Verbotene Cum-Ex-Geschäfte Skandal um dubiose Aktiendeals erreicht M.M. Warburg

Der Skandal um dubiose Aktiendeals, mit denen Banken Milliarden Euro Steuern hinterzogen haben, erreicht nun auch die angesehene Privatbank M.M. Warburg. Ermittler durchsuchten die Zentrale in Hamburg. Die feine Adresse für vermögende Kunden weist die Vorwürfe zurück.
Razzia beim Bankhaus M.M. Warburg: Ermittler ließen die Zentrale des Traditionshauses nahe der Hamburger Alster durchsuchen. Die Bank soll in dubiose Aktiengeschäfte verwickelt sein

Razzia beim Bankhaus M.M. Warburg: Ermittler ließen die Zentrale des Traditionshauses nahe der Hamburger Alster durchsuchen. Die Bank soll in dubiose Aktiengeschäfte verwickelt sein

Foto: obs / M.M.Warburg & CO / Aloys Kiefer

Jetzt auch M.M. Warburg - ausgerechnet Warburg, möchte man meinen. Die traditionsreiche, feine hanseatische Adresse für vermögende Kunden, die mittlerweile mehr als 50 Milliarden Euro verwaltet. Ja, auch die 1798 gegründete Privatbank soll wie viele andere Institute mit dubiosen Aktiendeals den Fiskus um viel Geld betrogen haben.

In "kriminelle Aktiengeschäfte" in Höhe von bis zu 150 Millionen Euro soll die Bank verwickelt sein, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" am Dienstag. Nach Informationen der Zeitung hätte die Kölner Staatsanwaltschaft vor etwa vier Wochen die Hamburger Zentrale durchsucht.

Die Ermittler hätten Belege für sogenannte Cum-Ex-Geschäfte gesucht, in die die Bank verwickelt sein soll. Geschäfte also, bei denen sich die Akteure beim Handel von Aktien mit (Cum) und ohne Dividende (Ex) die dabei anfallende Kapitalertragssteuer mehrfach haben erstatten lassen.

Mehr als 100 Banken und Fonds im In- und Ausland sollen den deutschen Fiskus so über Jahre um mehr als zehn Milliarden Euro betrogen haben - und jetzt also auch M.M. Warburg.

Fünf Manger der Traditionsbank stehen dem Bericht zufolge unter Verdacht, darunter Christian Gottfried Olearius (73). Fast drei Jahrzehnte führte er das Bankhaus, bevor er 2014 den Stab an seinen Sohn Joachim weiterreichte. Zusammen mit Max Warburg, seinem Vize im Aufsichtsrat der Bank, hält C.G. Warburg 80 Prozent der Anteile.

Auch Christian Gottfried Olearius, Anteilseigner und Jahrzehnte Chef der Bank M.M. Warburg, soll unter Verdacht stehen

Auch Christian Gottfried Olearius, Anteilseigner und Jahrzehnte Chef der Bank M.M. Warburg, soll unter Verdacht stehen

Foto: DPA

Warburg hat am Dienstag die Razzia von Mitte Januar bestätigt, weist aber die Anschuldigungen zurück. Die Bank unterstütze "die Ermittlungen vollumfänglich". Die Zeitung zitiert dabei aus Antworten auf eine Anfrage an die Bank. Diesen zufolge gingen die Strafverfolger aus Köln dem Verdacht nach, "dass die Bank Rechnungen akzeptiert und gezahlt habe, ohne dass dafür Leistungen erbracht worden seien. Die Bank hat keine Kenntnisse, die diesen Sachverhalt bestätigen", heißt es in den zitierten Antworten.

Weiter antwortete die Bank laut "SZ", die Aktiengeschäfte seien "unter Berücksichtigung der gesetzlichen Anforderungen" erfolgt. Eine "mehrfache Erstattung von Steuern hat die Bank weder erhalten noch beantragt".

Spitzfindig merkt die Zeitung dazu an, dass jede Bank, die eine mehrfache Erstattung von gezahlten Steuern beantragt hätte, natürlich sofort aufgeflogen wäre. Tatsächlich aber seien bei besagten Cum-Ex-Geschäften die Aktiendeals nach Erkenntnis der Ermittler trickreich und kompliziert über viele Stationen im In- und Ausland abgelaufen - um eben Spuren zu verwischen und die Finanzbehörden zu täuschen.

Malta, Schweiz, Karibik - Ermittler verfolgen Geldströme weltweit

Um sich einmal gezahlte Steuern mehrfach erstatten zu lassen, sollen dem Bericht zufolge die mutmaßlich betrügerischen Geschäfte der Hamburger Privatbank über drei Kapitalfonds gelaufen sein und teils über eine Adresse auf der Mittelmeerinsel Malta abgewickelt worden sein. Zwei Warburg-Manager sollen sogar eigenes Geld in die Fonds investiert haben, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf die Kölner Ermittler.

Die Staatsanwaltschaft ginge im Fall Warburg aber auch Verbindungen in die Schweiz und Geldflüssen bis in die Karibik nach. Dabei soll Warburg möglichen Drahtziehern von Cum-Ex-Geschäften geholfen haben, "mehr als zwanzig Millionen Euro beiseitezuschaffen". Dafür hätte die Bank Scheinrechnungen bezahlt, die aus der in Basel ansässigen Bank Sarasin gekommen seien.

Das nicht minder feine Schweizer Bankhaus soll ebenso in Cum-Ex-Geschäfte verwickelt gewesen sein. Ursprung des Ermittlungsverfahrens gegen die Schweizer Bank war auch eine Strafanzeige des AWD-Gründers Carsten Maschmeyer im Sommer 2014 gegen führende Köpfe der Bank. Er warf den Sarasin-Managern vor, ihn in Fonds gelockt zu haben, die mit den inzwischen verbotenen Cum-Ex-Geschäfte hantierten.

Aussagen von Eric Sarasin sollen Ermittler auf die Fährte geführt haben

Vizechef der Bank war, bevor sie an die brasilianische Milliardärsfamilie Safra verkauft wurde, Eric Sarsasin. Er bestritt stets die Vorwürfe, kooperierte mit der Kölner Staatsanwaltschaft und zahlte Medienberichten zufolge 200.000 Euro zur Einstellung des Verfahrens, ohne dass damit ein Schuldeingeständis verknüpft gewesen wäre.

Pikanterweise sollen seine Aussagen die Ermittler auf die Fährte Warburg gelockt haben, berichtet die "Süddeutsche Zeitung".

Es steht zu vermuten, dass die Razzia bei M.M. Warburg nicht die letzte im Zusammenhang mit den umstritten Aktiengeschäfte gewesen sein wird.

Fundus und Auslöser für weitere mögliche Ermittlungen gegen mutmaßliche Steuerbetrüger in der deutschen Finanzindustrie ist eine vom Land NRW für fünf Millionen Euro gekauft CD mit Insider-Informationen. Die Datensätze sollen Hinweise auf Deals im Volumen von 70 Milliarden Euro enthalten, bei dem der Staat um Kapitalertragsteuer betrogen worden sei.

Dass die Rückzahlung hinterzogener Steuern manches Institut sogar existentiell gefährden kann, zeigte zuletzt der Fall der Maple-Bank in Frankfurt. Die Finanzaufsicht Bafin ließ das Institut Anfang Februar schließen, weil eine mögliche Steuerrückstellung von bis zu 450 Millionen Euro für mutmaßliche Cum-Ex-Geschäfte die Bank in die Pleite getrieben hätte.

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