Schweizer Großbank Credit Suisse will Nobelhotel verkaufen – braucht die Krisenbank Geld?

Die Zweifel an der Finanzkraft der Credit Suisse mehren sich. Nach dem jüngsten Kurssturz der Aktien und Abgängen von Topmanagern in Asien will die krisengeplagte Schweizer Großbank nun ein Nobelhotel im Zentrum von Zürich verkaufen.
Soll versilbert werden: Die Credit Suisse will das Savoy Hotel in Zürich verkaufen

Soll versilbert werden: Die Credit Suisse will das Savoy Hotel in Zürich verkaufen

Foto: ARND WIEGMANN/ REUTERS

Bei der Schweizer Großbank Credit Suisse überschlagen sich in dieser Woche geradezu die Ereignisse, die an der Finanzkraft des Instituts zweifeln lassen. Am Montag hatten Spekulationen in den sozialen Medien über die Stabilität der Bank die Aktie  auf ein neues Allzeit-Tief gedrückt. Wenig später verließen laut der Agentur Bloomberg  weitere Topmanager in Asien die Credit Suisse. Jetzt wollen die Schweizer ein Nobelhotel im Zentrum von Zürich verkaufen.

Die Großbank will von den Gerüchten nichts wissen. "Die Credit Suisse überprüft ihr Immobilienportfolio im Rahmen ihrer globalen Immobilienstrategie auf einer regelmäßigen Basis", erklärte eine Sprecherin der Schweizer Großbank am Donnerstag auf Anfrage. "Die Bank hat sich dabei entschieden, ein Verkaufsverfahren für das Hotel Savoy einzuleiten." Das Finanzportal "Inside Paradeplatz" hatten zuvor über die Verkaufspläne berichtet.

Bei dem Verkauf geht es um das 1838 gegründete Traditionshaus Savoy Hotel Baur en Ville, das am Paradeplatz liegt, dem Zentrum des Schweizer Finanzplatzes mit den Firmensitzen von Credit Suisse und UBS. Es wird derzeit renoviert und künftig von der Mandarin-Oriental-Gruppe betrieben.

Die Zweifel an der Stabilität der Credit Suisse hatten am Montag nicht nur zu einem Kurssturz der Aktien geführt, sondern auch die Kreditausfall-Versicherungen hochschießen lassen. Die Kosten für die Versicherung von Anleihen der Credit Suisse waren am Montag auf 3,55 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten gestiegen. Am Dienstag schwächten sie sich wieder etwas ab.

Großbank seit Monaten in Abwärtsspirale

Nach einer Welle von Abgängen bei dem angeschlagenen Unternehmen verlor die Credit Suisse zuletzt die stellvertretende Leiterin der Vermögensverwaltung für Asien. Young Jin Yee verlässt die Bank nach rund zwei Jahrzehnten. Auch Christopher Chua, ein in Hongkong ansässiger Managing Director und stellvertretender Leiter der M&A-Abteilung für den asiatisch-pazifischen Raum, kehrt der Bank den Rücken und wechselt zu Rivale HSBC.

Die Credit Suisse ist seit Monaten in einer Abwärtsspirale aus Milliardenverlusten, Managementwechsel und Rechtsfällen. Einigen Analysten zufolge preist der Markt eine Kapitalerhöhung der Bank ein. Einer mit der Situation vertrauten Person zufolge beobachten die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma und die Bank of England in London, wo das Institut eine große Präsenz hat, die Situation.

Analysten sehen gegenwärtig zwar keine Gefahr, dass die Bank in Schieflage gerät. Dennoch rechnen mehrere Experten damit, dass die Credit Suisse die Bilanz aufpolstern dürfte, unter anderem um den erwarteten Ausstieg aus Teilen des Investmentbankings finanzieren zu können.

Imageschaden verprellt vermögende Kunden

Die Unsicherheit schränkt den Spielraum von Präsident Axel Lehmann (63) beim angekündigten Umbau ein – es wird einfach immer schwieriger, die für den voraussichtlich kostspieligen Umbau notwendigen Mittel zu beschaffen. Gleichzeitig könnte der Reputationsschaden vermögende Kunden in die Flucht schlagen und damit die zukünftige Ertragskraft des Kerngeschäfts erodieren lassen.

"Das Problem der Credit Suisse ist, dass es fast zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung wird," erklärte James Finch, Finanzprofessor an der New York University. Wenn Schlüsselmitarbeiter die Bank zu verlassen begännen und reiche Leute ihr Geld abzögen, werde das Geschäft unterminiert.

dri/Reuters
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