Dienstag, 23. April 2019

Showdown bei der Deutschen Bank Achleitner will Christian Sewing als neuen CEO durchdrücken

Aussichten: Deutsche-Bank-Vorstände Christian Sewing (r.) und Marcus Schenck.

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank steht unmittelbar vor einer Entscheidung über seine künftige Führung und die Zukunft John Cryans an der Vorstandsspitze. Auf dem Aufsichtsratstreffen am Sonntag hat Chefkontrolleur Paul Achleitner nach Informationen von manager-magazin.de vorgeschlagen, Christian Sewing zum neuen CEO zu ernennen und die Vorstandsmitglieder Karl von Rohr und Garth Ritchie zu dessen Stellvertretern. Nach Angaben des "Handelsblatt" führte dies zu zum Teil hitzigen Diskussionen. Das Treffen dauert noch an.

Die Deutsche Bank bestätigte bislang lediglich die Beratung der Aufsichtsräte: "Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank wird am Sonntagabend, den 8. April 2018, über den Vorstandsvorsitz beraten. Es ist vorgesehen, noch am selben Tag eine Entscheidung in diesem Zusammenhang zu treffen", heißt es in der Mitteilung.

Die Terminierung lässt auf die Dringlichkeit der Sitzung schließen. Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass Achleitner einen Nachfolger für Cryan sucht. Dem Briten werden eine schleppende Umsetzung der Sanierung des größten deutschen Geldhauses und infolgedessen schlechte Zahlen vorgeworfen. Zudem drohte die Unzufriedenheit mit dem Zustand der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen von Cryan auf Achleitner überzugreifen. Der Vertrag des Briten läuft noch bis 2020.

Sewing leitet bislang das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen und war vor gut einem Jahr zum Vize-Chef ernannt worden - ebenso wie Marcus Schenck, einer der beiden Chefs der Sparte für Unternehmenskunden und Investmentbanking.

Die Wahl Sewings würde allerdings zwei ohnehin schon komplexe Baustellen noch vergrößern. Sewing leitet derzeit mit dem Chef der Postbank, Frank Strauß, die Fusion von Postbank und Privatkundengeschäft der Deutschen Bank. Als CEO könnte er sich weniger intensiv darum kümmern.

Schenck hatte sich in den vergangenen Jahr um wieder bessere Beziehungen zu der Kernklientel der Deutschen Bank verdient gemacht - den europäischen Großkonzernen. Sollte nun Sewing ihm als nächster CEO vorgezogen werden, gilt ein baldiger Abschied Schencks als wahrscheinlich.

Dennoch hätte die Lösung für Achleitner den Vorteil, dass sie sich der Öffentlichkeit wie der Endpunkt eines lange vorbereiteten Plans verkaufen ließe. Zudem könnte sie intern wie ein Friedenssignal ankommen: Sewing, 1970 geboren, hatte 1989 seine Karriere bei der Bank als Auszubildender begonnen und wurde in den vergangenen Jahren von der Bank als Verkörperung der deutschen Traditionen aufgebaut. Schenck dagegen wurde bei Goldman Sachs sozialisiert.

Schon sein bislang letztes großes CEO-Revirement, das Cryan an die Spitze spülte, hatte Achleitner an einem Wochenende mit seinem Aufsichtsrat durchgezogen. Im Frühsommer 2015 mussten die Co-Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen rund zwei Jahren vor Ablauf ihres Vertrags den Platz für John Cryan räumen. Damals hatte Achleitner seine Aufsichtsräte in das mondäne Hotel Jumeirah in der Frankfurter City gebeten und seinen umfangreichen Plan präsentiert.

soc

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