Rücktritt mit sofortiger Wirkung Credit-Suisse-Präsident stolpert über Quarantäne-Verstöße

Neuer Rückschlag für die Credit Suisse: Verwaltungsratspräsident António Horta-Osório tritt nach Quarantäne-Verletzungen schon nach wenigen Monaten im Amt wieder ab. Sein Nachfolger steht bereits fest.
Abgang nach Quarantäne-Verletzungen: Der bisherige Verwaltungsratschef der Credit Suisse, António Horta-Osório

Abgang nach Quarantäne-Verletzungen: Der bisherige Verwaltungsratschef der Credit Suisse, António Horta-Osório

Foto: LEON NEAL/ AFP

Nach Berichten über Verletzung der Quarantäne-Regeln ist Credit Suisse-Verwaltungsratspräsident Antoónio Horta-Osório (57) nach nur wenigen Monaten im Amt überraschend zurückgetreten. Zu seinem Nachfolger ist Verwaltungsratsmitglied Axel Lehmann (63) ernannt worden, wie die Schweizer Großbank in der Nacht auf Montag mitteilte. "Ich bedauere, dass einige meiner persönlichen Handlungen zu Schwierigkeiten für die Bank geführt und meine Fähigkeit beeinträchtigt haben, diese nach innen und außen zu vertreten", erklärte Horta-Osório. "Ich bin daher zur Auffassung gelangt, dass mein Rücktritt zu diesem Zeitpunkt im Interesse der Bank und ihrer Stakeholder ist."

Der Rücktritt Horta-Osórios ist ein weiterer Rückschlag für die krisengeplagte Großbank. Nachdem der Portugiese Ende April 2021 zum Präsidenten gewählt worden war, hatte er sich auf die Fahne geschrieben, das Risiko-Management und die Kultur der Credit Suisse zu reformieren. Der frühere Konzernchef Tidjane Thiam (59) musste seinen Posten im Nachgang zur Überwachung eines Topmanagers räumen. Im Frühjahr erschütterte dann das Doppel-Debakel rund um den Hedgefonds Archegos und die Greensill-Fonds das Institut.

Drei Tage nach Rückkehr aus Großbritannien wieder im Privatjet unterwegs

Horta-Osório wird vorgeworfen, während der Coronavirus-Pandemie Vorschriften in der Schweiz missachtet zu haben. Der portugiesisch-britische Doppelstaatler hatte sich am 28. November einen folgenschweren Fauxpas geleistet: Nach einer Reise von Großbritannien nach Zürich hätte er eigentlich zehn Tage in Quarantäne gehen müssen, doch der Topbanker verließ das Land schon nach drei Tagen wieder in einem Privatjet. Die Zeitung "Blick" machte den Fall publik. Einen Tag später erklärte die Bank, Horta-Osório habe Selbstanzeige erstattet. Er habe sich dafür entschuldigt, am 1. Dezember ohne Absicht gegen Quarantäne-Bestimmungen verstoßen zu haben. Daraufhin habe die Credit Suisse eine Untersuchung zum Verhalten des Verwaltungsratschefs eingeleitet. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge untersuchte die Bank später einen zweiten mutmaßlichen Verstoß. Noch Ende Dezember hatten Großaktionäre Horta-Osório den Rücken gestärkt.

Der Portugiese hatte sich mit der Stabilisierung der schlingernden britischen Großbank Lloyds einen guten Ruf in der Branche erworben. Sein Amt bei der Credit Suisse trat er mit vielen Vorschusslorbeeren an. Im November legte er seinen Marschplan für die Bank vor, der unter anderem eine weitere Schrumpfkur für das risikoreiche Investmentbanking umfasste. Horta-Osório griff bei der Führung des Instituts in einem für einen Präsidenten ungewöhnlichen Ausmaß auch in das Tagesgeschäft der Bank ein. Insidern zufolge kam es dabei auch zu Konflikten mit dem Management.

Nun soll Lehmann die Credit Suisse in ruhigere Gewässer steuern. Der 1959 geborene Schweizer ist seit Oktober Verwaltungsrat der Bank. Davor war er jahrelang Spitzenmanager beim Rivalen UBS.

cr/Reuters