Samstag, 20. April 2019

Entscheidende Monate für Deutschlands größtes Geldhaus Die acht Baustellen der Deutschen Bank

Kann jede Hilfe gebrauchen: Deutsche Bank, hier die Zentrale in Frankfurt.

2. Teil: Ein alter Hoffnungsträger, Gegner im eigenen Haus und die "lausige IT"

Vertrauensträger: Henning Gebhardt, Starmanager im Aktiengeschäft, verlässt die Deutsche Bank.

Baustelle 4: Zukunft der Vermögensverwaltung

Jain und Fitschen und später auch Cryan wollten das Asset Management zur zweiten starken, weltweit tragenden Säule neben dem Investmentbanking ausbauen. Und tatsächlich lief das Geschäft, das in Deutschland hauptsächlich unter der Marke DWS läuft, bis in dieses Jahr hinein auch prächtig. Nun hat die Unsicherheit rund um die Bank aber auch die Vermögensverwaltung erfasst: Sollte die Bank frisches Kapital brauchen, ist zumindest ein Teilverkauf denkbar - entweder an einen Strategen aus der Branche oder die Börse.

Zudem zogen Kunden aufgrund der Unsicherheit über die Zukunft der Bank in den vergangenen Wochen kräftig Kapital ab: Aus dem Geschäft mit den börsengehandelten Fonds (ETF) etwa zogen Klienten in diesem Jahr laut FT 8 Mrd. Dollar ab, rund zehn Prozent aller ETF-Einlagen bei der Bank.

Nachdem in anderen Geschäftsfeldern, vor allem dem Investmentbanking, zuletzt schon wichtige Führungskräfte das Haus verlassen haben, traf es zuletzt auch die Vermögensverwaltung: Der Chef des globalen Aktiengeschäfts der Sparte, Henning Gebhardt, verlässt nach 20 Jahren den Konzern undwechselt zur Privatbank Berenberg.

Baustelle 5: Sparen - aber richtig

Immerhin bei den Kosten hält sich die Deutsche Bank weltweit stabil in der Spitzengruppe. Die Frankfurter bezahlen traditionell generös, zudem erledigen sie viele Arbeiten noch händisch, die in anderen Banken längst automatisiert laufen. Cryan will das ändern, aber die Gewerkschaft Verdi verlangt dafür einen ordentlichen Preis in Form bequemer Abfindungspakete. Immerhin haben die Investmentbanker, denen das Haus seine Misere zu verdanken hat, die Deutsche Bank auch nicht als Sozialfälle verlassen.

Cryan zeigte sich zuletzt intern mehrfach zermürbt darüber, wie langsam die Bank auf Sparkurs kommt und welchen Einfluss Betriebsrat und Gewerkschaft dabei ausspielen. Verdi-Anführer und Deutsche-Bank-Aufsichtsrat Bsirske und seine Getreuen spielen das Thema in der Tat geschickt: Solange die Verhandlungen nach ihren Vorstellungen laufen, ist von ihnen trotz der desolaten Lage der Bank keine Kritik etwa an Aufsichtsrat Achleitner und dem Management zu hören. Aber sie können halt auch anders.

Baustelle 6: IT - wie schnell gelingt die Modernisierung?

Seit Cryan die IT der Bank zu Amtsantritt als "lausig" bezeichnet hat, sind die hohen Personalkosten und auch die fehlerhafte Compliance zumindest kein Mysterium mehr. Da Banken im 21. Jahrhundert verkappte IT-Unternehmen sind, hat die Modernisierung der technologischen Infrastruktur also seit rund einem Jahr höchste Priorität. Die Kosten sind enorm, die rhetorische Schärfe der verantwortlichen Vorstandsfrau Kim Hammonds auch. Die US-Amerikanerin war zuvor in leitender Funktion in der Autoindustrie und bei Boeing aktiv. Da hat sie ganz offensichtlich einen schneidigen Kommandoton gelernt. Aber Hauptsache für die Bank, sie bekommt die IT ins Laufen.

Seite 2 von 3

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung