Dienstag, 16. Juli 2019

Geduldiger als Vorstandschef Sewing Deutsche-Bank-Chefaufseher stellt sich hinter Investmentbanker

Deutsche-Bank-Chefaufseher Achleitner: "Im Investmentbanking ist keine grundlegende Veränderung nötig
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Deutsche-Bank-Chefaufseher Achleitner: "Im Investmentbanking ist keine grundlegende Veränderung nötig

Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner lehnt nach dem Scheitern der Fusionsverhandlungen mit der Commerzbank einen Strategiewechsel im Investmentbanking ab. In einem am Montag veröffentlichten Interview mit der "Financial Times" verteidigte er die Bemühungen der Sparte, die seit zwei Quartalen Verluste einfährt, das Ruder wieder herumzureißen.

Jeder Manager müsse sich ständig an ein sich wandelndes Marktumfeld anpassen, sagte Achleitner. "In diesem Fall geht es jedoch nicht um die Strategie, sondern um die Umsetzung." Gerade in einem Geschäftsfeld wie dem Kapitalmarktgeschäft, das so volatil und raschen Veränderungen unterworfen sei, werde es auch in Zukunft ständig Anpassungen geben. Auf die Frage, ob eine grundlegende Veränderung im Investmentbanking notwendig sei, sagte Achleitner: "Nein." Er betonte, dies sei seine persönliche Sicht und das Management sei für die Strategie des Geldhauses verantwortlich.

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hatte nach den gescheiterten Fusionsverhandlungen mit der Commerzbank in einem Interview die Investmentbanker seines Hauses unter Druck gesetzt. "Im Kapitalmarktgeschäft haben wir zuletzt wenig verdient", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Bei stabileren Märkten könne die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen dort auch wieder wachsen. "Richtig ist allerdings auch: Wenn sich das nicht nachhaltig verbessert, dann werde ich auch so konsequent sein und sagen: Da müssen wir uns etwas anderes überlegen." Einige wichtige Anteilseigner fordern seit Monaten weitere Einschnitte im Investmentbanking, nachdem Sewing dort bereits kurz nach seinem Amtsantritt vor einem Jahr den Rotstift angesetzt hatte.

Die Deutsche Bank und die Commerzbank Börsen-Chart zeigen hatten am Donnerstag vergangener Woche ihre Fusionsgespräche nach knapp sechs Wochen abgebrochen. Nun müssen sich beide Banken wieder auf sich selbst konzentrieren und nach einer neuen Strategie suchen.

Zielke tritt Übernahmegerüchten entgegen

Bei der Commerzbank mehren sich die Anzeichen für eine Übernahme durch eine ausländische Bank. Commerzbank -Chef Martin Zielke tritt dem derzeit jedoch vehement entgegen. "Wir sind alleine stark genug, um unseren Weg zu gehen", sagte Zielke der "Welt am Sonntag". Nach Informationen des manager magazins ist die niederländische ING Bank an der Commerzbank interessiert. Andere Medien nennen die italienische Unicredit als möglichen Fusionspartner. "Ich verstehe, dass Sie das interessiert. Aber zu Gerüchten werde ich mich nicht äußern", sagte Zielke.

Sowohl die Unicredit als auch die ING sind mit eigenen Einheiten im deutschen Privatkundengeschäft aktiv und könnten diese aufwerten. Laut Bankenexperte Jan Pieter Krahnen wäre die Commerzbank als Ganzes durchaus interessant für Wettbewerber - "vorausgesetzt die Aufstellung des Instituts wird radikal verändert, verbunden mit Stellenabbau", sagte der Professor für Kreditwirtschaft und Finanzierung an der Goethe-Universität Frankfurt.

Insider haben aber auch Zweifel, ob solche Szenarien aktuell Sinn ergeben würden. Zumindest hätten beide Varianten nicht das Gewicht der am Donnerstag für gescheitert erklärten deutschen Lösung - einer Fusion der Deutschen Bank mit der Commerzbank.

"Wir haben eine klare Strategie, aber auch die muss immer wieder auf den Prüfstand", sagte Zielke. Dies bedeute jedoch nicht, dass man es nicht allein schaffen könne. Die Bank habe noch "gehörig Potenzial" bei ihren Kunden. "Das Privatkundengeschäft hat seine sehr positive Entwicklung fortgesetzt und auch im Firmenkundengeschäft sehen wir Fortschritte."

Sewing sieht möglicher Coba-Übernahem gelassen entgegen

Für die Deutsche Bank könnte eine Übernahme der Commerzbank durch ein ausländisches Institut zum Problem werden. Denn dann dürfte sie einem starken Wettbewerber gegenüberstehen. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing gibt sich aber gelassen. "Dazu kann es natürlich kommen. Aber auch damit könnten wir umgehen", sagte Sewing der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Ein möglicher Käufer aus dem Ausland wäre "zum einen mindestens ein bis zwei Jahre nur mit deren Integration beschäftigt. Und zum anderen wären wir dann die einzige wirklich deutsche Bank mit internationalem Netzwerk."

Der Deutschen Bank selbst stünden nach der geplatzten Fusion gute Möglichkeiten offen, sagte Experte Krahnen. "Es könnte sinnvoll sein, leistungsfähige Sparten der Deutschen Bank mit den entsprechenden Geschäftsbereichen europäischer Wettbewerber zusammenzulegen." Als Beispiele nannte er die Fondstochter DWS und das Investmentbanking. Seit geraumer Zeit grassieren Gerüchte, wonach die DWS mit einem Rivalen zusammengehen könnte. Insidern zufolge ist dabei neben der UBS auch Europas größter Fondsanbieter Amundi im Rennen. Die Beteiligten wollten diese Überlegungen bisher aber nicht kommentieren.

Auch im "FAS"-Interview wollte sich Sewing nicht zu den Spekulationen äußern. Grundsätzlich gelte aber: "Wir schauen uns für einzelne Bereiche Chancen an, wie wir schneller wachsen und profitabler werden können, das ist doch klar." Er verwies zudem auf den Börsengang der DWS im vergangenen Jahr, der unter anderem mehr Flexibilität bezweckt habe. Zuvor hatte Sewing bereits gesagt, die Deutsche Bank wolle an der erwarteten Konsolidierung unter den Vermögensverwaltern teilnehmen.

Die Aktienkurse der beiden Banken haben sich seit der Fusionsabsage entgegengesetzt entwickelt. Während Commerzbank-Papiere seit Donnerstag um 2,6 Prozent gestiegen sind, haben Deutsche Bank um rund 5 Prozent nachgegeben.

mg/rtr, dpa-afx

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