Freitag, 20. September 2019

Scheidender Deutsche-Bank-Chef Sprechen lernen als Lame Duck

Soll bis Mai 2016 an der Spitze der Deutschen Bank weitermachen: der Co-Vorsitzende des Vorstands, Jürgen Fitschen. Um trotz Lame Duck-Image das Bankhaus in der Öffentlichkeit vertreten zu können, muss an seiner Kommunikationsstrategie gefeilt werden

3. Teil: Medien werden sich auf den neuen, starken Mann an der Spitze konzentrieren

Das Problem von Fitschen wird in den nächsten Monaten medial noch größer werden. Bis zum Mai 2016 ist es noch eine lange Zeitspanne.

Anshu Jain hat es gut erwischt: Er wird die Deutsche Bank offiziell noch ein wenig beraten. Im Grunde genommen könnte man es als Übergabe bezeichnen, die medial etwas schicker sprachpoliert wird. John Cryan wird im Juli bereits übernehmen. Was passiert dann mit Fitschen, der sich eher noch vor Gericht präsentieren kann denn als Co-Vorstandschef?

Cryan wird nach dem Ausscheiden Fitschens alleine die Bank führen. Fitschen ist damit definitiv eine "Lame Duck", die irgendwie noch gefüttert werden muss. Es ist in großen Unternehmen ja nichts Ungewöhnliches, einen Mitarbeiter noch etwas mitzuschleppen, für den man eigentlich kaum noch Verwendung hat. Aber in einer derartigen Position?

Fitschen wird sich selbst nur noch weiter medial schwächen, wenn er diese Position weiter innehaben möchte. Die Medien werden sich auf den neuen, starken Mann an der Spitze der Bank konzentrieren, der aber noch seine Altlast "Fitschen" mit seiner Restlaufzeit irgendwie beschäftigen muss, ohne ihn als Mensch und Manager komplett zu demontieren.

Die richtungsweisenden Interviews und Impulse werden ab sofort von John Cryan gegeben werden - Fitschen bleiben seine Auftritte im Prozess gegen die Deutsche Bank.

Wenn der Kollege Stefan Kaiser im SPIEGEL bereits in seiner Headline vom "Banker von der traurigen Gestalt" schreibt, dann wird es höchste Zeit für einen Top-Manager der Top-Manager bleiben will, an seiner Medienstrategie zu arbeiten. Und seine Berater sollten diesen Artikel genauestens analysieren, denn der SPIEGEL dient auch anderen Journalisten als Orientierungshilfe. Kaiser schreibt journalistisch und objektiv betrachtet ausgesprochen gut - aber gefährlich für Fitschens mediale Zukunft.

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