Vergütungssystem rundweg abgelehnt Denkzettel für Deutsche-Bank-Chefkontrolleur

Die neuen Boni-Pläne rundweg abgelehnt, selbst nur mit 86,9 Prozent der Stimmen entlastet - die Aktionäre verpassten dem Chefkontrolleur der Deutschen Bank, Paul Achleitner, einen echten Denkzettel. Der neue Vorstandschef Cryan erhielt dagegen volle Rückendeckung
Der Co-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, John Cryan (l), und der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner

Der Co-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, John Cryan (l), und der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner

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Die Karriere des Deutsche-Bank-Aufsichtsratschefs: Warum Paul Achleitner um sein Amt kämpft

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Warnschuss für Deutsche-Bank -Aufsichtsratschef Paul Achleitner: Die Aktionäre stimmten seiner Entlastung auf der Hauptversammlung von Deutschlands größtem Geldhaus am Donnerstag mit knapp 87 Prozent zu. Vor einem Jahr hatten noch mehr als 91 Prozent des anwesenden Kapitals dem Kontrollgremium ihr Vertrauen ausgesprochen.

Rückendeckung gab es dagegen für den seit elf Monaten amtierenden Vorstandschef John Cryan, der nach der Hauptversammlung die alleinige Führung der Bank übernommen hat. Er wurde nach zwölf Stunden mit über 98 Prozent entlastet. Cryans neue Vorstandskollegen erhielten ähnliche Zustimmungsquoten wie der Vorstandschef.

Die im vergangenen Jahr ausgetauschten Vorstände wurden allerdings nur mit Ergebnissen zwischen 83 und 85 Prozent entlastet, ebenso wie der scheidende Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen. Rechtlich hat die Entlastung von Spitzenmanagern wenig Bedeutung. Ein schlechtes Ergebnis ist allerdings ein deutliches Misstrauensvotum der Aktionäre.

Aktionäre lehnen das neue Vergütungssystem ab

Das neue Vergütungssystem für den Vorstand lehnten die Aktionäre dagegen ab. Das Votum der Aktionäre ist in diesem Punkt zwar nicht bindend. Achleitner deutete jedoch an, es bei der Ausgestaltung der Bonus-Regeln zu berücksichtigen.

Der Antrag einer Aktionärin, Schadensersatzansprüche gegen Spitzenmanager in einer Sonderprüfung zu untersuchen, verfehlte eine Mehrheit nur hauchdünn. Das Geldhaus nimmt die Rolle von ehemaligen und aktuellen Vorständen und Aufsichtsräten bereits intern unter die Lupe.

Aktionär an Achleitner: "Sie sollen nicht rumjammern"

Mehrere einflussreiche Aktionärsberater hatten empfohlen, das neue System abzulehnen. Dieses regelt vor allem die Boni neu. Danach kann der neue Investmentbanking-Vorstand Jeff Urwin künftig im besten Fall mehr verdienen als Vorstandschef John Cryan. In einem glänzenden Jahr für seine Sparte kann er auf bis zu 13,2 Millionen Euro kommen. Für Cryan liegt die Obergrenze bei 12,5 Millionen. In einem "normalen Jahr" kommt der von JPMorgan abgeworbene Investmentbanker Urwin mit 8,5 Millionen Euro fast an Cryans Gehalt heran.

Seit dem Umbau des Vorstands sind dort auch vier Chefs operativer Sparten vertreten. Bei ihnen richten sich die variablen Vergütungen nicht nur nach dem kurz- und langfristigen Erfolg der gesamten Bank, sondern auch danach, wie ihre Sparten im betreffenden Jahr abschneiden.

Gehälter gedeckelt

Für das laufende Jahr hat der Aufsichtsrat die Gehälter für alle Vorstände auf je 9,85 Millionen Euro gedeckelt - wie in den vergangenen Jahren auch. Dass sie den Betrag erreichen, ist angesichts der düsteren Aussichten für die Branche aber unwahrscheinlich. 2015 hatte die Deutsche Bank angesichts eines Verlusts von fast sieben Milliarden Euro alle variablen Zahlungen an die Vorstände gestrichen.

Cryans Grundgehalt bleibt auch nach dem neuen System bei 3,8 Millionen Euro. Es ist das höchste Festgehalt bei einem der 30 Dax-Unternehmen. Die übrigen Deutsche-Bank-Vorstände bekommen je 2,4 Millionen Euro garantiert.

brt/rei/Reuters
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