Dienstag, 10. Dezember 2019

Abfindungen in Multi-Millionen-Höhe Deutsche Bank zahlt Vorständen fürs Gehen so viel wie fürs Bleiben

Garth Ritchie, scheidender Chef der Investmentbanksparte
Arne Dedert/dpa
Garth Ritchie, scheidender Chef der Investmentbanksparte

Wenn 18.000 Mitarbeiter gehen müssen, um Geld zu sparen, kostet das erstmal. Die Deutsche Bank rechnet damit, in diesem Jahr schon wieder einen Verlust einzufahren und 2020 auch nur ein Nullergebnis zu erreichen - unter anderem wegen der teuren Abfindungen, um später Personalkosten sparen zu können.

Wie es scheint, ist schon der Vorstand allein ein relevanter Kostenfaktor. Die "Financial Times" rechnet vor, in den vergangenen 14 Monaten habe die Deutsche Bank rund 52 Millionen Euro an Abfindungen für scheidende Vorstände gezahlt - fast so viel wie die Gehälter der aktiven Vorstände für 2018: Das waren 55,7 Millionen Euro.

Die Zahlen der bereits abgefundenen Manager lassen sich im Vergütungsbericht der Bank (PDF) nachlesen.

  • Für Ex-Chef John Cryan, im April 2018 von Christian Sewing abgelöst, gab es 10,9 Millionen Euro
  • Kim Hammonds bekam für ihren Abschied im Mai 2018 4,9 Millionen Euro zugesagt
  • zeitgleich erhielt Marcus Schenck Anspruch auf 1,95 Millionen Euro (die allerdings wohl nur zu zwei Dritteln ausgezahlt wurden, weil er bei der Investmentbank Perella Weinberg anheuerte und die Bedingung des Wettbewerbsverbots nicht mehr erfüllte)
  • zum Jahreswechsel folgte Nicolas Moreau mit knapp 1,8 Millionen Euro

Da nun drei weitere Vorstände gehen müssen, stehen weitere Multi-Millionen-Zahlungen an. Die Deutsche Bank gibt als Regel zwei Jahresvergütungen an, beschränkt auf die Restlaufzeit des Vertrags. Daraus ergeben sich folgende Ansprüche:

  • Besonders teuer wird mit mindestens 11 Millionen Euro der goldene Fallschirm für den scheidenden Investmentbankchef Garth Ritchie, da er im Vorjahr der Topverdiener im Vorstand war und gerade erst einen neuen Fünf-Jahres-Vertrag bekommen hat - zum Jahreswechsel hätte die Bank ihn ablösefrei loswerden können
  • die ebenfalls verabschiedete Compliance-Chefin Sylvie Matherat darf mit rund 9 Millionen Euro rechnen - auch sie war bis 2023 bestellt
  • und Frank Strauß, bisher Chef der Privat- und Geschäftskundensparte, bekommt etwa 6 Millionen Euro - nur etwas mehr als ein Jahresgehalt, weil sein Vertrag nur noch eine Restlaufzeit von 13 Monaten hat

Dem Vergütungsbericht ist zu entnehmen, dass nur ein Teil der Abfindungen in bar gezahlt wird und meist auch nur ein Teil sofort. John Cryan hatte immerhin an anderer Stelle noch dafür gesorgt, die Kosten fürs Toppersonal zu beschränken: 2017 trieb er 38,4 Millionen Euro an zurückgeforderten Boni von ehemaligen Vorständen ein. Insgesamt zeigte er sich ablehnend zur Bonuskultur und kappte die Leistungszulagen zeitweise deutlich.

Dennoch befeuern die aktuellen Abfindungen die Debatte erneut. Die Frankfurter Headhunterin Christine Kuhl nannte die goldenen Fallschirme gegenüber der "Financial Times" "verrückt", als Belohnung für Manager, "die einen furchtbaren Job gemacht haben". Ähnlich äußern sich Politiker von Grünen bis FDP.

In einem Leserbrief an die Zeitung berichtet der Londoner Bankenprofessor Peter Hahn, ein Deutsche-Bank-Vorstand habe ihm gegenüber einmal eingeräumt, er schäme sich für seine hohe Bezahlung. Die Vergütungspraxis nach US-Vorbild, meint Hahn, habe "das europäische Investmentbankmodell mehr getötet als die Baseler Eigenkapitalanforderungen es je tun könnten".

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