Schweizer Großbank ließ Mitarbeiter beschatten Spitzelskandal bei Credit Suisse weitet sich erneut aus

Die Credit Suisse kommt nicht zur Ruhe. Die Finanzaufsicht eröffnet ein strengeres Verfahren, um den Spionageskandal aufzuklären. Und laut einem Pressebericht sind zwei weitere Fälle beschatteter Mitarbeiter aufgetaucht.
Zentrale der Credit Suisse in Zürich

Zentrale der Credit Suisse in Zürich

Foto: Arnd Wiegmann / REUTERS

Der Spionageskandal um die Schweizer Großbank Credit Suisse weitet sich aus. Die "Sonntagszeitung" berichtete  von Hinweisen, dass mindestens zwei weitere Mitarbeiter in den vergangenen Jahren unter Ex-Chef Tidjane Thiam (58) beschattet worden seien. Bereits bekannt war, dass die Bank Detektive auf den inzwischen zur UBS gewechselten Vermögensverwaltungschef Iqbal Khan (44) und den früheren Personalvorstand Peter Goerke angesetzt hatte. Der Konzern bedauerte die Vorfälle und kündigte eine Aufarbeitung an, räumte jedoch keine weiteren Fälle ein.

Credit Suisse hatte gehofft, mit dem Wechsel von Thiam zum neuen Chef Thomas Gottstein (56) einen Schlussstrich unter die Affäre ziehen zu können. Doch am vergangenen Mittwoch eröffnete die Finanzaufsicht Finma ein formelles Verfahren. Die Behörde will die Führungskultur der Bank und ihrer Kontrollinstanzen überprüfen. Um herauszufinden, ob Managementversagen die Beschattung von Mitarbeitern begünstigte, sollen auch Chatprotokolle aus Messenger-Apps ausgewertet werden - etwas, das der Staatsanwaltschaft im Juli gerichtlich untersagt wurde.

Und nun kommen noch weitere Enthüllungen hinzu. Die "Sonntagszeitung" beruft sich auf mehrere anonyme Insider, denen zufolge zwei weitere Fälle ans Licht gekommen seien.

Credit Suisse beteuert: "Beschattung gehört nicht zur Kultur der Bank"

In einem Fall sei es um einen Angestellten in Asien gegangen, der andere Kollegen bedroht haben soll.

Bei dem anderen Fall in den USA handele es sich um die angebliche Geliebte des früheren Co-Chefs des Investmentbankings Gaël de Boissard. Ihr sei wegen des Verdachts nachgestellt worden, sie könne Geschäftliches an de Boissard verraten, der Hedgefonds zum Angriff auf seinen ehemaligen Arbeitgeber mobilisierte.

Einer Quelle der Zeitung zufolge waren weder der Vorstand noch der Verwaltungsrat in diese beiden Fälle eingeweiht.

Ein Banksprecher wollte den Bericht nicht kommentieren und verwies auf eine Stellungnahme  zum Finma-Verfahren aus der Vorwoche. Darin heißt es, der Konzern werde vollständig mit der Finma kooperieren und arbeite entschlossen an einer "lückenlosen und zügigen Aufarbeitung". Außerdem betont Credit Suisse erneut, "dass die Beschattung von Mitarbeitenden nicht zur Kultur der Bank gehört".

Credit-Suisse-Chef Gottstein sagte, die neue Stufe der Finma-Untersuchung sei erwartet worden, nachdem der von der Finma beauftragte Prüfer Thomas Werlen die Bank in den vergangenen Monaten besucht hatte. Dessen Berufung hatte Credit Suisse allerdings auf dem Klageweg zu verhindert gesucht. Werlen sei befangen, weil seine Kanzlei Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan an anderen Rechtsstreitigkeiten gegen die Bank beteiligt sei. In erster Instanz wurde die Beschwerde im April abgewiesen, dagegen zieht die Credit Suisse vor das höchste Bundesgericht.

ak/reuters
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