Donnerstag, 22. August 2019

Milliardenstrafe droht Schlinge um Credit Suisse zieht sich zu

Lehnen operative Verantwortung für den US-Steuerskandal ab: Brady Dougan, (l.) CEO der Credit Suisse und Verwaltungsratspräsident Urs Rohner

Der Credit Suisse droht im US-Steuerstreit eine Milliardenstrafe. Schlimmer noch könnte das von US-Behörden eingeforderte Schuldeingeständnis werden. Rücktrittsforderungen an das Management werden lauter. Das weist die Verantwortung von sich.

Hamburg - Im Steuerstreit mit der Credit Suisse ziehen die US-Behörden die Daumenschrauben an. Dem zweitgrößten Schweizer Geldinstitut droht nach Schweizer Medienberichten wegen der Beihilfe zur Steuerhinterziehung in den USA eine Strafe von bis zu 1,6 Milliarden Dollar.

Zahlt die Bank nicht, droht ihr ein Strafprozess, in dessen Folge womöglich noch ganz andere Summen aufgerufen und einzelne Manager konkret zur Rechenschaft gezogen werden könnten. Die Credit Suisse (CS) soll zweistellige Milliardenbeträge an Kundengeldern dem US-Fiskus vorenthalten haben - und zwar systematisch, wie ein Bericht des US-Senats offenbarte.

Mit 1,6 Milliarden Dollar fiele die Strafzahlung etwa doppelt so hoch aus als jene, die seinerzeit die UBS in den USA zu tragen hatte. Im Unterschied zur UBS forderten die US-Behörden von der CS zusätzlich ein Schuldeingeständnis, heißt es in Schweizer Berichten unter Berufung auf Insider.

Ein Schuldeingeständnis, so wie es die US-Justizbehörde offenbar einfordert, könnte dem Geschäft der CS durch abwandernde Kunden empfindlich schaden, warnt Bryan Skarlatos, Steuerexperte bei der Kanzlei Kostelanetz & Fink, in der Online-Ausgabe der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ). Ähnlich äußerte sich Peter Henning, Rechtsprofessor an der Wayne State University gegenüber der Zeitung: "Kunden, besonders im Investment Banking, wollen womöglich nichts mehr mit einer Bank zu tun haben, die sich schuldig bekannt hat."

Wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung ermittelt das US-Justizministerium seit gut dreieinhalb Jahren gegen zahlreiche Schweizer Banken. Allen Instituten drohen empfindliche Geldbußen. Die CS hat für eine mögliche Strafe 895 Millionen Franken zurück gelegt. Beobachter gehen davon aus, dass das Institut einem Ende des Streits am nächsten ist. Die Bank hat den US-Behörden etwa eine halbe Million Dokumente zu Verfügung gestellt und führende Manager bereits vor dem US-Senat ausgesagt.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung