Donnerstag, 12. Dezember 2019

Nach Bespitzelungsaffäre Credit Suisse setzt zwei Top-Manager vor die Tür

Im Zuge des Beschattungsskandals trennt sich die Crédit Suisse jetzt von zwei Top-Managern
REUTERS/Arnd Wiegmann
Im Zuge des Beschattungsskandals trennt sich die Crédit Suisse jetzt von zwei Top-Managern

 Belastet: Pierre-Olivier Bouée muss im Zuge der Bespitzelungsaffäre gehen
Nils Sander/Six Group
Belastet: Pierre-Olivier Bouée muss im Zuge der Bespitzelungsaffäre gehen

Die Credit Suisse trennt sich in der Affäre um die Überwachung des ehemaligen Spitzenmanagers Iqbal Khan von zwei hochrangigen Mitarbeitern. Der für das operative Geschäft zuständige Pierre-Olivier Bouée sowie der Sicherheitschef des Instituts, Remo Boccali, sind mit sofortiger Wirkung zurückgetreten, wie die Schweizer Großbank am Dienstag mitteilte. Dagegen entlastete eine von der Bank bei der Anwaltkanzlei Homburger in Auftrag gegebene Untersuchung Konzernchef Tidjane Thiam.

Der Untersuchung zufolge war Khan im September an sieben Tagen überwacht worden. Bouee wollte damit verhindern, dass Khan Mitarbeiter oder Kunden zu seinem neuen Arbeitgeber, dem Erzrivalen UBS, mitnimmt. Doch Khan bemerkte die Überwachung und erstattete bei der Polizei Anzeige. Danach kam der Fall an die Öffentlichkeit.


Lesen Sie auch:

Wie sich ein Gartenzaunstreit zur Schweizer Bankenaffäre auswuchs


Der Bank zufolge ergab die Untersuchung keine Anhaltspunkte dafür, dass Khan versucht hätte, Mitarbeiter oder Kunden abzuwerben. Der Verwaltungsrat unterstütze zwar grundsätzlich das Ergreifen von Maßnahmen zum Schutz der Interessen der Credit Suisse in Fällen, in denen leitende Angestellte die Bank verlassen. "Allerdings ist der Verwaltungsrat der Ansicht, dass der Auftrag zur Überwachung von Iqbal Khan falsch und unverhältnismäßig war und zu einem schwerwiegenden Reputationsschaden für die Bank geführt hat", hieß es.

Untersuchung spricht Konzernchef frei von möglichem Fehlverhalten

Entlastet: Konzernchef Thiam habe die Überwachung von Iqbal Khan nicht angerordnet.

Die Untersuchung habe aber keinen Hinweis darauf ergeben, dass Konzernchef Thiam die Überwachung genehmigt oder von dieser gewusst habe. Bouée ist in der Bank der engste Vertraute Thiams. In den Medien war spekuliert worden, dass auch der Ivorer über die Affäre straucheln könnte. Doch zuletzt hatten sich auch Großaktionäre wie Harris Associates und Eminence Capital hinter Thiam gestellt.

Der 57-jährige steht seit Sommer 2015 an der Spitze der Credit Suisse und hat das Geldhaus durch einen tiefgreifenden Umbau gesteuert - von einer Investmentbank hin zu einem Vermögensverwalter für reiche Privatkunden. Und die neue Ausrichtung trägt Früchte: Im vergangenen Jahr erzielte Credit Suisse einen Gewinn von 2,1 Milliarden Franken und steht damit wesentlich besser da als etwa die Deutsche Bank.

Zum neuen COO ernannte Credit Suisse James Walker. Der britisch-amerikanische Doppelbürger ist seit 2009 bei der Bank. Zuvor hatte er unter anderem bei Barclays und Merrill Lynch gearbeitet.

rei/reuters

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung