Samstag, 4. April 2020

Investorentag in Frankfurter Zwillingstürmen Das sind die Baustellen der Deutschen Bank

Schiefes Bild: Die Deutsche Bank versucht verzweifelt, ihre Konzernkrise zu meistern.
Kai Pfaffenbach / REUTERS
Schiefes Bild: Die Deutsche Bank versucht verzweifelt, ihre Konzernkrise zu meistern.

Gute Nachrichten für Investoren der Deutschen Bank, die Aktie liegt mit mehr als 3 Prozent im Plus! Allerdings bezieht sich die Aussage ausschließlich auf die vergangenen sieben Tage. Nahezu alle längeren Zeiträume ergeben ein Kursminus, wobei als grobe Faustregel gilt: je länger der Zeitraum, desto größer die prozentualen Verluste. Auf Sicht von einem Jahr beispielsweise hat das Deutsche-Bank-Papier gegenwärtig etwa 10 Prozent an Wert verloren. Auf Sicht von drei Jahren beträgt das Minus ganze 60 Prozent.

Die Zahlen lassen erahnen, welche Stimmung an diesem Dienstag in den Zwillingstürmen des Geldhauses in Frankfurt herrschen dürfte, wohin die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen zum Investorentag geladen hat. Schließlich haben sich andere Bankaktien in der jüngeren Vergangenheit zum Teil deutlich besser entwickelt. Der Bankenindex Eurostoxx Banken etwa liegt auf Sicht von drei Monaten etwa 12 Prozent im Plus. In den vergangenen zwölf Monaten legte der Index um etwa 3 Prozent zu.

Seit Jahren kämpft die Bank nun bereits gegen ihren Niedergang. Gegenüber den US-Banken ist das Geldhaus abgeschlagen. Mehrere Vorstandschefs haben sich daran aufgerieben. Der aktuelle, Christian Sewing, verkündete im Sommer seinen Plan zur Grundsanierung. Wird es ihm als Tatortreiniger der Deutschen Bank gelingen, Deutschlands Branchenprimus wieder auf Vordermann zu bringen? Hier die wichtigsten Baustellen, an denen Sewing und sein Team gegenwärtig arbeiten:

1. Großumbau der Deutschen Bank

Sewings größte Baustelle ist die Anfang Juli angekündigte "Transformation" des Konzerns, mit der die Deutsche Bank nach eigenen Angaben wieder profitabler, die Rendite verbessert und das Wachstum gefördert werden soll. Vor allem das Investmentbanking will Sewing in dem Zuge gesundschrumpfen, mit einem Abschied vom Aktienhandel und einer Verkleinerung des Anleihegeschäfts.

Darüber hinaus besteht diese Grundsanierung, die mehr als sieben Milliarden Euro und 18.000 der vor Kurzem noch mehr als 90.000 Arbeitsplätze kosten soll, aus zahlreichen weiteren Bestandteilen: Bündelung der Transformationsbank und des Firmenkundengeschäfts in einer neuen Unternehmensbank, Abbau von Risikopapieren im Wert von etwa 74 Milliarden Euro (von denen die Deutsche Bank jüngst Papiere im Wert von 50 Milliarden Dollar an die US-Bank Goldman Sachs veräußerte), Effizienzsteigerungen durch Milliardeninvestitionen in die IT der Deutschen Bank. Ein weiterer Schritt soll die Rück-Integration des Privatkundengeschäfts unter das Konzerndach sein, welche das Institut seinen Anlegern nach Informationen von manager magazin vermutlich auf dem Investorentag am Dienstag endgültig verkünden wird.

Mit all dem will Deutsche-Bank-CEO Sewing ein Unternehmen schaffen, das "profitabler, schlanker, innovativer und noch widerstandsfähiger" sein soll, wie er im Sommer an seine Mitarbeiter schrieb. In Zahlen heißt das: Der Bankchef will die Kosten bis 2022 um rund sechs Milliarden auf 17 Milliarden Euro senken und die Nachsteuerrendite auf 8 Prozent des materiellen Eigenkapitals bringen.

Ist das realistisch? Ende Oktober legte die Deutsche Bank erstmals nach der Bekanntgabe des Großvorhabens Ergebnisse vor. Das Unternehmen selbst sah sich seinerzeit "beim Umbau im Plan", wie es in einer Mitteilung hieß. Am heutigen Dienstag bekräftigt die Deutsche Bank diese Aussage. "Wir liegen im Plan und in einigen Bereichen sogar über Plan", wird CEO Sewing in einer Mitteilung zitiert. Ähnlich äußert sich der Bankchef in einem Interview von Bloomberg TV: "Der Oktober und der November liefen besser als erwartet", so Sewing.

Beobachter urteilen jedoch anders. Die Kosteneinsparungen gingen nicht schnell genug, und die Erträge blieben weiterhin hinter den Erwartungen zurück, heißt es. Die Aktie der Deutschen Bank brach angesichts der jüngsten Quartalsergebnisse um fast 7 Prozent ein.

2. Kampf gegen die Ertragsschwäche

Die große Frage sei, ob die Deutsche Bank die Erträge wie geplant steigern kann, sagte Andreas Thomae, Portfoliomanager bei der zu den Sparkassen gehörenden Deka, einem der größeren Investoren der Bank, im Vorfeld des Investorentages. Tatsächlich ist die Ertragsschwäche eines der zentralen Probleme der Deutschen Bank. Und schon wenige Wochen nach der Verkündung des Großumbaus im Sommer enttäuschte das Institut seine Investoren diesbezüglich einmal mehr. Finanzchef James von Moltke war bis dahin bis 2022 von jährlichen Erträgen von rund 25 Milliarden Euro ausgegangen. Dann ruderte er leicht, aber vernehmbar zurück: Es seien lediglich Erträge von 24 bis 25 Milliarden Euro zu erwarten, so von Moltke.

