Deutsche Bank, Commerzbank und Co. Diese Gefahren birgt der Krieg für die Banken

Im aktuellen Börsencrash verlieren Bankaktien besonders stark an Wert. Das hat Gründe: Den Instituten droht durch den Ukraine-Krieg gleich doppelt Ungemach.
Friedensdemo vor Bankenkulisse: Geldinstitute werden von den wirtschaftlichen Folgen des Krieges hart getroffen

Friedensdemo vor Bankenkulisse: Geldinstitute werden von den wirtschaftlichen Folgen des Krieges hart getroffen

Foto: YANN SCHREIBER / AFP

Ausverkauf an der Börse, insbesondere Bankaktien fliegen en masse aus den Depots der Investoren. Die Papiere hatten sich in der Hoffnung auf steigende Zinsen bis Mitte Februar eigentlich gut entwickelt. Doch dann begann der Angriff Russlands auf die Ukraine.

Investoren fliehen seither vom Aktienmarkt, und vor allem gegenüber Geldhäusern hat sich ihre Einstellung drastisch gewandelt. Wo eben noch die Hoffnung bestand, die Banken könnten bei steigendem Zinsniveau und wirtschaftlichem Comeback aus der Corona-Krise gute Geschäfte machen, dominiert jetzt Pessimismus: Je weiter die Sanktionen des Westens gegenüber Russland verschärft werden, desto größer erscheint die Wahrscheinlichkeit, dass auch westliche Volkswirtschaften darunter zu leiden haben werden (hören Sie dazu auch unseren aktuellen Podcast: "Die Gefahr einer Rezession ist beträchtlich").

Inzwischen werden bereits Importstopps für russisches Öl und Gas diskutiert. Angesichts der Rolle, die Russland als Lieferant fossiler Energieträger insbesondere für Europa spielt, scheint klar, dass so ein Eingriff nicht spurlos an der europäischen Wirtschaft vorübergehen könnte. Deutschland etwa bezieht allein 50 Prozent seines Gases aus Russland. Beim Öl sind es etwa 36 Prozent.

Banken reagieren gewöhnlich besonders sensibel auf das Auf und Ab der Konjunktur - das wird diesmal kaum anders sein. Tatsächlich ist der europäische Bankenindex EuroStoxx Banks in den vergangenen vier Wochen bereits um rund 40 Prozent abgestürzt. Die Deutsche Bank sowie die Commerzbank, die in den Monaten zuvor zu regelrechten Anlegerlieblingen avanciert waren, verzeichneten als führende hiesige Geldhäuser Kursverluste in ähnlichem Ausmaß. Allein am Montag dieser Woche brach der Bankenindex zeitweise um weitere 10 Prozent ein, so stark, wie zuletzt beim Corona-Crash im März 2020.

Investoren meiden österreichische Raiffeisen Bank

Besonders heftig trifft es dabei Institute, die über ein vergleichsweise großes Engagement in Russland verfügen. Denn bei diesen Geldhäusern kommt zum generellen Konjunkturpessimismus die konkrete Gefahr von Ausfällen in Russland noch hinzu. Die Titel der österreichischen Raiffeisen Bank etwa, der französischen Société Générale (SocGen) sowie der italienischen HypoVereinsbank-Mutter UniCredit verbuchten am Montag zeitweise jeweils zweistellige prozentuale Kursverluste. Auf Sicht eines Monats sind die Aktien dieser drei Banken zum Teil um mehr als 60 Prozent eingebrochen.

Zum Hintergrund: Generell haben westliche Banken ihr Engagement in Russland bereits nach dem ersten Ausbruch des Konflikts mit der Ukraine im Jahr 2014 stark zurückgefahren. Das gilt jedoch nicht für alle Geldhäuser. Insbesondere Banken in Österreich, Italien und Frankreich schlugen zum Teil den entgegengesetzten Weg ein: Sie bauten ihre Geschäfte in Russland seither sogar noch aus, wie auch Bloomberg berichtet .

