Montag, 22. Juli 2019

Scheidender Deutsche-Bank-Chef Sprechen lernen als Lame Duck

Soll bis Mai 2016 an der Spitze der Deutschen Bank weitermachen: der Co-Vorsitzende des Vorstands, Jürgen Fitschen. Um trotz Lame Duck-Image das Bankhaus in der Öffentlichkeit vertreten zu können, muss an seiner Kommunikationsstrategie gefeilt werden

Deutsche Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner zeigt sich dankbar und offenbar erleichtert in der Öffentlichkeit angesichts des angekündigten Rücktritts der Doppelspitze von Anshu Jain und Jürgen Fitschen.

"Ihre Entscheidung, ihr Amt früher als geplant niederzulegen, zeigt auf eine beeindruckende Weise ihre Einstellung, die Interessen der Bank vor ihre eigenen zu stellen." (zitiert nach Presseerklärung der Deutschen Bank)

Ein absolut vergiftetes Lob, denn die Interessen der Bank sind offenbar alles andere - nur nicht die einer weiteren Zusammenarbeit mit der Doppelspitze. Und - anders herum gefragt - sollten nicht die Interessen der Führungs-Doppelsitze und die der Deutschen Bank identisch sein, dass es keiner großen Unterscheidung mehr bedarf? Bei aller Kritik an ihren Vorgängern - die haben jedenfalls keinen Zweifel daran gelassen, dass die Interessen der Deutschen Bank auch ihre eigenen sind und umgekehrt. Das führte zuweilen zu etwas egomanen Auftritten eines Josef Ackermann und daraus resultierender kritischer bis negativer Berichterstattung, aber man nahm ihn als Typ wahr, der auch unpopuläre Auffassungen mit seiner Position als Manager für das Bankhaus trug und die negative Schlagzeilen einfach wegsteckte.

So gesehen war es weder für Anshu Jain noch für Jürgen Fitschen eine gute Ausgangsposition, Führungsstärke zeigen zu können, wenn die Bank nach einem Josef Ackermann zwei Manager installiert, die in dessen Fußstapfen treten sollten.

Tom Buschardt
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    Tom Buschardt ist seit Ende der 1990er Jahre Medientrainer. Er coacht Vorstände und Politiker für den optimalen Auftritt vor Mikrofon, Kamera und Publikum. Seit 2004 ist er auch Dozent an der Akademie des Auswärtigen Amtes (Interviewtraining). Er arbeitete für zahlreiche Sender der ARD sowie RTL Aktuell und ist Experte für Krisenkommunikation. www.buschardt.de

Paul Achleitner kann mit seinem "Lob" und "Dank" nur gemeint haben, dass man einen langwierigen Kampf um das Festhalten an im Grunde nicht mehr haltbaren Positionen und Funktionen vermeidet und den Ausscheidenden dafür dankt, in unruhigen Zeiten nicht noch mehr Durcheinander in den Medien zu verursachen.

Während Jain in der offiziellen Sprachregelung weiterhin als Berater für die Bank tätig sein würde, was letztlich einem sanften Abgang entspricht, will Fitschen bis zur nächsten Hauptversammlung noch die Stellung halten.

Das wird eine harte Zeit - für Jürgen Fitschen und die Deutsche Bank.

Schon bei der Hauptversammlung präsentierte sich ein absolut emotionsloser und begeisterungsresistenter Jürgen Fitschen, der schließlich auch mit einigen Buh-Rufen und Pfiffen abgestraft wurde. Auf einer derartigen Basis kann nichts Konstruktives für die Bank-Kommunikation wachsen - aber auch nicht für Jürgen Fitschen selbst, der schließlich seine eigene Marktpositionierung im Blick haben muss, will er nicht für den Rest seines Berufslebens mit dem Deutsche-Bank-Prozess in Verbindung gebracht werden.

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