Kurssturz beschleunigt sich Deutsche Bank Aktie stürzt weiter

Deutsche Bank: Kurssturz geht weiter

Deutsche Bank: Kurssturz geht weiter

Foto: DANIEL ROLAND/ AFP

Möglicher Umbau an der Spitze, lange Diskussionen um die künftige Strategie: Der Kursrutsch der Deutschen Bank hat sich kurz vor der Hauptversammlung des größten deutschen Geldhauses beschleunigt. Die Aktien der Deutschen Bank (Kurswerte anzeigen) sind am Mittwoch zeitweise um weitere 3 Prozent gefallen, nachdem sie bereits seit Mitte März um mehr als 20 Prozent abgestürzt waren. Die Verluste seit Jahresbeginn betragen inzwischen rund 35 Prozent.

Zeitweise notierte die Aktie der Deutschen Bank am Mittwoch Mittag bei nur noch 10,85 Euro hat damit das tiefste Niveau seit 18 Monaten erreicht. Im Herbst 2016 war das Papier kurzzeitig unter die Marke von 10 Euro gerutscht, was für die Deutsche Bank einer finanziellen Nahtoderfahrung gleichkam. Zahlreiche Aktionäre fürchteten damals den Kollaps des Instituts.

Nach einer zwischenzeitlichen kräftigen Erholung im Jahr 2017 hat die Aktie der Deutschen Bank ihren Kursrutsch nun abermals beschleunigt: Allein im März hat das Papier mehr als 20 Prozent an Wert verloren, die weiteren Kursverluste im April betragen bereits 5 Prozent.

UBS-Manager Jürg Zeltner als möglicher Nachfolger für John Cryan

Die Spekulationen über einen Nachfolger von Deutsche-Bank-Chef John Cryan sind auch über die Ostertage nicht abgerissen. Als möglicher Kandidat wurde auch der frühere UBS-Manager Jürg Zeltner ins Spiel gebracht. Aufsichtsratschef Paul Achleitner soll laut "Spiegel" mit Zeltner bereits Gespräche geführt haben.

Bei einigen Großaktionären der Deutschen Bank stieß Zeltner jedoch auf Bedenken. Der Schweizer besitze hauptsächlich Erfahrung in der Vermögensverwaltung und dürfte daher nicht die Anforderungen eines Chefs der größten deutschen Bank erfüllen, sagten Vertreter von Großaktionären der Nachrichtenagentur Reuters. Ein Sprecher der Deutschen Bank lehnte einen Kommentar ab.

Nach Rückschlägen auf dem Sanierungskurs sucht Achleitner Finanzkreisen zufolge einen neuen Chef - nach nicht einmal drei Jahren. Dabei geht es auch um die künftige Strategie der Deutschen Bank, die im riskanten, aber in guten Zeiten auch ertragreichen Investmentbanking einst zu den größten Akteuren der Welt zählte.

Cryan will nicht kampflos seinen Posten räumen

Der 57-jährige Brite Cryan ging in der vergangenen Woche in die Offensive. In einem Mitarbeiterbrief trat er Spekulationen entgegen, er könnte von sich aus den Hut nehmen. "Ich möchte Ihnen versichern, dass ich mich weiterhin mit all meiner Kraft für die Bank einsetze und gemeinsam mit Ihnen den Weg weiter gehen möchte, den wir vor rund drei Jahren angetreten haben."

Cryan, der 2015 als Nachfolger von Anshu Jain angetreten war, um die Deutsche Bank aus der Krise zu holen, kann zwar bei Umbau und Sanierung des Geldhauses durchaus Fortschritte vorweisen. Allerdings kommen diese für viele zu langsam. 2017 meldete die Deutsche Bank vor allem wegen der US-Steuerreform das dritte Verlustjahr in Folge. Auch das operative Geschäft im Anleihehandel und im Investmentbanking läuft nach wie vor alles andere als rund.

Wechsel auch im Aufsichtsrat möglich: John Thain soll kommen

Auch im Aufsichtsrat der Deutschen Bank soll es offenbar zu personellen Wechseln kommen. Wie das "Wall Street Journal" und die "Wirtschaftswoche" berichteten, kandidiert der ehemalige Merrill-Lynch-Chef John Thain für einen Sitz in dem Kontrollgremium. Die Bank plane weitere Wechsel. Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte sich auch hierzu nicht äußern.

Die Bank will ihre Einladung zur Hauptversammmlung am Mittwoch veröffentlichen. Dann dürfte auch klar sein, wer künftig im Aufsichtsrat sitzen soll.

DWS-Börsengang enttäuscht, Finanzchef der Bank sieht Gegenwind

Als zusätzliche Belastung wirkte das unglückliche Timing des Börsengangs der Tochter DWS Ende März: Während die Börsen weltweit deutlich nachgaben und der Dax unter die Marke von 12.000 Punkten stürzte, waren die Aktien der Deutsche-Bank-Tochter DWS nur knapp über Ausgabepreis in ihren ersten Handelstag gestartet und zeitweise sogar darunter gefallen. Inzwischen notieren sie wieder leicht im Plus.

