Schweizer Krisenbank Credit Suisse will Investmentbank aufspalten

Die krisengeplagte Schweizer Großbank Credit Suisse plant offenbar, ihre Investmentbank in drei Teile aufzuteilen. Dabei könnte es später auch zu Verkäufen kommen. Zudem stehen bis zu 10 Prozent der Stellen auf der Kippe, heißt es.
Krisenpläne am Paradeplatz in Zürich: Die Schweizer Großbank Credit Suisse will schrumpfen und Risiken abbauen

Krisenpläne am Paradeplatz in Zürich: Die Schweizer Großbank Credit Suisse will schrumpfen und Risiken abbauen

Foto: Arnd Wiegmann / REUTERS

Die Großbank Credit Suisse erwägt, die Investmentbank in drei Teile aufzuteilen. Die Hoffnung wäre, dass durch den Verkauf profitabler Bereiche eine Kapitalerhöhung verhindert werden könnte, schreibt die "Financial Times"  (FT) am Donnerstag. Den jüngsten Vorschlägen zufolge, die derzeit geprüft würden, solle die Investmentbank in drei Teile aufgeteilt werden: das Beratungsgeschäft der Gruppe, das zu einem späteren Zeitpunkt ausgegliedert werden könnte, eine "Bad Bank" für risikoreiche Vermögenswerte, die abgewickelt werden sollen, und der Rest des Geschäfts, schreibt die Zeitung unter Berufung auf mit den Plänen vertrauten Personen.

Unter dem früheren Bankchef Tidjane Thiam (60) hatte es bereits einmal eine Abwicklungseinheit gegeben, die sogenannte "Strategic Resolution Unit" (SRU). In ihr wurden Unternehmensbereiche zusammengefasst, welche nicht profitabel waren oder auch aus anderen Gründen mittelfristig abgestoßen werden sollten.

Ein möglicher Verkauf der in New York ansässigen Sparte für verbriefte Produkte – in der Schulden wie Hypotheken und Kredite für Jachten gebündelt und dann als Wertpapiere weiterverkauft werden – würde die Kapitalbindung der Bank verringern, sie aber auch eines ihrer profitabelsten Geschäftsfelder berauben, heißt es in dem Bericht weiter.

4500 Arbeitsplätze in Gefahr

Die Bank plane zudem den Abbau von Tausenden von Arbeitsplätzen, mehr als 10 Prozent der weltweit 45.000 Mitarbeiter könnten betroffen sein, schreibt die "FT" weiter. Der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung würden die Strategie bei der Vorlage der Drittquartalsergebnisse am 27. Oktober vorstellen.

"Wir haben angekündigt, dass wir bei der Bekanntgabe des Ergebnisses für das dritte Quartal über die Fortschritte bei unserer umfassenden Strategieüberprüfung berichten werden", wird die Credit Suisse selbst in der "FT" zitiert. "Es wäre verfrüht, sich vor diesem Zeitpunkt zu möglichen Ergebnissen zu äußern."

Die zweitgrößte Schweizer Bank hatte Ende Juli angekündigt, die Kosten konzernweit mittelfristig auf unter 15,5 Milliarden Franken (16,36 Milliarden Euro) von rund 16,8 Milliarden Franken im laufenden Jahr zu drücken. Das Geldhaus reagiert damit auf eine Reihe von Fehlschlägen und die damit verbundenen roten Zahlen in den vergangenen drei Quartalen.

Credit Suisse-Chef Thomas Gottstein (58) räumte darauf hin Ende Juli seinen Posten und wurde durch Ulrich Körner (59) ersetzt, der einst vom Erzrivalen UBS kam. Zugleich bestellte die Bank mit David Miller und Michael Ebert gleich zwei neue Co-Chefs der Investmentbank. Kaum im Amt besetzte Körner einige Toppositionen neu. Den Posten des Finanzchefs übernimmt zum 1. Oktober der Ex-Deutsche Bank-Manager Dixit Joshi. Francesca McDonagh (48) stieg zum 19. September zur Leiterin des operativen Geschäfts auf (Group Chief Operating Officer).

Die Credit Suisse hat nicht nur mit dem Marktumfeld zu kämpfen, sondern ringt auch noch mit den Folgen hausgemachter Probleme. Denn nach Fehlschlägen, Skandalen wie mit den Greensill-Fonds und verlorenen Gerichtsfällen hat der Ruf der Bank in den vergangenen zwei Jahren erheblichen Schaden genommen. Zusammen mit wiederholten Verlusten im Geschäft drückte dies den Aktienkurs seit Jahresbeginn massiv. Notierte die Aktie zu Jahresbeginn bei 8,30 Euro, liegt der Kurs nun unter fünf Euro.

rei/dpa-afx, Reuters
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