Montag, 24. Februar 2020

Machtkampf bei Schweizer Großbank Credit-Suisse-Chef Thiam tritt zurück - Rohner bleibt

Machtkampf entschieden: Tidjane Thiam tritt zurück
Arnd Wiegmann/ REUTERS
Machtkampf entschieden: Tidjane Thiam tritt zurück

Verwaltungsratspräsident Urs Rohner hat den Machtkampf an der Spitze der Credit Suisse für sich entschieden. Konzernchef Tidjane Thiam tritt nach der für kommende Woche geplanten Präsentation der Ergebnisse für das Gesamtjahr 2019 zurück, teilte Credit Suisse Börsen-Chart zeigen am Freitag mit. Neuer CEO werde Schweiz-Chef Thomas Gottstein. Urs Rohner bleibe wie geplant bis April 2021 Verwaltungsratspräsident. Vorbörslich drehten die Papiere in Minus.

Machtkampf bei Crédit Suisse: "Don´t listen to Urs"

Auslöser der Turbulenzen an der Spitze der zweitgrößten Schweizer Bank war die Beschattungsaffäre, die Credit Suisse seit Herbst in Atem hält. Rohner und weitere Verwaltungsräte des Instituts gelangten Insidern zufolge angesichts immer neuer Enthüllungen und der laufenden Untersuchung der Schweizer Finanzmarktaufsicht (Finma) zur Einsicht, dass ein Befreiungsschlag notwendig werden könnte. Mehrere Großaktionäre schlugen sich aber auf die Seite Thiams und forderten den Rücktritt Rohners.

Thomas Gottstein wird neuer CEO bei der Credit Suisse

Doch offenbar gewann in einer Sitzung des Verwaltungsrats im Verlauf der Woche Rohner die Oberhand. "Urs Rohner hat den Verwaltungsrat während dieser turbulenten Zeit in anerkennenswerter Weise geführt", erklärte sein Stellvertreter Severin Schwan, der auch Chef des Pharmakonzerns Roche ist. "Alle Schritte des Verwaltungsrates erfolgten einstimmig und nach sorgfältigen Beratungen." Thiam erklärte, seine Kollegen könnten auf seine vollste Unterstützung zählen, wenn sie den Ausbau des Geschäfts weiter vorantrieben. Er bedauere die Überwachung. "Ich hatte keinerlei Kenntnisse von der Beschattung zweier ehemaliger Kollegen. Zweifellos hat dies der Credit Suisse geschadet und zu Verunsicherung und Leid geführt."


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Thiam war seit 2015 Credit Suisse-Chef. In dieser Zeit dampfte er das riskante Investmentbanking ein und setzte stärker auf die Vermögensverwaltung für reiche Privatkunden. Außerdem machte er die Bank unter anderem mit zwei milliardenschweren Kapitalerhöhungen krisenfester. Allerdings verlor der Aktienkurs im Verlauf seiner Amtszeit auch etwa die Hälfte an Wert.

Thiams Nachfolger Gottstein ist seit 1999 bei der Credit Suisse. Der frühere Investmentbanker bekleidete auch Führungspositionen in der Vermögensverwaltung und übernahm 2015 die Leitung des Schweizer Geschäfts. Neuer Leiter dieser Division werde Andre Helfenstein.

rtr/akn

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