Deutsche-Bank-Zahlen Jain bittet um Geduld

Die Geschäftszahlen der Deutschen Bank für das abgelaufene Quartal sind miserabel. Co-Chef Anshu Jain versucht erst gar nicht, sie positiv umzudeuten. Rechtskosten und Regulierung werden die Bank weiter in Atem halten.
Deutsche-Bank-Co-Chef Jain: "Diese Reise wird Geduld erfordern"

Deutsche-Bank-Co-Chef Jain: "Diese Reise wird Geduld erfordern"

Foto: Arne Dedert/ picture alliance / dpa

Hamburg - Geduld ist Anshu Jains Leitthema an diesem Dienstag. Erwartungsgemäß wurde der Vertrag seines Co-Chefs Jürgen Fitschen verlängert, beide sollen die Deutsche Bank nun bis März 2017 führen. Den Großteil ihrer Amtszeit haben sie für Aufräumarbeiten reserviert. Ende 2015 sollen Altlasten beseitigt, die Bilanz gestärkt und zugleich die Wettbewerbsposition als eine der weltweit führenden Banken gesichert sein. "Diese Reise wird Geduld erfordern", betont Jain in der Telefonkonferenz mit Analysten mehr als einmal.

Die zugleich vorgelegten Geschäftszahlen für das dritte Quartal, so die Botschaft, sollten Anleger nicht zu wichtig nehmen - und sich schon gar nicht darauf zurücklehnen, dass die kommenden Zwischenberichte schon besser ausfallen würden. Vorsorglich weist Jain bereits darauf hin, dass das laufende vierte Quartal saisonal immer die geringsten Erträge bringe.

Das lässt wenig Hoffnung, die nun verbuchten Lasten seien als Einmaleffekte wegzustecken, um künftig Ruhe zu haben. 1,2 Milliarden Euro Rechtskosten hat die Deutsche Bank  im Sommer verbucht, doppelt so viel wie im Frühjahr. Die Rückstellungen für Prozessrisiken haben sich damit im Lauf des Jahres annähernd verdoppelt. Aktueller Hauptgrund ist der Streit mit halbstaatlichen Immobilienfinanzierern und anderen US-Kunden um überteuert verkaufte Hypothekenpapiere.

Die teuren Rechnungen für Justizfälle stehen noch aus

Inwieweit die anderen, schlagzeilenträchtigeren Justizfälle wie der Libor-Skandal, die mutmaßliche Manipulation im Devisenhandel oder der Schadensersatz für die Kirch-Erben gedeckt sind, ist unklar. In der wöchentlich wachsenden Liste der Multimilliardenstrafen für Banken taucht die Deutsche bisher nicht auf. Die Bank selbst spricht von ungedeckten Risiken in Milliardenhöhe, deren Eintreten "weniger als wahrscheinlich, aber mehr als unwahrscheinlich" sei. Zumindest in den Fällen Libor und Kirch dürfte die Rechnung nicht lange auf sich warten lassen.

"Wir wissen, dass die Unsicherheit bezüglich der endgültigen Kosten und den Zeitpunkt der Ausgaben für Anleger und andere Interessengruppen frustrierend ist", räumt Finanzvorstand Stefan Krause ein. "Wir können aber versichern, dass wir hart daran arbeiten, unsere juristischen Probleme hinter uns zu lassen, sofern das für die Aktionäre sinnvoll ist."

Dass die Vielzahl teurer Rechtskosten im Vordergrund steht, hat Krause richtig erkannt - und weicht deshalb in seiner Präsentation von der üblichen Reihenfolge ab, zunächst die Ergebnisse der Sparten im Kerngeschäft zu erläutern.

Die Ergebnisse sähen auch ohne Sonderkosten nicht gut aus

Die aber sähen auch ohne Sonderkosten nicht gut aus, in allen Sparten außer der Vermögensverwaltung gingen die Erträge zurück. Die Investmentbankingsparte büßte allein im Anleihenhandel eine Milliarde Euro oder fast die Hälfte der Erträge ein und war damit von der Flaute infolge der Unsicherheit um die künftige Geldpolitik der Zentralbanken noch schlimmer getroffen als die Wettbewerber, die von dem Geschäft weniger abhängig sind als Marktführer Deutsche Bank.

Vor Steuern blieb dem Konzern ein minimaler Quartalsgewinn von 18 Millionen Euro. Wegen der Nullrendite fehlten die Gewinnrücklagen, um das Eigenkapital zu stärken. Die von Aufsehern wie Anlegern gleichermaßen als wichtigster Beweis der Stabilität angesehene Kernkapitalquote schrumpfte sogar von 10 auf 9,7 Prozent. "In dieser Kennziffer könnten wir künftig noch mehr Volatilität sehen", räumt Jain ein. Sprich, das Kapital dürfte noch weiter erodieren.

Zwei große Lichtblicke immerhin bietet die Bank. Der eine ist der fortgeschrittene Abbau des Risikos mit der internen Bad Bank. Seit dem Abgang von Ex-Chef Josef Ackermann, als sie einen Rekordwert in der Branche erreichte, ist die Bilanzsumme der Bank um ein Fünftel geschrumpft. "Allein in diesem Quartal haben wir schon 15 Prozent unseres Abbauziels von 250 Milliarden Euro bis 2015 erreicht", meldet Jain stolz.

Wundersamer Erfolg des Sparprogramms

Zweiter Erfolg ist das Sparprogramm "Operational Excellence", das ohne allzu herbe Einschnitte die Effizienz der Bank verbessern soll. Anders als geplant, seien die Einsparungen bereits höher als die Ausgaben für das Programm, erklärt Finanzvorstand Krause. Im Jahresverlauf kostete die Restrukturierung bisher erst 816 Millionen Euro, nicht einmal halb so viel wie für das Gesamtjahr vorgesehen. Die für 2013 angepeilte Kostensenkung um 1,5 Milliarden Euro dagegen sei fast erreicht.

Allerdings mag die Bankführung sich nicht auf den Schluss festlegen, das Programm werde insgesamt günstiger als gedacht. Dem notorisch Deutsche-Bank-kritischen Analysten Jernej Omahen von Goldman Sachs liefert das eine Steilvorlage. "Ein Zyniker würde sagen, dass die Kosten in diesem Quartal geringer ausfielen, um überhaupt noch einen Gewinn auszuweisen", ätzt Omahen. "Vielleicht sollten wir mit rund einer Milliarde Restrukturierungskosten für das vierte Quartal rechnen."

"Das würde ein Zyniker sagen, es ist aber nicht wahr", stichelt Krause zwar zurück. Kurzfristig bessere Ergebnisse andeuten mag er aber nicht.

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