Montag, 22. Juli 2019

Scheidender Deutsche-Bank-Chef Sprechen lernen als Lame Duck

Soll bis Mai 2016 an der Spitze der Deutschen Bank weitermachen: der Co-Vorsitzende des Vorstands, Jürgen Fitschen. Um trotz Lame Duck-Image das Bankhaus in der Öffentlichkeit vertreten zu können, muss an seiner Kommunikationsstrategie gefeilt werden

2. Teil: Nicht nur sauber artikulieren, sondern auch Emotionen wecken

Mit überwiegend gesenktem Haupt, eng ans Redemanuskript geklammert, Gestik- und Mimik-arm sowie hölzern, steif und ohne jegliche Betonung arbeitete er sich bei der Hauptversammlung durch seine "Sätze-To-Do-Liste".

"Wir steuern die Deutsche Bank in die richtige Richtung. Wir haben viele Herausforderungen erfolgreich bewältigt. Und für die noch verbliebenen Herausforderung ist unsere Strategie klar: Wir sind vom Potenzial der Deutschen Bank überzeugt. Und wir sind fest entschlossen, gemeinsam mit dem gesamten Vorstand, gemeinsam mit allen unseren Kollegen, dieses Potential zu heben. Dafür werden wir kämpfen. Deshalb bitten wir Sie weiterhin um ihre Unterstützung. Ich bedanke mich, für Ihre Aufmerksamkeit." (zitiert nach N24-Mitschnitt von der Hauptversammlung)

Unter anderem während dieser Passage senkt Fitschen den Kopf, mit dem Blick Halt suchend auf sein Manuskript geheftet, als wüsste er nicht, dass es bei einer derartigen Rede nicht nur um eine sauber artikulierte Textvertonung geht, sondern auch darum, Emotionen zu wecken.

"Wir sind vom Potenzial der Deutschen Bank überzeugt. Und wir sind fest entschlossen, gemeinsam mit dem gesamten Vorstand,[…]"

So, wie Fitschen es angepackt hat, kann man als Redner nicht charismatisch wirken. Er hat keine Chance, durch einen derartigen steifen Auftritt sein Publikum hinter sich zu vereinen und für gemeinsame Ziele zu begeistern. Gerade gegen Ende einer solch wichtigen Rede muss von einem Mann in der Position Jürgen Fitschens mehr geboten werden.

Der Text seiner Rede ist inhaltlich während dieser Passage ohne jegliche Beanstandung.

Zugegeben: Es ist ein Text, der von der Weihnachtsfeier-Ansprache eines kleinen Mittelständlers bis zum internationalen Weltkonzern funktioniert und absolut austauschbar ist. Aber gerade die einfache Funktionalität einer solchen Textpassage verlangt eine entsprechend mitreißende Präsentation. Ein Redestil wie bei einem Staatsakt ist - auch wenn es die Deutsche Bank ist - nicht hilfreich. Seriosität muss nicht mit "steif" und "emotionslos" übersetzt werden.

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