Dienstag, 22. Oktober 2019

Geldwäscheverdacht Deutsche Bank muss 20.000 Kunden erneut durchleuchten

Deutsche Bank in Frankfurt

Die Deutsche Bank muss einem Insider zufolge auf Anordnung der Finanzaufsicht Bafin bis Ende Juni rund 20.000 Kunden aus der Firmenkunden- und Investmentbanking-Sparte noch einmal durchleuchten.

Bis dahin müssten alle erforderlichen Kundeninformationen und Dokumente vorliegen und die als hoch riskant eingestuften Kunden auf Basis der neuesten Geldwäsche-Richtlinie noch einmal bewertet sein, sagte die mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch.

Die Deutsche Bank und Bafin lehnten eine Stellungnahme ab. Über die Bafin-Vorgaben hatte zuerst das "Handelsblatt" berichtet.

Die Finanzaufsicht hatte im September einen Sonderbeauftragten bei der Deutschen Bank eingesetzt, der die Umsetzung der von der Behörde angeordneten Maßnahmen im Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung überwachen soll.

Die Behörde kritisiert dem Vernehmen nach vor allem eben Schwächen im Firmenkunden- und Investmentbankinggeschäft. Die Juni-Frist für die Überprüfung der Risiko-Kunden sei der Bank damals gesetzt worden, sagte der Insider. Bislang war diese aber nicht öffentlich bekannt.

Die Deutsche Bank sieht sich schon länger dem Vorwurf ausgesetzt, zu wenig im Kampf gegen Geldwäsche und auch Steuertricksereien zu tun. Das führte bei der Bank immer wieder zu Razzien:


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Erst Ende November vergangenen Jahres hatten 170 Beamte von Staatsanwaltschaft, Bundeskriminalamt, Steuerfahndung und Bundespolizei die Geschäftsräume der Bank durchsucht. Sie gingen dem Verdacht nach, dass die Bank Kunden bei der Gründung von Offshore-Gesellschaften in Steuerparadiesen behilflich gewesen sein könnte und so Geld aus Straftaten auf Konten der Bank geflossen ist, ohne dass sie Anzeige erstattete. Die berüchtigten "Panama Papers" sollen die Ermittler auf die Spur geführt haben.

Zuletzt war die Bank auch im Zusammenhang mit dem Geldwäscheskandal bei der Danske Bank ins Fadenkreuz geraten. Sie war bis 2015 als so genannte Korrespondenzbank für die Dänen tätig. Eine Mitverantwortung im Geldwäscheskandal bei der Danske Bank wies die Bank zurück. Dabei hatte sie als Korrespondenzbank nach einem "Spiegel"-Bericht allerdings allein 2007 etwa Transaktionen im Volumen von 150 Milliarden Dollar für die dänische Bank abgewickelt.

rei mit Reuters

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