Berichte über Kapitalerhöhung und möglichen Sparten-Börsengang Cryan spricht offenbar mit Dax-Größen und Wall-Street-Banken über Kapitalerhöhung

Will die Deutsche Bank das Vertrauen der Märkte zurückgewinnen, muss sie ihre Kapitaldecke stärken. John Cryan lehnte eine Kapitalerhöhung zuletzt ab. Doch Dax-Konzerne würden der Bank beispringen und auch Wall-Street-Häuser wären im Boot, heißt es. Zugleich kursieren Gerüchte über einen Börsengang.
John Cryan: Sogar einen Börsengang der Vermögensverwaltungssparte soll der Chef der Deutschen Bank erwägen, um mit den Erlösen die Kapitaldecke aufzupolstern

John Cryan: Sogar einen Börsengang der Vermögensverwaltungssparte soll der Chef der Deutschen Bank erwägen, um mit den Erlösen die Kapitaldecke aufzupolstern

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Sanierung des wichtigsten deutschen Geldhauses: Wer die Deutsche Bank retten will

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Die Zweifel am Geschäftsmodell der gefährlichsten Bank der Welt wachsen. Die Deutsche Bank sollte es ändern, forderte der IWF jetzt. Das Haus selbst bittet die Anleger um Geduld, versichert, die Angst vor Liquiditätsengpässen sei unbegründet. Notfalls könne man ja 215 Milliarden flüssig machen. Doch derlei Beruhigungspillen wirken nicht wirklich. Die Furcht vor möglichen Gefahren eines gut 35 Billionen Euro schweren Derivatebuchs bleibt. Zusätzlich belasten noch ausstehende Milliardenstrafen Unternehmen und Aktie.

Da kam die einmalige Solidaritätsbekundung, die vor wenigen Tagen gleich sieben Dax-Chefs an die angeschlagene Deutsche Bank schickten, gerade recht. BASF-Aufsichrsratschef Jürgen Hambrecht erklärte gar: "Wir stehen zur Deutschen Bank, ich habe gerade Aktien gekauft."

So weit lehnten sich andere Topmanager nicht aus dem Fenster. Und es stellt sich zurecht die Frage, ob es sich hier nur um ein Lippenbekenntnis handelte, oder den Worten notfalls auch Taten - sprich Geld - folgen würde. Geld kann in einer Vertrauenskrise wie Baldrian auf die aufgewühlte Anlegerseele wirken. Doch um diesen Effekt zu erzielen, müsste es schon viel Geld sein. Und das der eigenen Aktionäre können die Dax-Chefs nicht einfach antasteten, zumindest kämen sie da in ernsthafte Erklärungsnot.

Gleichwohl sollen hochrangige Manager dem "Handelsblatt"  zufolge (kostenpflichtig) über einen Rettungsplan für Deutschlands größte Bank gesprochen haben. Käme es zum Schwur, würden sie sich gegebenenfalls an eine Kapitalerhöhung beteiligen, heißt es in dem Bericht. Die Rede ist von einem einstelligen Milliardenbetrag.

Das ist nicht viel, beziffern Experten den Kapitalbedarf der Bank doch auf ein Vielfaches. Es wäre aber ein gewichtiger Grundstein des Vertrauens, den die Konzerne da legten, damit die Bank eine Kapitalerhöhung leichter über die Bühne bekäme.

Gerüchte um Börsengang der Asset-Management-Sparte

Dem Bericht zufolge soll sowohl die Bank als auch die Bundesregierung über die Pläne informiert sein. So eine konzertierte Aktion der deutschen Wirtschaft hätte den Charme, dass die Regierung im Notfall für eine Beteiligung an der Deutschen Bank keine Steuergelder verschwenden müsste und damit auch der berechtigten Kritik anderer EU-Staaten entginge.

Sowohl die Bank als auch das zuständige Bundesfinanzministerium kommentierten den Bericht nicht.

Hatte Deutsche-Bank-Chef John Cryan unlängst noch Staatshilfe als auch die Option einer Kapitalerhöhung zum gegenwärtigen Zeitpunkt schlicht verneint, scheint die Bank gleichwohl aktiv nach Geldgebern zu suchen.

So berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg  über Gespräche der Deutschen Bank mit führenden Wall-Street-Häusern über eine mögliche Kapitalerhöhung. Neben Aktienemissionen seien aber auch Beteiligungsverkäufe Gegenstand der Gespräche, berichtet Bloomberg. Die Institute hätten angeboten, eine Kapitalerhöhung mit einem Erlös von bis zu fünf Milliarden Euro für die Bank abzuwickeln. Das sei die Summe, die die Bank ohne ein neues Votum seiner Aktionäre emittieren dürfe.

In die gleiche Richtung berichtet auch die "Financial Times". So erwäge John Cryan angeblich, im kommenden Jahr einen Minderheitsanteil der Vermögensverwaltungssparte an die Börse zu bringen, um mit dem eingespielten Geld die schwache Kapitalbasis zu stärken. Analysten würden die 700 Milliarden Dollar schwere Asset-Management-Sparte auf einen Wert von rund acht Milliarden Dollar taxieren, heißt es.

Im Video: Sven Clausen, stellvertretender Chefredakteur von mm, über die drohende Milliardenstrafe und mögliche Liquiditätsprobleme der Deutschen Bank

manager-magazin.de / Wochit
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