Der Anlass für den erneuten Ausverkauf bei der Deutschen Bank: Finanzchef James von Moltke hatte auf einer Morgan-Stanley-Konferenz in London am Mittwoch lediglich erklärt, dass der Deutschen Bank im ersten Quartal im Bereich Unternehmens- und Investmentbank Gegenwind entgegen weht. Der starke Euro und höhere Refinanzierungskosten führten zu einer Belastung von rund 450 Millionen Euro, sagte von Moltke am Mittwoch auf einer Investorenkonferenz der US-Großbank Morgan Stanley in London.

300 Millionen Euro gehen von Moltke zufolge auf das Konto des für die Bank derzeit ungünstigen Wechselkurses der Gemeinschaftswährung zum Dollar, 150 Millionen Euro kommen durch höhere Kosten bei der Refinanzierung zustande.

Schwacher Dollar belastet Ergebnis im Investmentbanking

"Wir berichten in Euro und 40 Prozent unserer Ertragsbasis in der Investmentbank entstehen entweder auf Basis des Dollars oder sind an den Dollar gekoppelt", erklärte von Moltke, der seit dem vorigen Jahr im Vorstand der Bank sitzt. "Damit sehen wir uns einer Differenz von 15 Prozent im Quartalsvergleich gegenüber, was zu einer Belastung in Höhe von 300 Millionen Euro oder sechs Prozent führt."

Zusammen mit den um 150 Millionen Euro gestiegenen Refinanzierungskosten addiere sich dies zu einer Gesamtbelastung von 450 Millionen Euro - "bevor es überhaupt um das Geschäft geht".

Börsengang von DWS Investments: Deutsche Bank erlöst weniger als erhofft

Die Deutsche Bank hatte sich erst Anfang März bei der Vorlage ihres Geschäftsberichts optimistisch zum laufenden Jahr geäußert. Im Brief an die Aktionäre hatte Vorstandschef John Cryan darin erklärt: "Wir bekräftigen unser Ziel, für das Jahr 2018 wieder einen Nettogewinn und eine wettbewerbsfähige Ausschüttung zu erreichen." Das Management habe nach Jahren des Umbaus inzwischen die Grundlagen geschaffen worden, "das Potenzial unserer Bank wieder auszuschöpfen."

Derweil verlangte der unter anderem für die Sparte zuständige stellvertretende Vorstandschef Marcus Schenck den Anlegern auf einer Veranstaltung der Nachrichtenagentur Bloomberg Geduld ab. Die Trendwende der Bank sei eine Frage von mehreren Jahren. Man sei auf einem richtigen Weg, müsse dies aber immer wieder unter Beweis stellen.

Boni für Banker zehnmal so hoch wie Dividende an Aktionäre

Für Aktionäre ist das umso schwieriger nachzuvollziehen, da die Deutsche Bank ihre verbleibenden Investmentbanker trotz mauer Leistungen bestens bedient. Die krisengeplagte Deutsche Bank  hatte Mitte März bekannt gegeben, dass sie ihren Mitarbeitern ungeachtet des dritten Jahresverlusts in Folge wieder Boni in Milliardenhöhe zahlt. Die Aktionäre, die ohnehin unter dem jahrelangen Kurssturz der Aktie leiden, müssen sich dagegen abermals mit einer Mini-Dividende begnügen.

Während das Personal der Deutschen Bank knapp 2,3 Milliarden Euro an variabler Vergütung bekommt, schüttet das Geldhaus an seine Anteilseigner lediglich rund 230 Millionen Euro aus - ein Zehntel des Betrages, der hauptsächlich in die Taschen der Investmentbanker unter den rund 97.000 Beschäftigten fließt.

Während der Vorstand der Deutschen Bank unter Vorstandschef John Cryan wie in den Vorjahren auch in diesem Jahr auf Boni verzichtet, hatten sich die Investmentbanker der Deutschen Bank für eine kräftige Erhöhung der Boni stark gemacht - und sich mit ihrer Forderung auch durchgesetzt. Auf diese Weise wird die krisengeschüttelte Bank möglicherweise einige ihrer Banker an Bord halten können - mit dem Ruf eines Selbstbedienungsladens dürfte es der Deutschen Bank jedoch weiterhin schwer fallen, die Zahl ihrer langfristigen Aktionäre zu steigern.

Wie aus dem am Freitag veröffentlichten Geschäftsbericht der Deutschen Bank hervorgeht, soll die Dividende elf Cent je Anteilsschein betragen nach 19 Cent im Vorjahr. Damit gehört die Deutsche Bank zu den wenigen Dax-Konzernen, die ihre Dividenden für 2017 kürzen, während die große Mehrheit der Dax-Unternehmen ihre Ausschüttung für das abgelaufene Geschäftsjahr kräftig steigert.

Vorstandschef John Cryan bezog 2017 ein Grundgehalt von 3,4 Millionen Euro. Das sind 400.000 Euro weniger als im Jahr davor. Schuld an der Einbuße ist eine Änderung der Vergütungsregeln. Cryan gehört damit beileibe nicht zu den Spitzenverdienern unter den Top-Managern der großen deutschen Konzerne, deren Rangliste von SAP-Chef Bill McDermott angeführt wird, der 21,8 Millionen Euro ausgezahlt bekam.