Deutsche Bank ist größte Gläubigerin des nächsten US-Präsidenten Hilft Trump der Deutschen Bank aus der Patsche?

Zug zur Wall Street: Die eine Sparte der Deutschen Bank sieht Trump als guten Kunden, die andere als "Persona non grata"

Zug zur Wall Street: Die eine Sparte der Deutschen Bank sieht Trump als guten Kunden, die andere als "Persona non grata"

Foto: Justin Lane/ dpa

Die Deutsche Bank  ist bislang nicht als Trump-freundlich aufgefallen. Im Wahlkampf war eher die Wall-Street-Nähe der unterlegenen Kandidatin Hillary Clinton Thema - darunter auch ein Auftritt Clintons bei der Deutschen Bank in New York im Jahr 2014. Die Mitarbeiter der Bank spendeten laut "Opensecrets" gleich viel an beide Parteien, mit Clinton als größter Empfängerin - und Trump unter ferner liefen. Kurz vor der Wahl warnten die Anlagestrategen der Bank eindringlich vor einem Trump-Sieg, der einen Börsencrash bringen würde.

Danach sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Die US-Volkswirte der Bank feierten in ihrem Marktkommentar für Donnerstag den "Game Changer": Dank Trump bestehe "das Potenzial für deutlich schnelleres Wirtschaftswachstum", weil der Staat die Steuern senken, die Regulierung von Unternehmen lockern und zugleich die Ausgaben steigern werde - das Lied, das auch "Big Poppa" Carl Icahn singt. Die Deutsche Bank macht sich sogar Trumps Versprechen zueigen, er werde die Wachstumsrate verdoppeln.

Das Verhältnis der größten nicht-amerikanischen Investmentbank zum US-Nationalisten ist, sagen wir, kompliziert. Besonders freuen sich die Wall-Street-Experten über Trumps Ansage, er werde den Dodd-Frank Act widerrufen, das große nach der Finanzkrise erschaffene Werk der Demokraten, um die Banken im Zaum zu halten und Risiken für die Weltwirtschaft zu begrenzen - das würge doch nur Kredite für die Realwirtschaft ab, argumentiert der gewählte Präsident.

US-Banken leihen Trump kein Geld - die Deutsche schon

Der selbsternannte "Schuldenkönig" muss es ja wissen. Von den meisten US-Großbanken bekam der Immobilienmogul selbst kaum noch Geld geliehen, nachdem er sechsmal mit seinen Unternehmen Insolvenz anmeldete.

Citigroup , JPMorgan Chase  und Morgan Stanley  betrachteten Trump als nicht kreditwürdig, berichtete das "Wall Street Journal" (kostenpflichtig)  im März. Ein Banker von Goldman Sachs  wurde zitiert, niemand sei so blöd, einen Deal mit Trump-Bezug vorzuschlagen.

Eine wichtige Ausnahme gibt es: die Deutsche Bank. Oder jedenfalls einen Teil davon. Während die Investmentbanking-Sparte Trump als "Persona non grata" betrachte, sehe die Vermögensverwaltung in dem Superreichen immer noch einen guten Kunden. Bei keiner anderen Bank ist Trump laut "Journal" und anderen  Quellen  höher verschuldet.

Die "Persona non grata" könnte doch noch ein gutes Investment sein

Auf 364 Millionen Dollar summieren sich vier Darlehen, die seit 2011 vergeben wurde, das jüngste erst im vergangenen Jahr. Mit Hilfe der Deutschen Bank (Asset and Wealth Management) konnte Trump sich ein Golf-Resort in Florida, einen Hotelkomplex in Chicago und einen in Washington leisten.

Mit dem Chicago-Deal halfen die Vermögensverwalter ihm, einen anderen Kredit abzulösen, der Trump einen Gerichtsstreit eingebracht hatte - ausgerechnet mit den Unternehmenskunden-Kollegen von der Deutschen Bank.

Trump blieb den Deutschen 334 Millionen Dollar aus einem 640-Millionen-Kredit schuldig, als 2008 die Gewerbeflächen schwer verkäuflich waren - und verklagte sie dann noch auf drei Milliarden Dollar Schadenersatz, weil sie die Finanzkrise ausgelöst hätten.

Die Deutsche Bank antwortete mit einer Gegenklage, in der auf Trumps Buch "Think Big And Kick Ass In Business And Life" verwiesen wurde, wo er freimütig bekannte, Banken bewusst hinzuhalten und sie für die Dummheit zu beschimpfen, dass sie ihm Geld geliehen hatten. Schließlich einigte man sich 2009 außergerichtlich.

Immer Ärger mit den USA

Die gemeinsame Geschichte begann 1998, als die auf Expansion an der Wall Street sinnende Deutsche Bank groß ins Geschäft mit Gewerbeimmobilien einstieg und einen Donald Trump fand, dem sie 125 Millionen Dollar geben konnte, um sein Trump Building - auch noch mit Adresse an der Wall Street - zu renovieren. Seitdem summierte sich das Trump-Engagement der Deutschen Bank laut "Wall Street Journal" auf mindestens 2,5 Milliarden Dollar, nicht mitgezählt mindestens eine weitere Milliarde an mit Trump verbundene Organisationen.

Eine Siegesfeier hat der Unternehmer im Golfresort National Doral angekündigt, das seinen Namen und das Kreditrisiko der Deutschen Bank trägt.

Für beide Seiten kann das besondere Verhältnis Folgen haben. Trump dürfte es schwer fallen, seinen wichtigsten Gläubiger so an die Kandare zu nehmen, wie es die Vorgängerregierung und deren Behörden noch tun.

Die Amerikaner bedrohen die Deutsche Bank mit mehreren Klagen, Stresstests und Kapitalvorschriften, die zum Nachteil gegen die US-Konkurrenz werden könnten - oder sogar zum Rückzug vom Markt, wie laut Berichten zuletzt verhandelt wurde als Teil des Deals, um die drohende 14-Milliarden-Strafe wegen des Beitrags der Bank zur Finanzkrise abzuwenden - ihre größte Baustelle derzeit.

Die Deutsche Bank befand sich zeitweise in offener Konfrontation mit den USA. Vielleicht lohnt es sich für sie, den Vergleich doch noch bis nach dem Amtswechsel in Washington hinauszuzögern. Und womöglich erweist sich die "Persona non grata" doch noch als ganz gutes Investment.

Video: Quartalsgewinn der Deutschen Bank - ein "ganz kleiner Schritt in die richtige Richtung"

manager-magazin.de / Wochit


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