Das Ergebnis ist Zahlen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zu entnehmen, aus denen unter anderem die DZ Bank in einer aktuellen Studie zitiert. Demnach hatten Banken aus Italien und Frankreich mit jeweils mehr als 25 Milliarden Dollar Ende September 2021 das mit Abstand größte Kredit-Exposure in Russland. Es folgt Österreich mit Kreditaußenständen im Volumen von 17,5 Milliarden Dollar sowie die USA mit 14,7 Milliarden Dollar.

Deutsche Banken stehen in diesem Ranking hinter Japan (9,6 Milliarden Dollar) auf Platz sechs, mit 8,1 Milliarden Dollar (7,4 Milliarden Euro). Das deckt sich mit Angaben des Bundesverbandes deutscher Banken, der die Forderungen deutscher Banken inklusive der Auslandsfilialen gegenüber Russland auf Anfrage auf 7,5 Milliarden Euro beziffert.

Vor allem die österreichische Raiffeisen Bank sticht unter den einzelnen Instituten heraus. Die Bank beschäftigt in Russland eigenen Angaben zufolge 9300 Mitarbeiter und betreibt dort 132 Geschäftsstellen mit 4,3 Millionen Kunden. Die Raiffeisen Bank allein verfügt in Russland über Kreditaußenstände von rund 11,6 Milliarden Euro, etwa 30 Prozent des gesamten Nettogewinns der Bank stammen aus dem Land.

Société Générale und UniCredit relativ stark engagiert

Hinzu kommt ein ansehnliches Geschäft, das die Raiffeisen Bank in der Ukraine betreibt. Dort beschäftigt das Institut eigenen Angaben zufolge 6600 Mitarbeiter, die rund 2,9 Millionen ukrainische Kunden betreuen. Die Kreditaußenstände in dem vom Krieg zerrütteten Land beziffert das Geldhaus auf 2,2 Milliarden Euro.

Kein Wunder also, dass Investoren die Aktien des österreichischen Instituts in den vergangenen Wochen besonders mieden, der Kurs stürzte um mehr als 60 Prozent ab. Die DZ Bank schreibt in ihrer Studie: Die Raiffeisen Bank würde verglichen mit den anderen in Russland aktiven Banken unter eventuellen Belastungen im Russland-Geschäft am stärksten leiden.

In einem Statement auf ihrer Website  versucht die Raiffeisen Bank zu beschwichtigen: "Das Risiko ausgehend von der derzeitigen Situation in Russland und der Ukraine liegt deutlich innerhalb der Grenzen, die die Widerstandsfähigkeit der Gruppe in allen möglichen Szenarien gewährleisten", heißt es dort. Sprich: Die Raiffeisen Bank würde diese Krise ihrer eigenen Einschätzung zufolge auch im schlimmsten denkbaren Fall überleben.

Ebenfalls vergleichsweise stark in Russland engagiert sind die Société Générale, deren Tochter Rosbank mit Sitz in Moskau Ende 2021 das elftgrößte Institut in dem Land überhaupt war, sowie die UniCredit. Für beide Banken hat das Russland-Geschäft allerdings keine so große Bedeutung wie für die Raiffeisen Bank. Die Analysten der DZ Bank halten mögliche Ausfälle daher in beiden Fällen für verkraftbar und nicht existenzbedrohend. Eine Ansicht, die im Hintergrundgespräch auch ein Frankfurter Fondsmanager vertritt.

Deutsche Bank beschäftigt 1500 Leute in Russland

Wenn der Krieg in der Ukraine schon für die vergleichsweise stark in der Region aktiven Banken kaum eine existenzielle Gefahr darstellt, dann dürfte das Risiko für deutsche Geldhäuser erst recht gering sein. Deutsche Bank und Commerzbank gehören zu jenen Instituten, die sich in Russland bereits seit 2014 auf dem Rückzug befinden – eine vorausschauende Strategie, wie sich jetzt zeigt.

