Dienstag, 2. Juni 2020

Streit um Diskussionskultur Deutsche Bank sucht neuen Chefjustiziar

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt: ein neuer Chefjustiziar muss her.
Arne Dedert/ DPA
Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt: ein neuer Chefjustiziar muss her.

Die Deutsche Bank und ihr Chefjustiziar Florian Drinhausen (52) gehen voraussichtlich bald getrennte Wege. Der Jurist steht kurz vor dem Absprung, wie das manager magazin aus Finanzkreisen erfuhr.

Drinhausen war lange Zeit Partner bei Linklaters, bevor er 2014 zu Deutschen Bank kam. Vor gut zwei Jahren wurde er zum Chefjustiziar und damit Leiter der Rechtsabteilung befördert. Nach Informationen des manager magazins gibt es Unstimmigkeiten zwischen Drinhausen und Rechtsvorstand Stefan Simon. Drinhausens Herangehensweise an das Aufarbeiten alter Rechtsfälle gilt als eher hartleibig und wenig entgegenkommend. Simon bevorzuge eine andere Strategie, heißt es.

Drinhausen war beispielsweise Ende 2018, als Staatsanwälte bei der Deutschen Bank wegen des Verdachts auf Geldwäsche anrückten, die Ermittler recht lautstark angegangen. Solche Gefühlausbrüche seien nicht hilfreich, verlautete schon damals aus dem Vorstand der Bank. Auf Drinhausens Rat hin soll der damalige Rechtsvorstand Karl von Rohr auch bei der Hauptversammlung 2019 die Razzia der Staatsanwälte erneut kritisiert haben. Auch das sei keine konstruktive Art und Weise im Umgang mit den Ermittlern, die man eigentlich inzwischen vermeiden wolle, sagte eine mit dem Thema vertraute Person.

Nach Angaben aus informierten Kreisen hatte Drinhausen zudem die Hoffnung, selbst in den Vorstand aufzusteigen und dort das Rechtsressort zu verantworten. Als Bank-Chef Christian Sewing im Sommer vergangenen Jahres einen groß angelegten Umbau des Geldhauses verkündete und die Führungsspitze neu ordnete, ging Drinhausen aber leer aus. Stattdessen holte Sewing den Juristen Stefan Simon, der damals noch im Aufsichtsrat der Deutschen Bank saß, in den Vorstand. Dem wird er offiziell ab Sommer angehören. Ab dann hat er die dafür notwendige Erlaubnis der Bankenaufsicht.

Die Deutsche Bank wollte sich zu der Causa Drinhausen nicht äußern.

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