Montag, 30. März 2020

Geldwäschebekämpfung Britische Finanzaufsicht warnt Deutsche Bank und droht mit Entzug des Marktzugangs

Deutsche Bank in London: Das Geldinstitut tut nach Ansicht der britischen Finanzaufsicht zu wenig gegen die Gefahren der Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Vier Jahre nach einer ersten Verurteilung gebe es immer noch Probleme, bemängeln die Aufseher.
Simon Dawson / REUTERS
Deutsche Bank in London: Das Geldinstitut tut nach Ansicht der britischen Finanzaufsicht zu wenig gegen die Gefahren der Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Vier Jahre nach einer ersten Verurteilung gebe es immer noch Probleme, bemängeln die Aufseher.

Im Kampf gegen Geldwäsche legen die britischen Aufsichtsbehörden der Deutschen Bank die Daumenschrauben an. Das Engagement der Bank reiche bei weiten nicht, sie könnte nach dem Brexit schlimmstenfalls den Zugang zum britischen Markt verlieren, warnten die Aufseher das Management der Deutschen Bank, berichtet die "Financial Times". Die Aufsichtsbehörden der Bank of England forderten jetzt von der Deutschen Bank jeden Monat einen Fortschrittsbericht statt einmal im Quartal.

Laut "FT" zeigten sich die Aufsichtsbehörden besorgt darüber, dass es vier Jahre, nachdem die Deutsche Bank erstmals wegen "schwerwiegender" und "systemischer" Versäumnisse bei der Kontrolle der Geldwäsche, der Terrorismusfinanzierung und der Verstöße gegen Sanktionen von der Financial Conduct Authority (FCA) verurteilt und unter besondere Aufsicht gestellt wurde, immer noch Probleme gebe.

Zwar dampft die Deutsche Bank das Investmentbanking ohnehin ein und damit auch viele der rund 7000 Jobs in London. Doch der mögliche Entzug des Marktzugangs, sollte die Deutsche ihr Kontrollsystem bis Jahresende nicht deutlich verbessern, wäre gleichwohl ein harter Schlag. Zwar wird London als Kapitalmarktplatz Nummer 1 in Europa an Bedeutung verlieren, doch bleibt die Stadt für viele Geschäfte von Banken und Vermögensverwaltern auch nach dem Brexit unverzichtbar, sagen Experten.

Das deutsche Geldhaus war in den vergangenen zehn Jahren in eine Vielzahl von Compliance- und Fehlverhaltensskandalen in Großbritannien, den USA und Europa verwickelt. Diese schädigten nicht nur den Ruf der Bank, sondern brachten ihr auch Geldstrafen in Milliardenhöhe ein.

Offenbar neue Compliance- und Systemfehler aufgetreten

Laut "FT" sollen Anfang des Jahres nun weitere Compliance- und Systemfehler aufgetreten sein. Am 16. Januar habe die deutsche Bank versehentlich die Daten von 12.500 Transaktionen von 500 Kunden an Amazon geschickt. Die betroffenen Kunden seien zu spät über den Fauxpas informiert worden. Die Bank könnte deshalb gegen einen FCA-Grundsatz verstoßen haben.

Ein Sprecher der Deutschen Bank bestritt, gegen FCA-Grundsätze verstoßen zu haben. Die Deutsche Bank betonte vielmehr, das Institut habe die Zahl der Mitarbeiter in diesem Bereich seit 2015 verdreifacht habe. "Wir investieren weiterhin stark in diese Bereiche." Auch arbeite man eng mit den britischen Aufsichtsbehörden zusammen.


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Auch sollen IT-Probleme der Bank vor zwei Wochen dazu geführt haben, dass die Verbindung zum britischen System "CHAPS" erneut stundenlang unterbrochen war. Das "Clearing House Automated Payment System" wickelt Zahlungen in Großbritannien ab und wird oft von Unternehmen und Banken bei Transaktionen mit großen Geldbeträgen verwendet - etwa bei Immobilien- und Devisengeschäften. Das System garantiert seinen Nutzern die Überweisung innerhalb von 24 Stunden, es untersteht der Aufsicht der Bank of England. Laut Deutsche Bank sollen alle Zahlungen noch am selben Tag verarbeitet worden sein.

Bafin sucht offenbar Experten für eine Untersuchung

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hatte schon vor längerer Zeit einen Sonderbeauftragten zur Überwachung der Deutschen Bank eingesetzt und dessen Mandat im Zuge neuer bekannt gewordener Unregelmäßigkeiten im vergangenen Jahr erweitert. Laut "Financial Times" habe die Bafin kürzlich erst eine mit 300.000 Euro dotierte Ausschreibung zur Untersuchung einer nicht namentlich genannten aber "international operierenden" Bank veröffentlicht. Dem Bericht zufolge soll es sich um die Deutsche Bank handeln.

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