Freitag, 24. Mai 2019

Scheichs könnten auf 25 Prozent aufstocken Katar erwägt weiteres Investment bei Deutscher Bank

Anker-Investor der Deutschen Bank: Ex-Ministerpräsident von Katar, Scheich Hamad bin Jassim Al Thani. Die Herrscher-Familie ist offenbar geneigt, bei einer Kapitalerhöhung der Deutschen Bank mitzuziehen oder sogar ihren Anteil zu erhöhen

Die Deutsche Bank kann sich Finanzkreisen zufolge trotz der aktuellen Vertrauenskrise an den Märkten auf ihren größten Aktionär Katar verlassen. Die Herrscherfamilie des Emirats habe derzeit keine Pläne auszusteigen, sagten zwei mit den Überlegungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Scheichs hielten sich sogar die Möglichkeit offen, bei einer weiteren Kapitalerhöhung mitzuziehen - sollte ein solcher Schritt nötig werden, etwa weil die Rechnung für den US-Hypothekenstreit Reserven übersteigt. Die Bank wollte die Informationen nicht kommentieren, von der Herrscherfamilie war am Freitag zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Einer der Insider betonte, die Deutsche Bank sei für Katar ein langfristiges Investment. "Katar glaubt, dass es für die Bank am Ende gut ausgehen wird." Es gebe momentan keine Forderung, abermals das Top-Management auszutauschen oder die Strategie zu ändern. Großer Wunsch Katars sei es aber, dass die renditeschwache Deutsche Bank endlich ihre Rechtsstreitigkeiten hinter sich lasse, damit sie sich wieder auf ihr Tagesgeschäft konzentrieren könne und nicht weiter Marktanteile verliere. "Die Umsetzung ist das Problem, nicht die Strategie."

SPIEGEL: Katar erwägt Zukäufe bis auf Sperrminorität von 25 Prozent

Der "Spiegel" berichtete zudem vorab aus seiner neuen Ausgabe, die Deutsche Bank könne auf weitere Unterstützung der Herrscherfamilie des Emirats Katar setzen. Die Scheichs erwägen laut SPIEGEL sogar, gemeinsam mit anderen Investoren ihren Anteil auf bis zu 25 Prozent aufzustocken.

Die Herrscherfamilie Al-Thani aus dem Golfstaat hat über zwei Investmentvehikel Zugriff auf knapp zehn Prozent der Deutsche-Bank-Anteile. Sie stieg Mitte 2014 ein - damals mit gut 6 Prozent. Seither wurde trotz massiver Verluste aufgestockt, auch in Form von Optionen.

Zum Thema: Dax-Chefs und Wall Street reichen John Cryan die Hand

Erfolgreich war das Investment nicht, weil die Deutsche-Bank-Aktie schon länger im Sinkflug ist. Der Chefwechsel von Anshu Jain zu John Cryan im Sommer 2015 hat nicht geholfen. Zuletzt notierte die Aktie auf einem Rekordtief von unter zehn Euro. Auf dem Papier haben die Kataris damit schon mehr als eine Milliarde Dollar verloren.

Einer der Insider betonte, sollte sich Katar dazu entschließen, bei einer Kapitalerhöhung mitzuziehen, wolle das Emirat aber weiter unter der 10-Prozent-Schwelle bleiben. Investoren, die diese Marke überschreiten, haben in Deutschland strenge Veröffentlichungspflichten und müssen ihre Pläne mit der Beteiligung offenlegen.

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rei/Reuters

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