Schweizer Krisenbank Credit Suisse kündigt weiteren Milliardenverlust an

Die angeschlagene Großbank Credit Suisse erwartet für das vierte Quartal einen weiteren Milliardenverlust. Es wäre der fünfte Verlust in Folge. Vor allem das tiefrote Investmentgeschäft belastet.
Kein Licht in Sicht: Die Credit Suisse (hier Zentrale am Paradeplatz in Zürich) kämpft mit weiter mit Kapitalabflüssen und schwierigen Marktbedingungen

Kein Licht in Sicht: Die Credit Suisse (hier Zentrale am Paradeplatz in Zürich) kämpft mit weiter mit Kapitalabflüssen und schwierigen Marktbedingungen

Foto: DENIS BALIBOUSE / REUTERS

Die Schweizer Großbank Credit Suisse hat am Mittwoch vor der Abstimmung der Aktionäre über eine milliardenschwere Kapitalerhöhung ihre im Oktober abgegebene Verlustwarnung für das vierte Quartal konkretisiert. Das krisengeplagte Institut rechnet für den Zeitraum Oktober bis Dezember vor Steuern mit einem Fehlbetrag von rund 1,5 Milliarden Franken (rund 1,5 Milliarden Euro).

Das wäre der fünfte Quartalsverlust in Folge für die Bank. Geringere Einlagen und verwaltete Vermögen dürften zu weniger Nettozinsertrag sowie geringeren wiederkehrenden Kommissions- und Gebührenaufkommen und zu einem Verlust im Bereich Wealth Management führen, erklärte die Bank. Hinzu kämen negative Ertragseffekten durch den angekündigten Ausstieg aus den Nicht-Kerngeschäften und -engagements. Analysten hatten bisher zwar schon mit einem Minus gerechnet, dabei im Schnitt aber einen deutlich geringeren Wert in ihren Berechnungen.

Kunden ziehen verstärkt Geld ab

Die Kundenaktivität in den Geschäftsbereichen Wealth Management und Swiss Bank sei nach wie vor gedämpft und die Bank geht davon aus, dass diese Marktbedingungen auch in den kommenden Monaten anhalten werden. Zudem hätten sich die Mittelabflüsse zu Beginn des vierten Quartals beschleunigt: Auf Gruppenebene betrugen die Nettoabflüsse per 11. November rund 6 Prozent der am Ende des dritten Quartals verwalteten Vermögen. Im Wealth Management hätten sich die Abflüsse gegenüber den hohen Niveaus der ersten beiden Oktoberwochen deutlich verringert, allerdings noch nicht umgekehrt, und seien am Ende des dritten Quartals bei rund zehn Prozent der verwalteten Vermögen gelegen.

Die Credit Suisse hält an ihrer Prognose für die Kapitalquote fest und strebt 2025 eine Kernkapitalquote (CET1) vor der Basel-III-Reform von mehr als 13,5 Prozent an. Während des gesamten Zeitraums von 2023 bis 2025 soll eine Quote von mindestens 13 beibehalten werden.

Die Aktionäre werden später am Mittwoch über eine Kapitalerhöhung in Höhe von rund vier Milliarden Franken abstimmen. Mit dem Geld will die Bank, die im dritten Quartal einen Quartalsverlust von vier Milliarden Franken eingefahren hatte, Zweifel an ihrer Stabilität ausräumen und einen tiefgreifenden Umbau hin zu einem risikoärmeren Geschäft finanzieren.

Konzernchef Ulrich Körner (60), der den Vorstandvorsitz der Bank Ende Juli übernommen hatte, hatte Ende Oktober eine Radikalkur der Bank angekündigt. Demnach sollen bis 2025 fallen rund 9000 Stellen wegfallen, das Investmentbanking eingedampft und ein bedeutender Teil des Bereichs verbriefte Produkte an den US-Finanzinvestor Apollo und die Allianz-Tochter Pimco verkauft werden. "Wir restrukturieren die Investmentbank radikal, um eine neue Bank zu schaffen, die einfacher und stabiler ist", hatte Körner angekündigt.

rei/Reuters
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