Dienstag, 25. Juni 2019

Brite Cryan soll Geldhaus allein führen Anleger feiern Machtwechsel bei Deutscher Bank

Haben die Erwartungen der Investoren nicht erfüllt: Die Co-Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain (l.) und Jürgen Fitschen stehen in der Kritik und treten zurück

Dem ehrgeizigen Co-Chef der Deutschen Bank, Anshu Jain, wird die Entscheidung zum Rücktritt sicher schwer gefallen sein. Schließlich steht er seit ziemlich genau 20 Jahren im Dienst des deutschen Branchenprimus, davon knapp drei als Co-Vorstandschef. In dieser Funktion wollte er das Institut wieder in festere Bahnen lenken.

Dass die Börse am Montag nun seinen Rücktritt und den von Co-Vorstand Jürgen Fitschen euphorisch feiert, dürfte dem ebenso brillanten wie auch umstrittenen Banker wie ein letzter Seitenhieb vorkommen. Im Vormittagshandel am Montag notierte die Aktie der Deutschen Bank mit einem Plus von rund 7 Prozent - der größte Kurssprung seit vielen Monaten.

Seit Juni 2012 - dem Zeitpunkt des Amtsantritt von Jain und Fitschen - läuft die Aktie dem Dax Börsen-Chart zeigen deutlich hinterher. "Nachhaltige Kursgewinne hängen jedoch davon, ob die Anleger den Nachfolger John Cryan wirklich als Heilsbringer sehen, der einen Strategiewechsel einleitet. Daran dürfen Zweifel erlaubt sein", sagte ein Börsianer.

Zurückhaltend äußerte sich am Morgen auch Analyst Jernej Omahen von der US-Investmentbank Goldman Sachs, der ebenfalls nur mit kurzlebigen Kursgewinnen rechnet. Es komme zwar ein neuer Chef, er stehe jedoch vor den alten Problemen.

Nach heftiger Kritik an ihrem Kurs hatten Fitschen und Jain am Sonntag ihren Rücktritt bekanntgegeben. Jain wird zum 30. Juni 2015 zurücktreten. Jürgen Fitschen soll einen geregelten Übergang sicherstellen und bis zum Abschluss der Hauptversammlung im Mai 2016 im Amt bleiben, teilte die Deutsche Bank am Sonntagnachmittag mit. Die Verträge von Jain und Fitschen liefen eigentlich noch bis 2017.

Aufsichtsratsmitglied John Cryan (54) soll zum 1. Juli 2015 Co-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank werden und nach dem Ausscheiden von Fitschen die Bank als alleiniger Vorstandschef führen. Der Aufsichtsrat habe Jain zugleich gebeten, bis Januar 2016 als Berater der Bank zur Verfügung zu stehen, teilte die Bank weiter mit.

Nach Informationen von manager magazin online war der Brite und Deutsche-Bank-Aufsichtsrat schon seit gut einem Jahr als Ersatz für Jain vorgesehen, falls der Inder aufgrund der zahlreichen Ermittlungen gegen die Investmentbank hätte räumen müssen.

Für seinen Feuerwehreinsatz jetzt blieben dem 54-jährigen Briten aber nur wenige Wochen der Vorbereitung: Denn erst die weiträumige Ablehnung durch die Investoren auf der Hauptversammlung Ende Mai ließ Jain nach Informationen von manager-magazin.de endgültig akzeptieren, dass er den Rückhalt für die Führung der Bank verloren hatte. Zu Jains Entschluss dürfte auch das negative Feedback der Anleger auf der Investoren-Roadshow nach der Hauptversammlung beigetragen haben. Also informierte er Aufsichtsratschef Paul Achleitner und seinen Co-Chef Jürgen Fitschen.

Cryan schon länger als möglicher Nachfolger für Jain vorgesehen

Achleitner beriet sich daraufhin mit einigen Mitgliedern des Aufsichtsrats, blieb aber bei seiner Überzeugung, dass für einen kurzfristigen Ersatz für Jain in der aktuellen Situation Cryan die Idealbesetzung ist: Der Banker ist einerseits unbelastet, durch seine Arbeit im Aufsichtsrat der Deutschen Bank aber andererseits in die wesentlichen Themen gut eingearbeitet. Cryan, der derzeit in London lebt, soll nach Informationen von manager magazin online einen Fünf-Jahres-Vertrag bekommen und wird einen Wohnsitz in Frankfurt beziehen.

Auf der Hauptversammlung am 22. Mai hatte Jain einen Rücktritt noch ausgeschlossen. "Das Beste, was ich tun kann, ist die Probleme der Bank zu lösen und ihre Leistung zu optimieren", hatte er in einem Interview gesagt.

Aufsichtsratschef Paul Achleitner hatte gut eine Woche vor der HV ein klares Bekenntnis zum Führungsduo der Bank zwar vermieden. Zugleich hatte der Aufsichtsrat Jain aber demonstrativ noch den Rücken gestärkt und ihn maßgeblich mit der Umsetzung der neuen Strategie betraut, die die Bank ins nächste Jahrzehnt führen sollte

Nach Informationen von manager magazin online hatte der Aufsichtsrat dann unmittelbar nach der Hauptversammlung mit der strukturierten Suche nach Nachfolgern für Jain und Fitschen begonnen. Bereits in der Märzausgabe 2014 hatte manager magazin darüber berichtet, dass Cryan für Jain einspringen solle, falls der über eine der vielen Ermittlungen gegen die Bank fallen sollte.

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