Sonntag, 21. April 2019

Aufsichtsbehörden zweifeln an Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank "Es wäre ein Blutbad"

Die europäischen Aufsichtsbehörden fordern "Brutalität" von der Deutschen Bank.

EZB, Bafin und Bundesbank zeigen sich besorgt angesichts der laufenden Fusionsgespräche bei der Deutschen Bank und Commerzbank. Sollten die Gespräche offiziell werden, wäre "Mann-Deckung" gefragt.

Die europäischen Bankenaufsichtsbehörden stehen einer Fusion der Deutschen Bank und der Commerzbank Börsen-Chart zeigen einem Zeitungsbericht zufolge kritisch gegenüber. Laut der "Financial Times" (FT, kostenpflichtig) hätten verschiedene Vertreter der Behörden Bedenken geäußert, ob eine mögliche Übernahme der Commerzbank durch die Deutsche Bank erfolgreich sein könne, da es dem Bankhaus womöglich an der nötigen "Brutalität" für einen deutlichen Stellenabbau mangele. Dieser sei jedoch nötig, um den Deal erfolgreich abschließen zu können.

Am Wochenende waren die informellen Gespräche zwischen der Deutschen Bank und Commerzbank zu einer möglichen Fusion offiziell bestätigt worden. Sollten die laufenden Gespräche am Ende tatsächlich zu einer Fusion von Deutsche Bank und Commerzbank führen, bräuchte es noch die Zustimmung der Europäischen Zentralbank (EZB), Bundesbank und Bafin.

Intern bereiten sich die Behörden offenbar auf regelmäßige Besprechungen mit der Geschäftsführung der Banken vor, um die mögliche Fusion genau zu überwachen. Die Aufseher sagten der FT zufolge, das Prozedere würde der Mann-Deckung bei einem Fußballspiel gleichen. Die Behörden würden nach eigenen Aussagen die Fusion nur dann genehmigen, wenn es "glaubwürdige und tragfähige" Umsetzungspläne gebe. Die Zeitung stützt sich auf anonyme Quellen, eine Stellungnahme seitens EZB, Bundesbank oder Bafin gibt es bislang nicht.

"Es wäre ein Blutbad"

Bei einer möglichen Fusion der beiden größten deutschen Geldhäuser müsste Analysten zufolge damit gerechnet werden, dass 20.000 Arbeitsplätze wegfallen. "Das wäre eine Blutbad", sagte ein Aufseher der FT weiter. Dieses sei aber nötig, um den Deal zu genehmigen. Denn schlimmer als dieses mögliche "Blutbad" wäre dem Bericht zufolge eine gescheiterte Integration der beiden größten deutschen Kredithäuser. Die Zeitung beruft sich dabei auf weitere anonyme Aussagen der Aufsichtsbehörden.

Olaf Scholz hatte am Montag bestätigt, dass es "Beratung über die Situation" gebe. Seit Monaten schon werben er sowie Finanzstaatssekretär Jörg Kukies, Ex-Deutschlandchef von Goldman Sachs, für stärkere deutsche Banken. Nach Angaben der "Welt am Sonntag" sollen Scholz und Kukies den Deutsche Bank-Chef Christian Sewing und den Commerzbank-Chef Martin Zielke zu den Gesprächen gedrängt haben. Die Bundesregierung ist seit der Finanzkrise mit gut 15 Prozent größter Einzelaktionär bei der Commerzbank und stehe "wirtschaftlich sinnvollen Optionen offen gegenüber".

Gesprochen wird Insidern zufolge im extrem kleinen Kreis, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Oft seien es Sewing und Zielke alleine, die über Chancen und Risiken eines Zusammenschlusses brüten. Sewing sei nicht gegen die Fusion, hätte sich aber gewünscht, erst beweisen zu können, dass die Integration der Postbank gelingen kann, hieß es am Montag aus der Deutschen Bank. Sewing ist seit April 2018 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank. Ob am Ende der jetzt begonnenen Gespräche dann auch offizielle Verhandlungen stehen, ist gegenwärtig völlig offen. Ein offizielles Mandat des Aufsichtsrats gibt es bislang nicht. Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner gilt als Befürworter einer nationalen Lösung.

Großaktionäre sind sich uneinig

Von den Großaktionären hat bislang aber lediglich der US-Finanzinvestor Cerberus, der an beiden Instituten beteiligt ist und Sewing berät, seine Zustimmung zu einem derartigen Deal signalisiert. Andere Investoren sehen das nicht so: "Wir sind weiterhin gegen eine solche Fusion und halten das im Grundsatz für keine gute Idee", sagte eine Person aus dem Umfeld von einem der größten Anteilseigner der Deutschen Bank am Montag zu Reuters.

Ein Zusammenschluss koste in erster Linie Zeit und Geld und sei zudem keinerlei Garantie für steigende Erträge. Ähnlich hatte sich am Wochenende ein anderer Großaktionär geäußert und aufs Tempo gedrückt. Die Gespräche dürften nicht allzu lange dauern, sondern sollten in "drei bis fünf Wochen" abgeschlossen sein, hieß es. Spätestens bis Ende April müsse dann Klarheit herrschen.

Der Zeitplan ist relativ eng. Am 25. April will Deutsche-Bank-Chef Sewing die Zwischenbilanz für das erste Quartal vorlegen - das traditionell wichtigste Vierteljahr in der Bankenbranche. Am 8. Mai lässt sich dann die Commerzbank in die Bücher schauen. In der zweiten Maihälfte, am 22. und 23. Mai, würde es womöglich zum Showdown kommen: Erst lädt die Commerzbank ihre Aktionäre zur Hauptversammlung ein, einen Tag später treffen sich dann die Anteilseigner der Deutschen Bank.

lwe, dpa, rtr

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