Montag, 16. September 2019

Investmentbanken Der delikate Deal der Promi-Bank Mainfirst

Das Blaue vom Himmel: Skyline von Frankfurt, dem Sitz der Investmentbank Mainfirst, die auch Publikumsfonds auflegt und vertreibt

2. Teil: Geld floss in die Taschen der Mainfirst-Eigentümer

Übersetzt heißt das: Das Geld der Mainfirst-Anleger floss also in die Taschen der Mainfirst-Partner. Orchestriert wurde das von einem Mainfirst-Partner. Die restlichen Teile ließen die Bank-Eigner sich von der Holding abnehmen beziehungsweise behielten sie.

Der Deal wirft eine ganze Reihe von Fragen auf. Widerspricht es nicht der sauberen Geschäftsführung, möglicherweise sogar den Bestimmungen der Finanzaufsicht BaFin, wenn ein Fonds in die eigene Firma investiert, um damit zum Teil deren Partner auszulösen? Wie haben der Fondsmanager Eichler und der Partner Eichler ihre in diesem Fall gegensätzlichen Interessen austariert? Wie also ist sichergestellt, dass die Fondsanleger, unter denen sich auch Kleinanleger befinden dürften, keine Nachteile haben? Die Mindestanlagesumme beim "Top European Ideas Fund" liegt bei überschaubaren 2500 Euro, via Sparplan ist man sogar schon mit 40 Euro pro Monat dabei.

Die BaFin wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Fall äußern. Manager magazin online hat Mainfirst-Verwaltungsratschef Thomas Emde, im Hauptjob Partner der Anwaltskanzlei Freshfields und als solcher Spezialist für Banken, sowie Olgerd Eichler einen langen Fragenkatalog geschickt, den die beiden Haupt-Protagonisten dieses Deals komplett beantworteten. Nachfolgend die wichtigsten Auszüge:

mm: Ist der Vorgang BaFin-konform?

Thomas Emde: Die Transaktion steht im Einklang mit den aufsichtsrechtlichen Bestimmungen. Im Übrigen ist die BaFin über das Ausscheiden von Dr. Bettscheider ebenso wie über die Aktienkäufe der Partner und des Fonds vorab informiert worden.

mm: Wie wurde ein Interessenkonflikt zwischen dem Partner Eichler und dem Fondsmanager Eichler vermieden?

Emde: Es bestand kein Interessenkonflikt zwischen dem Partner Eichler und dem Fondsmanager Eichler. Zum einen, weil der Fondsmanager Eichler an der Nutzung der infolge des Ausscheidens von Dr. Bettscheider sich kurzfristig bietenden Akquisitionschance interessiert war und damit Interessen verfolgte, die mit denen des Partners Eichler im Gleichlauf standen. Zum anderen hat der Verwaltungsrat der Fondsgesellschaft den Kauf der Mainfirst-Beteiligung geprüft und für gut befunden.

mm: Hat der Partner Eichler mit dem Fondsmanager Eichler kontrahiert?

Olgerd Eichler: Nein, ich habe den Fonds beim Kauf der Mainfirst-Aktien nicht vertreten.

mm: Wie hoch war der Preis für die Anteile?

Eichler: Die Aktien wurden zu dem an die Aktionäre veröffentlichten Net Asset Value (NAV) erworben.

mm: Wie hoch ist der Unterschied zu dem Ankaufpreis, den die Partner für die Anteile des ausgeschiedenen Partners Bettscheider gezahlt haben?

Emde: Es gibt keine Unterschiede. Die Preise sind identisch.

Fondsmanager Eichler und seine Anleger steuern nun möglicherweise auf ein delikates Problem zu. Der "Top European Ideas Fund" ist im Kern ein Aktienfonds. Der Vorteil: Die Anlagen sind maximal liquide. Wie nahezu jeder andere Aktienfonds darf allerdings auch das Mainfirst-Produkt zu einem kleinen Teil in nicht-börsengelistete Unternehmen investieren, in diesem Fall zehn Prozent der Anlagesumme. Solch ein Investment macht in der Regel vor einem absehbaren Börsengang Sinn, weil die Anteile dann günstiger sind als danach. Und nach dem Börsengang kann der Fonds dann auch flexibel mit den Anteilen umgehen.

Das Problem bei Mainfirst, wie Verwaltungsratschef Emde gegenüber manager magazin online bestätigt: Ein Börsengang von Mainfirst ist derzeit nicht absehbar.

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