Radikalumbau der Deutschen Bank Die entkernte Deutsche Bank

Hat lange dafür gekämpft, altgedienten Top-Managern der Deutschen Bank eine Chance zu geben: Aufsichtsratschef Paul Achleitner, hier auf der jüngsten Hauptversammlung am 21. Mai 2015.

Hat lange dafür gekämpft, altgedienten Top-Managern der Deutschen Bank eine Chance zu geben: Aufsichtsratschef Paul Achleitner, hier auf der jüngsten Hauptversammlung am 21. Mai 2015.

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Wofür ein Unternehmen steht, wird in Chroniken und Mission Statements festgehalten. Verkörpert und gelebt wird dieser Charakter eines Konzerns von seinen Führungspersonen: Dem Vorstand, dem Aufsichtsratsvorsitzenden.

Bei der Deutschen Bank ist dieser Mechanismus auch über das Unternehmen hinaus bedeutsam, weil die Deutsche Bank den Anspruch hat, der bevorzugte Partner der deutschen und europäischen Konzerne in der Welt zu sein. Auf diesen Anspruch hat sie in den vergangenen Monaten immer wieder hingewiesen und dabei auch immer wieder betont, wie homogen der unter Anshu Jain und Jürgen Fitschen zusammengestellte Vorstand sei: alles langgediente Deutschbanker, die - so der Subtext - um ihre besondere Verpflichtung und Mission wüssten.

Dass dies ganz offensichtlich nicht der Fall war, haben Regulatoren vor allem in den USA und Großbritannien bei der Aufarbeitung der zahlreichen Skandale der jüngeren Vergangenheit herausgefunden.

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John Cryan macht fast alles neu: Gewinner und Verlierer des Radikalumbaus der Deutschen Bank

Foto: Christoph Schmidt/ dpa

Mit dem radikalen Vorstandsumbau des Wochenendes hat die Deutsche Bank jetzt ihre umfangreiche Kapitulation öffentlich gemacht. Die Schlüsselpositionen im Vorstand werden künftig Externe besetzen. Vorstandschef John Cryan war zwar gut zwei Jahre im Aufsichtsrat, bevor er am 1. Juli den Vorstandsvorsitz übernahm. Sozialisiert wurde er als Banker aber zuvor bei der UBS. Marcus Schenck, seit Mai Finanzvorstand, hat Banking bei Goldman Sachs gelernt.

Für die größte Gewinnhoffnung, das Geschäft mit Unternehmenskunden und Investmentbanking, wird im Vorstand künftig Jeff Urwin zuständig sein. Er kam im Frühjahr 2015 zur Deutschen Bank, zuvor arbeitete er Jahrzehnte für JP Morgan und die inzwischen untergegangene Bear Stearns. Der zweite operative Hoffnungsträger, die Vermögensverwaltung (Asset Management), wird ab dem Jahreswechsel von Quintin Price geführt, der bislang für den weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock gearbeitet hat und eigentlich schon in den Ruhestand wechseln wollte.

Die anderen beiden operativen Geschäfte, Global Markets und das Privatkundengeschäft, werden zwar von langgedienten Deutschbankern verantwortet, darunter das aufgewertete Privatkundengeschäft mit dem internen Hoffnungsträger Christian Sewing. Ihnen stehen aber vier De-facto-Externe gegenüber, die relevantere Ressort verantworten - einschließlich des machtbewussten Vorstandschefs Cryan.

Warum der Radikalumbau für den Aufsichtsrat eine Niederlage ist

Für Traditionalisten ist das eine schmerzhafte Erkenntnis. Zu der Fraktion gehörte auch lange Aufsichtsratschef Paul Achleitner, der immer gehofft hatte, dass die Institution Deutsche Bank stark genug ist, sich aus eigener Kraft und mit eigenen Talenten zu erneuern. Das Ansinnen ist verständlich: So etwas hätte Teamgeist, Robustheit, vielleicht auch Leistungsfähigkeit gestärkt.

John Cryan hat eine kurze Inventur vorgenommen und festgestellt: Das Potenzial hat die Deutsche Bank nicht mehr. Aufsichtsratschef Achleitner hat die Inventur unterstützt und war sich in der Analyse mit dem Briten einig. Im Ergebnis ist praktisch der gesamte Vorstand, den der Aufsichtsrat 2012 zusammengestellt hatte, ausgetauscht: Die Deutsche Bank hat drei weitgehend verlorene Jahre hinter sich.

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Deutsche Bank: John Cryan - der eiskalte Aufräumer

Foto: Manu Burghart für manager magazin

Für das Haus, das sich immer als exquisiter Talentepool der internationalen Finanzwirtschaft verortet hat, ist das ein Tiefpunkt. Weil der Radikalumbau an der Spitze das Ergebnis einer internen Analyse ist, ist dieser Tiefpunkt sogar noch schmerzlicher als die externen Attacken der Regulierer.

Cryan hat seinen Radikalumbau am Wochenende mit dem Worten kommentiert, er wolle eine "bessere Deutsche Bank schaffen". Sie muss fokussierter und exzellenter werden. Das ist eindeutig das richtige Ziel. Aber was Cryan damit genau meint und wohin der Weg ihn und die Bank genau führen kann, ist auch angesichts des Personaltableaus an der Spitze offener denn je.

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