Sonntag, 26. Januar 2020

Crédit Suisse setzt weiter auf die vermögenden Kunden "Die Welt hört nicht auf, reicher zu werden"

Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam: Hat seit Amtsantritt die Rendite der Bank kontinuierlich gesteigert, muss die Ziele für das laufende und das kommende Jahr aber zurücknehmen
Arnd Wiegmann/ REUTERS
Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam: Hat seit Amtsantritt die Rendite der Bank kontinuierlich gesteigert, muss die Ziele für das laufende und das kommende Jahr aber zurücknehmen

Immer mehr Großbanken in Europa zollen dem schwierigen Marktumfeld Tribut. Auch die Credit Suisse kapituliert vor den anhaltenden Mini-Zinsen und der Eintrübung der Konjunktur und verabschiedete sich am Mittwoch von ihren Gewinnzielen für das laufende und das kommende Jahr. Auch hausgemachte Probleme lasten auf den Erträgen. Credit Suisse sei ein Jahr hinter die Marschtabelle zurückgefallen, sagte Konzernchef Tidjane Thiam auf dem Investorentag in London.

An der Strategie will er aber - anders als die Deutsche Bank im Sommer - nicht rütteln. Die zweitgrößte Schweizer Bank setzt weiter vor allem auf die Vermögensverwaltung bei Privatkunden. "Die Welt hört nicht auf, reicher zu werden."

Für 2019 peilt Credit Suisse nun eine Eigenkapitalrendite von gut 8 Prozent an, bislang waren es 10 bis 11 Prozent. Die neue Vorgabe entspricht einem Gewinn von gut drei Milliarden Franken. Die dauerhaft niedrigen Zinsen und die politische Unsicherheit, die viele Kunden von Transaktionen abhält, kosten allen Geldhäusern nun schon seit vielen Quartalen Gebühreneinnahmen. Credit Suisse ist da keine Ausnahme.

Rund eine halbe Milliarde an Erträgen entgingen der Bank im bisherigen Jahresverlauf zudem, weil Derivate vorübergehend an Wert verloren haben. Und schließlich enttäuschte Credit Suisse im Geschäft mit Firmenübernahmen und Börsengängen. Ein neuer Manager soll nun Schwung bringen, die Deal-Pipeline ist für 2020 gefüllt.

Im kommenden Jahr peilt das Institut dann selbst bei einem anhaltend schwierigen Marktumfeld eine Verbesserung der Rendite auf rund 10 Prozent an. Wenn auch noch die Märkte mitspielten, seien sogar 11 Prozent drin, sagte Thiam. Er setzt dabei auch auf Sparmaßnahmen beim Einkauf, in der Informatik und der Verwaltung, niedrigere Finanzierungskosten und sinkende Steuern.

Investoren skeptisch, Aktie hat seit Thiams Antritt rund 50 Prozent verloren

Thiam hatte bereits unmittelbar nach seinem Amtsantritt 2015 begonnen, den Konzern krisensicherer zu machen. Neben zwei milliardenschweren Kapitalerhöhungen stutzte er zudem den Handel, insbesondere im Geschäft mit Staatsanleihen. Credit Suisse habe die Schrumpfkur und den Risiko-Abbau inzwischen abgeschlossen, sagte er nun. 2018 kam die Bank noch auf eine Rendite von 5,4 Prozent.

Bei den Anlegern allerdings überwiegt die Skepsis, ob Credit Suisse wieder an Fahrt aufnimmt. Seit Thiam vor gut vier Jahren das Ruder übernommen hat, hat die Aktie fast die Hälfte an Wert verloren - und damit wesentlich schlechter abgeschnitten als der europäische Branchenindex. Und die Mehrheit der Analysten geht davon aus, dass auch das neue Rendite-Ziel für 2020 noch etwas zu ambitioniert ist. Am Mittwoch gaben die Titel erneut leicht nach.

Auch andere Banken schraubte Ziele bereits herunter

Es ist nicht das erste Mal, dass die Bank die Ziele herunterschraubt. Doch Credit Suisse befindet sich in guter Gesellschaft. Europas größtes Geldhaus, die britische HSBC, kappte Ende Oktober seine Prognosen für das kommende Jahr. Bei der UBS scheint das Rendite-Ziel im laufenden Jahr außer Reichweite.


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Und die in einem Dauerumbau steckende Deutsche Bank bezeichnete das Renditeziel von 8 Prozent bis 2022 auf dem Investorentag vom Dienstag als "ambitionierter". Unsicherheiten wegen des Handelsstreits und politische Spannungen hatten das Geschehen an den Kapitalmärkten in den vergangenen Monaten weltweit belastet. Im Geschäft mit Übernahmen und Börsengängen erwartet Credit Suisse im laufenden Jahr einen Verlust.

Wachstumsmotor soll das Geschäft mit Reichen bleiben

Mittelfristig peilt Credit Suisse eine Eigenkapitalrendite von zwölf Prozent oder mehr an. Wachstumsmotor soll das Geschäft mit Reichen und Superreichen bleiben. Um die Abhängigkeit von den schwankenden Börsen zu verringern, hatte Konzernchef Thiam der Bank einen Ausbau der Vermögensverwaltung und eine Schrumpfung des Handelsgeschäfts verordnet. Der Löwenanteil der Ergebnisverbesserung in seiner Amtszeit geht indes auf Kostensenkungen zurück. Die bisherigen Prognosen zur Ausschüttung an die Aktionäre in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen bestätigte die Bank im Wesentlichen.

rei/Reuters

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