Einigung im US-Steuerstreit Credit-Suisse-Chef Dougan darf wohl bleiben

Im Steuerstreit stehen Credit Suisse und die US-Behörden kurz vor der Einigung. Mit einer Rekordstrafe und einem Schuldeingeständnis kann die Bank ihren Lizenzentzug abwenden. Die Führungsspitze der Bank bleibt offenbar unangetastet - zum Missfallen der Kritiker.
Geniesst offenbar weiter das Vertrauen des Verwaltungsrats: Auch Credit-Suisse-Chef Brady Dougan selbst sieht sich nicht verantwortlich für die systematische Beihilfe seiner Bank zum Steuerbetrug von US-Bürgern

Geniesst offenbar weiter das Vertrauen des Verwaltungsrats: Auch Credit-Suisse-Chef Brady Dougan selbst sieht sich nicht verantwortlich für die systematische Beihilfe seiner Bank zum Steuerbetrug von US-Bürgern

Foto: © Arnd Wiegmann / Reuters/ REUTERS

Hamburg - Im Steuerstreit zwischen der Schweizer Großbank Credit Suisse und den USA könnte es noch am Montagabend zu einer Einigung kommen. Die zweitgrößte Schweizer Bank werde in einem formellen Schuldeingeständnis zugeben, reichen Amerikanern bei der Steuerhinterziehung geholfen zu haben. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg  unter Berufung mit dem Vorgang vertraute Personen.

Daneben werde die Bank eine Geldstrafe von rund 2,5 Milliarden Dollar zahlen müssen. Sie werde aber ihre Lizenz behalten dürfen. Die Credit Suisse wollte das nicht bestätigen und kommentieren.

Die US-Behörden werfen der Bank vor, bis zu 22.000 reichen Amerikanern geholfen zu haben, rund zehn Milliarden Dollar vor ihrem Finanzamt zu verstecken. Das US-Justizministerim ermittelt seit dem Jahr 2011 gegen die Bank.

Für die zweitgrößte Schweizer Bank endet damit ein langer Streit. Die rund 2,5 Milliarden Dollar Strafe wird sie verkraften können, ihre Bonitätsnote dürfte sich nicht verschlechtern. Das erste öffentliche Schuldeingeständnis einer Bank seit Jahrzehnten aber beschädigt das Image der Credit Suisse schwer. Manche Beobachter glauben, das dürfte die Bank Kunden und somit auch Ertrag kosten.

Insiderberichten zufolge sollen Vorstandschef Brady Dougan und Verwaltungsratschef Urs Rohner ihre Posten behalten dürfen. Der Verwaltungsrat sieht sie offenbar nicht verantwortlich für die Beihilfe zur Steuerhinterziehung, heißt es.

Systematische Beihilfe von 1800 Mitarbeitern bleibt für Dougan folgenlos

Dougan, der seit sieben Jahren die Bank führt, hatte schon vor dem Ausschuss des US-Senats die Schuld auf eine kleinere Gruppe von Angestellten des Instituts geschoben. Politiker unterschiedlicher Couleur in der Schweiz zweifeln dies aber an. Sie sehen die Verantwortung auch beim Vorstandschef und haben den Rücktritt der kompletten Führungsspitze gefordert. Anders könnte ein Neustart der Bank nicht gelingen, sind sie überzeugt.

Ihre Forderung erhält umso mehr Gewicht, als ein Bericht des US-Senats zu der Erkenntnis kam, dass es sich hier nicht um Einzeltäter sondern 1800 Mitarbeiter der Bank handelte, die reichen Amerikanern systematisch geholfen hätten, Steuern zu hinterziehen.

Die US-Börden ermitteln gegen gut ein Dutzend Schweizer Banken und haben in den vergangenen Monaten den Druck auf die Institute erheblich erhöht. Keine Person und kein Unternehmen, die der amerikanischen Wirtschaft schade, stünde über dem Gesetz. Das gelte auch für große Unternehmen. "Too big to jail" gebe es nicht, warnte US-Justizminister Eric Holder unmissverständlich.

"Wir übernehmen Verantwortung": Das hatten Credit-Suisse-Chef Brady Dougan (2. v.l.) und Kollegen noch im Februar dieses Jahres vor dem US-Senat erklärt. Sie persönlich sehen sich aber nicht in der Verantwortung

"Wir übernehmen Verantwortung": Das hatten Credit-Suisse-Chef Brady Dougan (2. v.l.) und Kollegen noch im Februar dieses Jahres vor dem US-Senat erklärt. Sie persönlich sehen sich aber nicht in der Verantwortung

Foto: WIN MCNAMEE/ AFP
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