Das Kreditengagement der Deutschen Bank in Russland etwa belief sich Medienberichten zufolge  2012 noch auf 7,9 Milliarden Euro. Nachdem die Bank ihre Wertpapierabteilung nach einem Geldwäscheskandal geschlossen hatte, sank das Volumen dann schon bis Ende 2016 um fast 70 Prozent. Inzwischen dürfte das Engagement noch weiter geschrumpft sein. Die Bank selbst teilte dazu vor wenigen Tagen mit, sie beobachte die Situation genau und werde ihre Tätigkeit gegebenenfalls anpassen. "Wir haben unser Engagement in Russland in den vergangenen Jahren deutlich reduziert und die Risiken sind unter Kontrolle", so die Deutsche Bank . Präzise Zahlen zum Russland-Geschäft hat die Deutsche Bank dazu allerdings nicht veröffentlicht.

Sorgen dürfte sich CEO Christian Sewing (51) um das Technologiezentrum der Deutschen Bank in Russland machen. Rund 1500 IT-Mitarbeiter beschäftigt die Bank in dem Zentrum, das sind etwa 10 Prozent der weltweiten Tech-Beschäftigten. Ihren weltweiten Geschäftsbetrieb sieht die Deutsche Bank trotz der Unwägbarkeiten um den russischen IT-Bereich allerdings nicht gefährdet. Das sei das Ergebnis eines Stresstests, den die Bank durchgeführt habe, wie sie vergangene Woche mitteilte.

Die Commerzbank backt in Russland und der Ukraine noch kleinere Brötchen als die Deutsche Bank. Ein Sprecher des Frankfurter MDax-Unternehmens bezifferte die Anzahl der Mitarbeiter in Russland auf 135. Zwei Mitarbeiter habe die Commerzbank in der Ukraine, erklärte der Sprecher Medien zufolge . Für die Deutsche Bank sind demnach 40 Mitarbeiter in der Ukraine tätig.

Furcht vor "faulen Krediten"

Zudem hat auch die Commerzbank ihr Engagement in Russland bereits stark gesenkt. Eigenen Angaben zufolge  hat die Bank in dem Land ein Netto-Kreditrisiko von 1,3 Milliarden Euro, was gerade einmal 0,4 Prozent des Gesamt-Exposures entspreche. In der Ukraine liegt die Summe demnach bei unter 100 Millionen Euro.

Kurzum, selbst jene europäischen Banken, die besonders stark in Russland und der Ukraine vertreten sind, dürften durch Geschäfts- oder Kreditausfälle dort kaum grundlegend ins Wanken geraten. Das Engagement der meisten Institute ist in beiden Ländern ohnehin so gering, dass keine ernsthafte geschäftliche Gefahr durch Ausfälle besteht. Das gilt auch für Deutsche Bank und Commerzbank.

Dass die Banken insbesondere an der Börse derzeit dennoch durchweg starke Verluste verbuchen, liegt jedoch an den insgesamt trüben Aussichten, die sich aus der Entwicklung rund um den Krieg in der Ukraine ergeben. Die Sanktionen des Westens dürften ihre Wirkung kaum verfehlen - auch nicht in westlichen Ländern. Vielfach droht die Konjunktur zumindest zeitweise in eine Rezession abzugleiten. Darunter werden Geldinstitute besonders zu leiden haben.

"Der Anteil an faulen Krediten bei den Instituten ist eigentlich gerade auf einem niedrigen Niveau", bringt es ein Bankenexperte aus Frankfurt gegenüber dem manager magazin auf den Punkt. "Wenn wir jetzt aber in ein, zwei oder sogar drei Quartale mit negativem Wachstum kommen, also in eine Rezession, dann werden die faulen Kredite wieder steigen." Deshalb seien die Banken derzeit an der Börse "en gros unter Druck".