Nach Milliardenverlust Credit Suisse wechselt Konzernchef Thomas Gottstein aus

Credit-Suisse-Chef Thomas Gottstein verabschiedet sich mit einem Milliardenverlust - die Schweizer Großbank ersetzt ihn durch Ulrich Körner, der im vergangenen Jahr vom Erzrivalen UBS kam. Körner will verstärkt sparen und die Strategie überarbeiten.
Credit-Suisse-Chef Thomas Gottstein geht ....

Credit-Suisse-Chef Thomas Gottstein geht ....

Foto: ARND WIEGMANN / REUTERS

Die krisengeplagte Credit Suisse wechselt nach einem weiteren Milliardenverlust den Konzernchef aus. Auf Thomas Gottstein (58) folgt am 1. August Ulrich Körner (59), wie die Schweizer Großbank am Mittwoch mitteilte. Gleichzeitig gab die Credit Suisse den dritten Quartalsverlust in Folge bekannt. Der Ertragseinbruch in Teilen des operativen Geschäfts sowie höhere Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten sorgten von April bis Juni 2022 unter dem Strich für einen Fehlbetrag von 1,6 Milliarden Franken - weit über dem von Analysten geschätzten Verlus von rund 200 Millionen Franken.

Eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht. Credit Suisse warnte, dass die Investmentbank auch im laufenden Quartal rote Zahlen schreiben dürfte. Die Handelsflaute habe dem Geschäft im bisherigen Verlauf des Quartals zugesetzt. Auch die Kernkundschaft der Reichen und Superreichen habe weiterhin die Füße stillgehalten. "Die Situation wird immer schlimmer", sagte Vontobel-Analyst Andreas Venditti.

Credit Suisse startet nun ein neues Sparprogramm. Damit sollen die Kosten mittelfristig auf unter 15,5 Milliarden Franken gedrückt werden. Für das laufende Jahr ging das Geldhaus zuletzt von rund 17 Milliarden Franken aus.

Sparprogramm und geänderte Strategie

Zudem will die Bank die Strategie erneut überprüfen. Die Vermögensverwaltung für Millionäre und Milliardäre, das Universalbankgeschäft in der Schweiz und das Asset Management sollen dabei gestärkt werden. Die Investmentbank will Credit Suisse dagegen weiter eindampfen. Diesen Weg hatte zuvor auch der Schweizer Erzrivale UBS eingeschlagen.

Neue Co-Chefs der Investment Bank werden David Miller und Michael Ebert. Der bisherige Leiter der Division, Christian Meissner, werde sich auf die laufende strategische Transformation des Geschäfts konzentrieren. "Unser Ziel muss es sein, eine stärkere, einfachere und effizientere Gruppe mit nachhaltigeren Erträgen zu werden", erklärte Verwaltungsratspräsident Axel Lehmann.

Ulrich Körner stieß 2021 zur Credit Suisse, um das Asset Management, das Fonds anbietet und Profikunden wie Pensionskassen in Anlagefragen hilft, nach dem Debakel mit Greensill-Fonds in die Spur zu bringen. Von 2009 bis 2020 arbeitete Körner unter anderem als Asset Management-Chef und als operativer Chef (Chief Operating Officer) für den Erzrivalen UBS. Körner, der die deutsche und die Schweizer Staatsbürgerschaft besitzt, gilt als früherer McKinsey-Berater als Sanierungsexperte.

Die UBS hatte erst am Vortag ihre Geschäftszahlen vorgelegt und dabei die Erwartungen trotz eines deutlich gestiegener Quartalsgewinne nicht erfüllt. Zwei Wochen zuvor hatte UBS Iqbal Khan zum alleinigen Chef der globalen Vermögensverwaltung berufen und damit zur Nummer 2 hinter Konzernchef Ralph Hamers gemacht. Kenner der UBS sind davon überzeugt, dass die Bank damit die Nachfolge für Hamers gestellt habe.

Gottstein habe es am Rückhalt wichtiger Mitarbeiter gefehlt

Gottstein scheiterte Insidern zufolge neben den schlechten Zahlen und dem Aktienkurseinbruch auch am fehlenden Rückhalt unter Schlüssel-Mitarbeitern. "In den letzten Wochen bin ich nach Gesprächen mit Axel und meiner Familie sowie aus privaten und gesundheitlichen Gründen zum Schluss gekommen, dass es der richtige Zeitpunkt ist, zurückzutreten und die weitere Phase mit den heute angekündigten entscheidenden Maßnahmen in die Hände eines Nachfolgers zu legen", erklärte er.

Citi-Analyst Andrew Coombs erklärte, Körner sei eine überraschende Wahl, die Anleger seien mit ihm nicht vertraut. Gottstein stellte er kein gutes Zeugnis aus. "Herr Gottstein hat zwar eine Reihe von Problemen geerbt, aber die Art und Weise, wie das Unternehmen auf diese Probleme reagiert hat, und die daraufhin eingeschlagene Strategie haben die Bank in eine schwächere Position gebracht." Gottstein hatte im Feburar 2020 die Nachfolge von Tidjane Thiam (59) angetreten, hielt sich also rund zweieinhalb Jahre im Amt.

Den weiteren Angaben zufolge sackten im zweitenn Quartal die Erträge der Credit Suisse um fast ein Drittel ab. Credit Suisse machte dafür vor allem das schwierige Marktumfeld verantwortlich. Tatsächlich setzten die anziehende Inflation, Rezessionsängste, der Krieg in der Ukraine und die anhaltenden Corona-Einschränkungen in Teilen Asiens auch anderen Branchenvertretern wie den US-Großbanken oder dem Erzrivalen UBS zu.

Eine der am niedrigsten bewerteten Banken Europas

Dennoch kämpft die Nummer zwei der Schweiz auch mit einer Reihe hausgemachter Probleme. Denn nach Fehlschlägen, Skandalen und verlorenen Gerichtsfällen hat der Ruf der Bank in den vergangenen zwei Jahren erheblichen Schaden genommen. Zusammen mit wiederholten Verlusten im Geschäft drückte dies den Aktienkurs alleine im laufenden Jahr um 40 Prozent. Credit Suisse gehört inzwischen zu den am niedrigsten bewerteten Großbanken Europas und musste sich zuletzt auch gegen Übernahmespekulationen wehren.

An der Börse zogen die Credit-Suisse-Aktien  an. Die neue strategische Ausrichtung hin zu einer weniger kapitalintensiven Investmentbank sei klar positiv, erklärte JP Morgan-Analyst Kian Abouhossein. Doch sein Kollege Andreas Venditti gab zu bedenken, dass es Zeit brauchen werden, die Probleme zu beheben und über die kommenden Jahre das Vertrauen aller Anspruchsgruppe wiederzugewinnen.

rei/Reuters
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