Sonntag, 20. Oktober 2019

Präsident Jürgen Fitschen Bankenverband schließt Strafzins nicht aus

Fitschen: Der Bankenpräsident erwartet, dass die Geldhäuser "sehr verantwortungsvoll" mit dem Thema umgehen

Sparkassen lehnen den Strafzins klar ab, der Präsident des Bankenverbands tut dies nicht. Jürgen Fitschen, zugleich Co-Chef der Deutschen Bank, ermahnt die Mitglieder aber, bestimmte Kunden vorerst zu verschonen.

Hamburg - Werden nach dem "Tabubruch" durch die Skatbank nun weitere Privatbanken einen Strafzins für die Spareinlagen ihrer Kunden erheben? Weitere Banken schließen das offenbar nicht aus, signalisiert Bankenpräsident Jürgen Fitchen.

"Jedes einzelne Institut muss sich mit dem Thema auseinandersetzen", mahnte Fitchen in seiner Funktion als Präsident des Bundesverbands deutscher Banken (BdB). Er sei aber sicher, dass alle Banken "sehr verantwortungsvoll" mit dem Thema umgehen würden.

Tage zuvor hatte die Skatbank mit einem erstmals erhobenen Strafzins für Schlagzeilen gesorgt. Ein hochrangiger Deutsche-Bank-Manager hatte dafür öffentlich Verständnis und sich zugleich sicher gezeigt, dass weitere Geldinstitute dem Beispiel der Skatbank folgen würden.

Fitschen deutete nun an, dass zumindest Sparer mit kleinen Einlagen zunächst von den Belastungen negativer Zinsen verschont bleiben dürften.

Der BdB ist das Sprachrohr der privaten Banken in Deutschland und vertritt unter anderem die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen und die Commerzbank Börsen-Chart zeigen. Am Wochenende hatte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Georg Fahrenschon, Negativzinsen auf Spareinlagen für die Sparkassen ausgeschlossen.

Die Deutsche Skatbank hatte für Wirbel gesorgt, weil sie seit November für Beträge auf Tagesgeldkonten von mehr als 500.000 Euro einen Minuszins von 0,25 Prozent verlangt. Allerdings wird dieser nach Angaben der Bank erst dann fällig, wenn die Gesamteinlagen des Kunden - unabhängig von der Anlageform - drei Millionen Euro überschreiten. Das Institut ist eine Direktbank-Tochter der Volks- und Raiffeisenbank Altenburger Land.

Die Skatbank hatte ihre Entscheidung mit der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank begründet. Im Kampf gegen Konjunkturflaute und gefährlich niedriger Inflation hatten die Währungshüter den Leitzins auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt. Zudem verlangt die EZB einen Strafzins von 0,2 Prozent von Banken, die Geld bei ihr parken.

Banken fordern Erleichterungen bei Abwicklungsfonds

Desweiteren dringen die Banken auf steuerliche Erleichterungen bei den Beiträgen für den neuen EU-Bankenabwicklungsfonds. "Wenn die Bankenabgabe etwa in Frankreich, Spanien und Irland abzugsfähig ist, sollte dies auch in Deutschland der Fall sein", sagte Fitschen. "Ansonsten hätten wir einen klaren Wettbewerbsnachteil."

Der Abwicklungsfonds soll bis zum Jahr 2024 mit 55 Milliarden Euro gefüllt werden. Einen Großteil - voraussichtlich 15 Milliarden Euro - dürften deutsche Institute beisteuern, die bereits in einen nationalen Krisenfonds einzahlen. Die Bundesregierung war in Brüssel mit dem Versuch gescheitert, dass die künftig europaweit erhobene Abgabe nicht steuerlich geltend gemacht werden sollte.

ts/rei/dpa-afx

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