Dienstag, 16. Juli 2019

Bis zu 20.000 Jobs auf der Kippe Deutsche Bank zurrt Details des Radikal-Umbaus fest

Wie weit geht Chefaufseher Paul Achleitner (rechts) bei den Umbauplänen von Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing mit?

Mit bis zu 20.000 Jobs könnte der Stellenabbau bei der kriselnden Deutschen Bank größer ausfallen als bislang spekuliert. Konzernchef Christian Sewing plant auch einen größeren Umbau des Vorstands.

In der Vergangenheit sickerten immer wieder Zahlen über den möglichen Stellenabbau bei der Deutschen Bank durch. Dieser könnte mit mehr als 20.000 Stellen künftig allerdings größer ausfallen als bislang spekuliert. Damit würde mehr als jede fünfte Stelle in dem Konzern verschwinden, berichtet Bloomberg am Montag.

Konzernchef Christian Sewing könnte diesen Schritt zusammen mit seinem neuesten Umstrukturierungsplan bis zum 8. Juli verkünden, schreibt die Nachrichtenagentur unter Berufung auf zwei Insider. Für den 7. Juli ist eine Sitzung des Aufsichtsrats einberufen. Eine Entscheidung gebe es aber noch nicht, auch die Zahl der eventuell betroffenen Mitarbeiter stehe noch nicht endgültig fest.

Die Deutsche Bank beschäftigte zum Ende des ersten Quartals 91.500 Mitarbeiter, nach 95.400 zum Zeitpunkt der Übernahme des Chefpostens durch Sewing.

Die Deutsche Bank arbeite an Schritten zur Beschleunigung der Transformation, um die Profitabilität nachhaltig zu verbessern, erklärte eine Sprecherin per E-Mail auf Anfrage von Bloomberg. "Stakeholder" würden bei Bedarf darüber informiert. Sewing hatte auf der Hauptversammlung Ende Mai weitere "harte Einschnitte" angekündigt, aber nicht näher qualifiziert.

Ritchie, Matherat und von Moltke stehen angeblich zur Disposition

Die tiefgreifende Umstrukturierung dürfte laut Bloomberg die Investmentbanking-Sparte der Deutschen Bank am härtesten treffen. Insbesondere das US-Geschäft sowie den Handel mit Aktien und Zinsderivaten. Die Bank plane, ihren weltweiten Aktienbestand um bis zu 50 Prozent zu reduzieren.

Dass es insbesondere den Handel mit Wertpapieren trifft, wird allerdings erwartet. Analysten schätzen, dass die Deutsche Bank in ihren Handelsgeschäften sehr niedrige Gewinne oder gar Verluste erzielt. Bereits Mitte Juni hieß es, die Bank plane besonders harte Einschnitte im Investmentbanking.

Laut Bloomberg steht auch der Vorstand vor einem größeren Umbau. Investmentbanking-Chef Garth Ritchie, Chief Regulatory Officer Sylvie Matherat und Chief Financial Officer James von Moltke würden möglicherweise ausscheiden, berichtet die Nachrichtenagentur weiter unter Berufung auf vertraute Personen. Konzernchef Christian Sewing werde wahrscheinlich die formelle Aufsicht über die Investmentbank auf Vorstandsebene übernehmen.

Das manager magazin hatte bereits am 18. Juli über die Stoßrichtung des Großumbaus und eine mögliche Doppelfunktion von Sewing berichtet, demzufolge Sewing Garth Ritchie als Chef des Investmentbankings ablösen werde, um die Problemsparte zur Chefsache zu machen.

rei

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