Zugeständnis an Aufsichtsbehörden Deutsche-Bank-Vorstände verzichten auf Teil ihrer Boni wegen regelwidriger Whatsapp-Nutzung

Whatsapp für geschäftliche Kommunikation? Eigentlich ein No-Go auch bei der Deutschen Bank. Nach Kritik der US-Aufsichtsbehörden verzichtet die Vorstandsriege der Bank nun auf einen Teil ihrer Boni. Zugleich testet sie eine neue Kontrolltechnologie für ihre Mitarbeiter.
Verzichtet auf 75.000 Euro: der Chef der Deutschen Bank, Christian Sewing

Verzichtet auf 75.000 Euro: der Chef der Deutschen Bank, Christian Sewing

Foto: Thomas Lohnes/Getty Images

Asoka Wöhrmann (56) ist bei der Deutschen Bank Geschichte. Der ehemalige DWS-Chef stolperte über Greenwashing-Vorwürfe  und musste Anfang Juni die Fondstochter der Bank verlassen. Dass Wöhrmann auch gegen interne Regeln der Kommunikation verstieß, weil er Geschäftliches über den privaten E-Mail-Account und Whatsapp laufen ließ , ist vielleicht nur ein Randaspekt, der zum Absturz des ehemaligen DWS-Chefs beigetragen hat. Die Whatsapp-Bürde indes trägt er nicht allein. Offenbar war diese Praxis unter Führungskräften der Bank weitverbreitet – und kostet sie jetzt einen Teil ihrer Boni.

So soll der Vorstand einer Gehaltskürzung von Führungskräften zugestimmt haben, nachdem die Aufsichtsbehörden in den USA die Nutzung privater Kommunikationskanäle für geschäftliche Kommunikation kritisiert hatten, berichtet Bloomberg  unter Berufung auf Insider. Auf jeweils 75.000 Euro ihrer variablen Vergütung für das vergangene Jahr würden die zehn Vorstandsmitglieder der Deutschen Bank verzichten. Dabei macht Vorstandschef Christian Sewing (52) keine Ausnahme, schreibt auch die "Financial Times" .

Die Vorstände dürften die Verringerung der Boni in homöopathischer Dosis durchaus verkraften. Sie entspricht in der Regel nicht viel mehr als 1 Prozent ihrer zusätzlichen Vergütung. Im Fall der Vorständin Rebecca Short (48) sollen es 3 Prozent sein. Gleichwohl gilt der Verzicht als ungewöhnlich, weil die Vorstände damit dokumentieren, einen Teil der Schuld für die Nutzung nicht genehmigter Messaging-Anwendungen zu tragen. "Der Vorstand übernimmt die Verantwortung für das kulturelle Defizit", zitiert die "FT" dabei aus Kreisen der Bank, die sich selbst nicht zu den Berichten äußert.

Warnschuss der SEC

Sewing selbst soll laut Bloomberg und "Financial Times" unter anderem mit dem deutschen Geschäftsmann Daniel Wruck  Nachrichten über private Kommunikationskanäle ausgetauscht haben, dessen Rolle bei Geschäften mit der Fondstochter DWS deutsche Ermittler nachgehen. Auch mit großen Investoren der Bank hätte Sewing über Whatsapp kommuniziert.

In den USA ermitteln die Aufsichtsbehörden gegen mehrere Banken in gleicher Angelegenheit. Im Dezember vergangenen Jahres brummte die SEC der Investmentbank J. P. Morgan Chase eine Strafe von 200 Millionen Dollar auf, weil die Bank es versäumt hatte, Aufzeichnungen über die Kommunikation ihrer Mitarbeiter auf persönlichen Geräten zu führen. In der Bankenbranche galt dies als Warnschuss an die Wettbewerber, die Kontrolle und Dokumentation der internen Kommunikation zu verschärfen.

Deutsche Bank zeichnet nun Gespräche von Mitarbeitern mit US-Kundenkontakt auf

Die Deutsche Bank hat daraufhin technische Lösungen eingeführt, die die Kontrolle der Kommunikation der Mitarbeiter über private Kanäle verbessert, schreibt Bloomberg. So würden unter anderem Handy-Gespräche der Mitarbeiter nun mit einer speziellen Software aufgezeichnet und archiviert. Das Ende April gestartete Pilotprogramm soll zunächst 1750 Mitarbeiter der Bank mit Kundenkontakt in den USA betreffen.

Der Verhaltenskodex der Bank besagt, dass "nur von der Deutschen Bank zugelassene Kommunikationsgeräte und -anwendungen für die Abwicklung von Bankgeschäften per E-Mail, Chat oder andere elektronische Nachrichten verwendet werden dürfen". Um diese Politik durchzusetzen, seien Textnachrichten auf den Mobiltelefonen der Deutschen Bank seit Jahren gesperrt, schreibt die "FT".

rei