Rundumschlag von Chefökonom David Folkerts-Landau Er war's - Deutsche Bank vs. Josef Ackermann, nächste Runde

David Folkerts-Landau

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David Folkerts-Landau ist ein Veteran der Deutschen Bank. Noch nicht ganz so lang im Haus wie CEO Christian Sewing (seit 1989, mit zwei Jahren Unterbrechung), aber doch immerhin seit 1997 - noch vor dem Aufstieg in die Topliga an der Wall Street.

Als Chefökonom der Bank äußert sich Folkerts-Landau regelmäßig auch kontrovers zu allerlei Themen außerhalb der Bank. Wenige Tage vor der Hauptversammlung hat er nun dem "Handelsblatt" ein Interview  gegeben - zur Lage der Bank selbst und zur Verteidigung seines Aufsichtsratsvorsitzenden Paul Achleitner.

Bemerkenswert ist, dass Folkerts-Landau darin mehrere persönliche Urteile über einzelne Topbanker fällt und damit ein führender Vertreter der Bank mit klaren Worten in den schwelenden Streit um die Schuld an der Misere der Deutschen Bank  eingreift. Vor allem den langjährigen Bankchef Josef Ackermann trifft die Kritik an den "Verantwortlichen, die damals gut daran verdienten, unsere Bank größtenteils verlassen (haben), und das in vielen Fällen, ohne dass man sie für ihr Missmanagement zur Verantwortung ziehen konnte."

Dass mit Christian Sewing "nach 16 Jahren wieder ein Deutscher Chef der Deutschen Bank" ist, findet Folkerts-Landau natürlich gut - auch den damit verbundenen "klaren Neustart", der eine deutlich schwächere Rolle im Londoner und New Yorker Kapitalmarktgeschäft bringt. Investmentbanking-Fan Marcus Schenck als Vorstandschef "wäre nicht zu vermitteln gewesen".

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Der Chefökonom geht so weit, die Ackermann-Jahre als "Reverse Takeover" zu beschreiben. Die teuer eingekauften Investmentbanker hätten die Macht in der Frankfurter Institution übernommen. Diese Sicht auf das Ringen um die Strategie der Bank als deutsch-angelsächsischer Kulturkampf ist seit der Finanzkrise verbreitet. Ungewöhnlich ist, dass einer der Akteure des Investmentbankings selbst diese Sicht verbreitet.

Folkerts-Landau muss sich etwas winden, um die Distanzierung hinzubekommen. Schließlich leitete er selbst vor seinem heutigen Job die Analyseabteilung der Kapitalmarktsparte und ist eng mit zwei Leitfiguren der Investmentbanker verbunden: Edson Mitchell, der die Sparte aufbaute, holte ihn einst vom Internationalen Währungsfonds. Und Folkerts-Landau galt als Anhänger der "Anshu's Army" von Anshu Jain.

Ein Hauch von Selbstkritik - aber dann geht es richtig los

Das "Wir" in "wir haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten Fehler gemacht" scheint sich noch auf die Bank insgesamt zu beziehen. Über sich selbst sagt Folkerts-Landau, "natürlich wünschte ich mir, ich hätte das alles in seiner Komplexität schon damals verstanden".

Für Mitchell und Jain aber lässt er keine Kritik gelten, außer als "Symptome" des riskanten Kurses der Bankführung. Beiden attestiert er großartige Leistungen als Banker. Mitchell habe den "Blankoscheck" zum Ausbau des Handelsgeschäfts nur genutzt, weil das sein Auftrag aus Frankfurt war. Jain habe nicht nur geschafft, den Wall-Street-Banken erstmals ernsthafte nicht-amerikanische Konkurrenz zu bieten, sondern zu Beginn der Finanzkrise auch noch "die Bank vor dem Kollaps bewahrt".

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Gleichwohl sei das übermäßige Wachstum der Sparte ein verheerender Fehler gewesen - und zwar einer der damaligen Führung. Schon Alfred Herrhausen, Hilmar Kopper und Rolf Breuer hatten zwar ab 1989 die Weichen in Richtung Wall Street gestellt. Den "Sündenfall" aber datiert Folkerts-Landau auf 2005 - und schiebt die Verantwortung damit ziemlich klar zu Ackermann. Der hatte sich noch vor wenigen Monaten mit Vorwärtsverteidigung gegen derartige Vorwürfe gewehrt - indem er gegen seine Nachfolger keilte.

Einen aktuell Verantwortlichen verschont der Chefvolkswirt ausdrücklich von seinem Rundumschlag: den amtierenden Aufsichtsratschef Paul Achleitner, der wegen der vielen Personal- und Strategiewechsel seit seinem Antritt 2012 von mehreren Aktionären infrage gestellt wird. Achleitner habe "die aktuelle Transformation überhaupt erst möglich gemacht", sagt Folkerts-Landau. Er werde "eines Tages als einer der erfolgreichen Aufsichtsratschefs in die Annalen der Deutschen Bank eingehen".

Zusammengefasst: Alle, die heute etwas zu sagen haben in der Bank, sind großartige Banker. Alle, die früher etwas zu sagen hatten, waren großartige Banker, hatten aber die falschen Anreize. Und diese hat Josef Ackermann gesetzt.

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