Donnerstag, 18. Juli 2019

Scheidender Deutsche-Bank-Chef Sprechen lernen als Lame Duck

Soll bis Mai 2016 an der Spitze der Deutschen Bank weitermachen: der Co-Vorsitzende des Vorstands, Jürgen Fitschen. Um trotz Lame Duck-Image das Bankhaus in der Öffentlichkeit vertreten zu können, muss an seiner Kommunikationsstrategie gefeilt werden

4. Teil: Aus der Lame Duck könnte ein Donald Duck werden

Es sind scheinbare Nebensächlichkeiten, die das Bild von Fitschen im Artikel von Stefan Kaiser prägen:

"Sein Tross schiebt ihn in den Gerichtssaal […] Sein Platz ist in der dritten Reihe der Anklagebänke, ganz hinten an der Tür. Vor ihm sitzen seine Vorgänger […] völlig andere Typen. Großmännisch, charismatisch, eitel. […] Fitschen dagegen ist in seinem Wesen immer der nette Junge aus dem niedersächsischen Dörfchen Hollenbeck geblieben." (zitiert nach SPIEGEL ONLINE)

Fakten. Nichts als Fakten. Aber gefährliche Fakten in dieser Kombination, um jemals ein besseres Image bekommen zu können.

Leise erklingt der Paso Doble, die Faena hat begonnen.

"Fitschen ist zur tragischen Figur […] geworden. […] Er hatte noch als einfacher Vorstand die fragliche Umsatzsteuererklärung 2009 unterschrieben, weil der eigentliche Chef Ackermann gerade nicht im Hause war. Wieder mal Pech gehabt. Irgendwie typisch Fitschen."

Wenn die ersten Artikel in einem derartigen Tenor erscheinen, wird es für die Betroffenen erfahrungsgemäß in den Medien eng und die Luft wird dünner.

Fitschen muss deshalb mit der erhöhten Gefahr leben, dass die Medien anstelle der "Lame Duck" aus ihm einen "Donald Duck" machen, wenn er nicht massiv an der Optimierung seiner Medienpräsenz arbeitet. Eine augenblickliche Schonzeit für Enten ist in diesen Monaten nur durch das Jagdrecht definiert - in den Medien gibt es sie nicht.

Tom Buschardt ist Medientrainer, Experte für Krisenkommunikation und Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de

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