Samstag, 7. Dezember 2019

Ziele für 2019 kaum zu schaffen Deutsche Bank - gefangen im Abwärtsstrudel

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing: Der Mini-Gewinn 2018 ist noch kein Befreiungsschlag

Die Deutsche Bank hält nach Bekanntgabe ihrer Bilanz zum vierten Quartal zwar an ihrem Renditeziel fest, es erscheint aber ambitionierter denn je. Denn im Investmentbankgeschäft, dem erhofften Wachstumstreiber, fällt das Institut gegenüber der Konkurrenz mehr und mehr zurück. Eine Fusion mit der Commerzbank würde das Problem nicht lösen.

Die Einsicht ist da: "Wir müssen deutlich mehr machen, um unsere Ziele für 2019 zu erreichen", räumte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing am Freitag in der Telefonkonferenz mit Analysten ein. Zu diesen Zielen gehört vor allem eine Rendite von mehr als vier Prozent - nach 0,4 Prozent im abgelaufenen Jahr. Nur der Weg dahin basiert zu einem Gutteil auf Hoffnungswerten statt auf einer realistischen Einschätzung der Lage.

So rechnet Sewing nicht mit einer Abkühlung der Konjunktur - im Gegensatz zu dem Gros der Volkswirte. Der Deutsche-Bank-Chef erwartet, dass die Weltwirtschaft standhaft bleibt und dass dies dazu beiträgt, das Geldhaus endlich wieder auf Wachstumskurs zu bringen - nach drei Jahren des Schrumpfens.

Investmentbankgeschäft hat Marktanteile eingebüßt

Bei der erhofften Trendumkehr spielt die Investmentbanksparte die entscheidende Rolle. Doch in Teilen des Investmentbankgeschäfts hat die Deutsche Bank Marktanteile und Umsätze eingebüßt - teilweise stärker als die Konkurrenz und das in einer Zeit, in der der konjunkturelle Gegenwind bei weitem nicht so heftig ausfiel wie wohl in diesem Jahr.

So lag das Minus im Anleihehandel bei 23 Prozent. Bei der Fremdkapitalbeschaffung brach das Geschäft des Frankfurter Geldhauses im vierten Quartal um 47 Prozent ein. Auch im Aktienhandel hat die Deutsche Bank Federn gelassen, während die Konkurrenten um vier Prozent zulegen konnten. Die Aussichten, dass sich dieser Trend bei der Deutschen Bank jetzt radikal umkehrt, schätzen selbst die Optimisten unter den Analysten als überschaubar ein.

Mini-Gewinn ist kein Befreiungsschlag - Sewing läuft die Zeit davon

Die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen kann zwar feiern, dass sie 2018 wieder in den schwarzen Zahlen zurückgekehrt ist. Aber der Mini-Gewinn ist nicht der Befreiungsschlag, den die Deutsche Bank braucht. Dieser lässt weiterhin auf sich warten.

Klar ist auch: Sewing hat nicht mehr viel Zeit, um die Deutsche Bank wieder auf Kurs zu bringen. Denn die Nervosität der Bundesregierung über den Zustand der Bank steigt und damit der Druck, die Deutsche mit der Commerzbank zu fusionieren.

Doch das würde die Probleme von Deutschlands Großbank nicht lösen. Vor allem im Investmentbankgeschäft hat die Commerzbank Börsen-Chart zeigen nichts zu bieten, was das fusionierte Institut am Ende schlagkräftiger machen könnte. Umso verzweifelte wirkt die Fusionsidee, die offenbar in Berlin eine Reihe von Anhängern hat.

Wie weit die Deutsche Bank aus eigener Kraft noch kommen kann, dürfte sich im ersten Quartal dieses Jahres zeigen, den wichtigsten Monaten im Investmentbankgeschäft. Kommt das erhoffte Wachstum nicht, bleibt dem Geldhaus nur noch ein Ausweg, um das Renditeziel zu erreichen: deutlich stärkere Einschnitte bei den Ausgaben als bisher geplant.

Ja, Sewing hat gezeigt, dass die Deutsche Bank sparen kann. Das Institut liegt nicht mehr auf der Intensivstation. Gesund ist es aber noch lange nicht.

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