Sparkurs auf dem Heimatmarkt Credit Suisse schließt jede vierte Filiale in der Schweiz

Trotz guter Geschäftszahlen setzt die Credit Suisse auf einen harten Sparkurs auf dem Heimatmarkt. Jede vierte Filiale wird geschlossen, der Name der größten Regionalbank des Landes verschwindet ganz.
Patriotisch beflaggt: Filiale der Credit Suisse in Luzern

Patriotisch beflaggt: Filiale der Credit Suisse in Luzern

Foto: © Arnd Wiegmann / Reuters/ REUTERS

Die Credit Suisse  will mit einem Umbau des Geschäfts im Schweizer Heimatmarkt die Kosten senken. So soll die bisher selbstständige Tochter Neue Aargauer Bank integriert werden, wie die Großbank am Dienstag mitteilte. Credit Suisse wolle zudem das Filialnetz in der Schweiz von 146 auf 109 reduzieren. Hinzu komme ein Stellenabbau. Dank der Maßnahmen peile der Konzern ab 2022 Einsparungen von jährlich brutto rund 100 Millionen Franken an. Dies sei Teil des Ende Juli angekündigten Sparpakets von insgesamt rund 400 Millionen Franken.

Die Credit Suisse will unter anderem bei Mieten und Unterhalt von Geschäftsstellen sparen. Gleichzeitig werde ein Abbau von Stellen unvermeidlich sein. Die erwarteten Restrukturierungskosten beliefen sich auf rund 75 Millionen Franken und seien ebenfalls Teil der bereits angekündigten gruppenweiten Restrukturierungskosten von 300 bis 400 Millionen Franken, so die Bank.

Laut "Aargauer Zeitung"  trifft der Abbau ungefähr zur Hälfte den Kanton Aargau zwischen Basel und Zürich. Dort werde das Filialnetz halbiert. Mit der Neuen Aargauer Bank verschwinde die größte Regionalbank des Landes mit 200.000 Kunden und 200-jähriger Geschichte vom Markt. Die Bank wurde 1994 von der Credit Suisse übernommen, bislang aber als eigenständige Marke weitergeführt.

Ein beträchtlicher Teil der Einsparungen soll ins Schweizer Geschäft reinvestiert werden. Damit würden auch neue Mitarbeiter eingestellt. Zudem setze die zweitgrößte Schweizer Bank verstärkt auf Digitalisierung. Ende Oktober wolle Credit Suisse ein neues digitales Angebot auf den Markt bringen, das die Kostenvorteile einer digitalen Bank mit einem breiten Leistungsangebot kombiniere.

Bankspitze nach 18 Jahren wieder in Schweizer Hand

Allein in den letzten zwei Jahren sei die Nutzung des Online-Bankings der Credit Suisse um rund 40 Prozent gestiegen, jene des Mobile Banking habe sich gar mehr als verdoppelt. Die Coronavirus-Krise habe diese Entwicklungen weiter beschleunigt. Im Gegenzug hätten sich die Frequenzen in den Geschäftsstellen von Jahr zu Jahr reduziert.

Dank ihres starken Handelsgeschäfts verbucht die Bank insgesamt nach wie vor hohe Gewinne. Im Februar hatte sie einen spektakulären Machtkampf in der Führung beendet. Mit dem neuen CEO Thomas Gottstein und Verwaltungsratspräsident Urs Rohner (60) ist die Bankspitze erstmals seit 2002 wieder in Schweizer Hand.

ak/Reuters
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