Mittwoch, 18. September 2019

Großkredit für den Großaktionär Wie Cerberus die Deutsche Bank ausnutzt

Finanzinvestor Cerberus: Das ist die größte Macht im deutschen Bankensektor
Bloomberg via Getty Images

Matt Zames, so soll es rund um die Deutsche Bank heißen, sei "der eigentliche Chef". Dieses - halb im Scherz gemeinte - Gerücht kolportiert zumindest das "Wall Street Journal". Die Zeitung beschreibt (kostenpflichtig) den President des Finanzinvestors Cerberus als "den Amerikaner mit dem härtesten Job in der Finanzbranche" - seine Aufgabe sei es, "die Deutsche Bank zu retten".

Zames (48) spreche etwa im Zwei-Wochen-Rhythmus mit dem amtlichen Bankchef Christian Sewing (ebenfalls 48), heißt es in dem Bericht. Wenige Tage nach seinem Aufstieg zum CEO im vergangenen April habe Sewing den Amerikaner schon in New York besucht. Der Einfluss des Ex-JPMorgan-Bankers geht weit über seine Rolle als Vertreter des 3-Prozent-Aktionärs Cerberus hinaus: Die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen hat ihn im vergangenen Sommer offiziell als Berater angeheuert. Auftrag: die wegen der Sanierung sinkenden Erträge wieder steigern.

Das geht natürlich nicht, wenn das Geld einfach nur faul herumliegt - schon gar nicht als negativ verzinste Einlage bei der Europäischen Zentralbank. Auf der anderen Seite muss die Bank Aufsehern, Kunden und Aktionären beweisen, dass sie die Exzesse der Vergangenheit sicher nicht wiederholt. Stolz verweist sie auf ihre Liquiditätsreserve: 259 Milliarden Euro zum Jahreswechsel oder "66 Milliarden Euro über der Mindestanforderung".

Zames arbeitet daran, diesen Puffer in Richtung des Mindestmaßes zu verkleinern - die Deutsche Bank also wieder etwas mehr ins Risiko zu führen; bevor Sewing und Zames anfingen, lag die Ziffer schon 20 Milliarden Euro höher. Nach JPMorgan-Vorbild wurde ein Liquiditätsmanagement eingeführt, das die Barbestände in Wertpapiere wie Asset-Backed Securities oder multinationale Staatsanleihen investiert.

Brisant ist der Bericht des "Wall Street Journal" vor allem, weil er einen großen Deal enthüllt, den die Deutsche Bank ausgerechnet mit Cerberus selbst abgeschlossen habe (die Bank äußert sich grundsätzlich nicht zu einzelnen Kunden). Laut dem Blatt habe die Bank dem Finanzinvestor im vergangenen Jahr einen Kredit über 5,7 Milliarden Dollar gewährt, der damit wiederum Geschäfte finanzierte, die für die Bank selbst heute schwer vermittelbar wären. Dem "Journal" lägen Dokumente vor über:

  • ein Portfolio spanischer Immobilienkredite für 2,8 Milliarden Dollar von der Privatbank Sabadell
  • weitere Spanien-Immobilien und das Verwertungsgeschäft der Großbank BBVA für 1,5 Milliarden Dollar
  • deutsche Schiffskredite von der (wegen solcher Schiffskredite) angeschlagenen NordLB für 600 Millionen Dollar
  • Not leidende irische Immobilienkredite von den Allied Irish Banks für 600 Millionen Dollar
  • weitere irische und britische Problemdarlehen von der Royal Bank of Scotland für 200 Millionen Dollar
  • und noch ein 100-Millionen-Dollar-Portfolio fauler Kredite aus Irland und Großbritannien von den Allied Irish Banks

All diese Wetten mögen profitabel ausgehen. Cerberus und damit die Deutsche Bank spekulieren darauf, die zu Niedrigpreisen gekauften Forderungen gut verwerten zu können. Die Bank rechnet laut "Journal" mit Erträgen von mehr als 220 Millionen Dollar über die kommenden Jahre aus diesem Geschäft. Selbst in derartige Risiken zu investieren (und sich damit den Profit für Cerberus zu sparen) würde jedoch ihren Ruf gefährden.

Fragen wirft nun jedoch das Verhältnis von Cerberus zur Deutschen Bank auf, in drei verschiedenen Rollen: als Großaktionär, Berater und Großkunde zugleich.

"Was genau machen die, was Sie nicht selbst tun können?", fragte Analyst Stuart Graham in der Telefonkonferenz zu den jüngsten Geschäftszahlen im Februar die Bankmanager zum Cerberus-Beratungsmandat. Finanzvorstand James von Moltke pries Zames' Expertise.

Laut "Wall Street Journal" hatte Moltke zuvor jedoch zeitweise intern gegen Cerberus' Griff nach dem Cash-Schatz der Deutschen Bank opponiert, ebenso wie der US-Schatzmeister Matthias Bergner. Beide konnten demnach von Zames' Leuten umgestimmt werden.

Einen Mitaktionär hat Matt Zames auf jeden Fall auf seiner Seite: Doug Braunstein, der mit seinem eigenen Hedgefonds im November ebenfalls 3 Prozent der Deutsche-Bank-Aktien kaufte. Die beiden früheren Kollegen aus der JPMorgan-Führung hatten 2017 schon einmal gemeinsam ein Investment bei der Deutschen Bank geprüft, bevor Zames bei Cerberus anheuerte, schreibt das "Journal".

Matt Zames soll die Option einer Fusion der Deutschen Börsen-Chart zeigen mit der Commerzbank Börsen-Chart zeigen inzwischen mit Wohlwollen begleiten. Nun fehlt noch ein wichtiges Zwischenziel: Von der Commerzbank, wo Cerberus ebenfalls als Großaktionär wirkt, will der Fonds auch so einen Beraterauftrag.

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