, verlässt die Deutsche Bank.

Vertrauensträger: Henning Gebhardt, Starmanager im Aktiengeschäft, verlässt die Deutsche Bank.

Foto: DWS

Baustelle 4: Zukunft der Vermögensverwaltung

Jain und Fitschen und später auch Cryan wollten das Asset Management zur zweiten starken, weltweit tragenden Säule neben dem Investmentbanking ausbauen. Und tatsächlich lief das Geschäft, das in Deutschland hauptsächlich unter der Marke DWS läuft, bis in dieses Jahr hinein auch prächtig. Nun hat die Unsicherheit rund um die Bank aber auch die Vermögensverwaltung erfasst: Sollte die Bank frisches Kapital brauchen, ist zumindest ein Teilverkauf denkbar - entweder an einen Strategen aus der Branche oder die Börse.

Zudem zogen Kunden aufgrund der Unsicherheit über die Zukunft der Bank in den vergangenen Wochen kräftig Kapital ab: Aus dem Geschäft mit den börsengehandelten Fonds (ETF) etwa zogen Klienten in diesem Jahr laut FT  8 Mrd. Dollar ab, rund zehn Prozent aller ETF-Einlagen bei der Bank.

Nachdem in anderen Geschäftsfeldern, vor allem dem Investmentbanking, zuletzt schon wichtige Führungskräfte das Haus verlassen haben, traf es zuletzt auch die Vermögensverwaltung: Der Chef des globalen Aktiengeschäfts der Sparte, Henning Gebhardt, verlässt nach 20 Jahren den Konzern undwechselt zur Privatbank Berenberg.

Baustelle 5: Sparen - aber richtig

Immerhin bei den Kosten hält sich die Deutsche Bank weltweit stabil in der Spitzengruppe. Die Frankfurter bezahlen traditionell generös, zudem erledigen sie viele Arbeiten noch händisch, die in anderen Banken längst automatisiert laufen. Cryan will das ändern, aber die Gewerkschaft Verdi verlangt dafür einen ordentlichen Preis in Form bequemer Abfindungspakete. Immerhin haben die Investmentbanker, denen das Haus seine Misere zu verdanken hat, die Deutsche Bank auch nicht als Sozialfälle verlassen.

Cryan zeigte sich zuletzt intern mehrfach zermürbt darüber, wie langsam die Bank auf Sparkurs kommt und welchen Einfluss Betriebsrat und Gewerkschaft dabei ausspielen. Verdi-Anführer und Deutsche-Bank-Aufsichtsrat Bsirske und seine Getreuen spielen das Thema in der Tat geschickt: Solange die Verhandlungen nach ihren Vorstellungen laufen, ist von ihnen trotz der desolaten Lage der Bank keine Kritik etwa an Aufsichtsrat Achleitner und dem Management zu hören. Aber sie können halt auch anders.

Baustelle 6: IT - wie schnell gelingt die Modernisierung?

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Gewinn, Eigenkapital, Bewertung: Wie US-Banken Europas Banken deklassieren

Foto: © Ralph Orlowski / Reuters/ REUTERS

Seit Cryan die IT der Bank zu Amtsantritt als "lausig" bezeichnet hat, sind die hohen Personalkosten und auch die fehlerhafte Compliance zumindest kein Mysterium mehr. Da Banken im 21. Jahrhundert verkappte IT-Unternehmen sind, hat die Modernisierung der technologischen Infrastruktur also seit rund einem Jahr höchste Priorität. Die Kosten sind enorm, die rhetorische Schärfe der verantwortlichen Vorstandsfrau Kim Hammonds auch. Die US-Amerikanerin war zuvor in leitender Funktion in der Autoindustrie und bei Boeing aktiv. Da hat sie ganz offensichtlich einen schneidigen Kommandoton gelernt. Aber Hauptsache für die Bank, sie bekommt die IT ins Laufen.

Der Mann ganz oben und die wichtigste Frage von allen

Gibt seit 2012 die Richtung vor: Paul Achleitner, Aufsichtsratschef, hier auf der Hauptversammlung im Mai 2016.

Gibt seit 2012 die Richtung vor: Paul Achleitner, Aufsichtsratschef, hier auf der Hauptversammlung im Mai 2016.

Foto: Arne Dedert/ dpa

Baustelle 7: Bleibt Paul Achleitner Aufsichtsratschef?

Seit Achleitners Amtsantritt im Jahr 2012 hat sich die Situation der Bank dramatisch verschlechtert. Der Vorstand ist bis auf Risikochef Stuart Lewis ausgetauscht, auch auf der Kapitalseite im Aufsichtsrat gab es wesentliche Wechsel. Ob Achleitner eine zweite Amtsperiode von fünf Jahren antreten darf, wird sich spätestens im Mai 2017 nach der Hauptversammlung zeigen. Der 60-jährige Österreicher würde sehr gerne. Die Hauptaktionäre der Bank, zwei Scheichs aus Katar, hatten zwischenzeitlich einen Wechsel an der Aufsichtsratsspitze favorisiert, inzwischen ist ihre Haltung opak.

Achleitner hatte sich zu Jains CEO-Zeiten häufig in operative Themen eingemischt, inzwischen verhält er sich so zurückhaltend, wie es das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden eigentlich vorsieht. Entscheidend für seine Zukunft aber wird sein, ob die Bank in den nächsten Monaten endlich Besserung zeigt - und ob es überhaupt einen für die Politik und Regulatoren akzeptablen Ersatzkandidaten gibt.

Baustelle 8: Trägt das Geschäftsmodell?

Bislang hält Cryan an der von seinen Vorgänger Jain und Fitschen verabschiedeten "Strategie 2020" fest. Sie werde erfolgreich sein, verkündete er Anfang des Jahres, man müsse nur endlich die ganzen Lasten aus der Vergangenheit beiseite räumen. Die Quartalszahlen zeigen das bislang nicht. Die öffentlich diskutierte Krise der Bank kosten spürbar Geschäft. Wenn sich das nicht ändert, gibt es im wesentlichen zwei Optionen: Eine Änderung der "Strategie 2020" oder eine kräftige Kapitalerhöhung in der Hoffnung, die Kunden fassen weltweit wieder Vertrauen und kehren zu der Bank zurück.