Um die chronische Ertragsschwäche seines Unternehmens zu beenden, müsste es Konzernchef Sewing gelingen, sowohl das Privatkunden- als auch das Firmenkundengeschäft kräftig anzukurbeln. Das fällt allerdings schwer: Zum einen sind die Möglichkeiten der Deutschen Bank wie auch bei der Konkurrenz aufgrund des Niedrigzinsumfeldes ziemlich eingeschränkt. Zum anderen macht sich auch die aufziehende Konjunkturschwäche bemerkbar. Diese erschwert nicht nur den Verkauf neuer Kredite. Sie macht vielmehr auch eine erhöhte Risikovorsorge für bestehende Darlehen erforderlich. Hinzu kommt noch ein harter Wettbewerb auch mit ausländischen Banken, der die Geschäfte der Deutschen Bank beeinträchtigt.

Operativ zeigen sich die Probleme des Umbaus etwa im deutschen Privatkundengeschäft der Bank. Hier hatte Sewing extra den Allianz-Manager Manfred Knof geholt. Dessen Mission: sparen. Er soll die Erträge bis 2022 um satte 15 Prozent steigern. Nur wurde er zuletzt intern ausgebremst.

Auch im abgelaufenen dritten Quartal musste die Deutsche Bank wegen der Einstellung des Aktienhandels einen überraschend deutlichen Rückgang ihrer Erträge hinnehmen. Mit knapp 5,3 Milliarden Euro fielen sie 15 Prozent niedriger aus als ein Jahr zuvor - und verfehlten zudem die Erwartungen von Branchenexperten.

3. Was ist mit Vermögensverwaltung DWS?

Bei der Vermögensverwaltungstochter DWS, deren Anteile die Deutsche Bank im vergangenen Jahr zu 20 Prozent an die Börse brachte, läuft es ebenfalls nicht rund. Der Aktienkurs des Unternehmens hat sich zuletzt zwar erholt, insgesamt verbucht das Papier seit dem IPO im Frühjahr 2018 aber nach wie vor ein Kursminus.

In der Planung zum Konzernumbau spielt die DWS ebenfalls eine Rolle. Die Tochter bleibe "eine der Säulen in der Strategie der Deutschen Bank", teilte das Institut im Juli mit. Ziel sei es weiterhin, die DWS zu einem der Top-10 Vermögensverwalter weltweit zu machen.

Davon ist der Fondsanbieter allerdings noch ein Stück weit entfernt. Einer Übersicht von Euro Fundresearch zufolge rangierte die DWS mit einem verwalteten Vermögen von rund 750 Milliarden US-Dollar zuletzt nicht einmal unter den Top 20 weltweit. Platz zehn belegte demnach der britische Finanzkonzern Prudential mit 1,4 Billionen Dollar.

Gegenwind gab es für die DWS zuletzt im dritten Quartal dieses Jahres, als die Einnahmen sanken und der Gewinn geringer ausfiel als von Analysten erwartet. Zum Vergleich: Die Schweizer Credit Suisse verdoppelte im gleichen Zeitraum ihren Konzerngewinn auch, weil sie von höheren Erträgen in der Vermögensverwaltung profitierte.

4. Umstrittene Führung

Noch ist der Kredit, den Investoren dem aktuellen Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing gewähren, nicht aufgebraucht. Doch sein Plan zum Konzernumbau muss aufgehen, so viel steht fest. Ansonsten wird Sewing ein Schicksal teilen mit seinen Vorgängern, die sich bereits vergeblich an der Rettung der Bank versucht haben und letztlich erfolglos gehen mussten: John Cryan, Anshu Jain, Jürgen Fitschen und nicht zuletzt auch Josef Ackermann in den letzten Jahren seiner Amtszeit.

Die umstrittenste Figur bei der Deutschen Bank findet sich allerdings nicht im Vorstand, sondern im Aufsichtsrat des Unternehmens. Es ist dessen Vorsitzender, Paul Achleitner. In seine Zeit an der Spitze des Kontrollgremiums fallen die vergeblichen Anstrengungen der Deutsche-Bank-CEOs Jain, Fitschen und Cryan.

Zudem bekam Achleitner gerade in jüngster Zeit Schwierigkeiten mit einigen Personalien, die in seine Verantwortung fallen: Im Oktober musste Jürg Zeltner, ehemaliger Leiter der Vermögensverwaltung bei der UBS, den Aufsichtsrat der Deutschen Bank nach wenigen Wochen wegen eines Interessenskonfliktes wieder verlassen. Später wurde bekannt, dass Vorstandskandidat Michael Ilgner, aktuell Chef der Stiftung Deutsche Sporthilfe, auf Vorbehalte bei der Finanzaufsicht stößt.

Nicht wenige Investoren fordern vor dem Hintergrund längst den Abgang des Österreichers. Bislang macht Achleitner allerdings keine Anstalten, seinen Posten vorzeitig zu räumen. Er rüstet sich für die Verteidigung. Gewählt wurde er für eine Amtszeit bis 2022.

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