Samstag, 25. Januar 2020

Nach Beschattungsaffäre um Iqbal Khan Credit Suisse bestätigt Bespitzelung des Ex-Personalchefs

Credit Suisse kämpft weiter mit Beschattungsaffäre
Arnd Wiegmann/ REUTERS
Credit Suisse kämpft weiter mit Beschattungsaffäre

Die Credit Suisse hat am Montag bestätigt, nach der Bespitzelung des ehemaligen Spitzenmanagers Iqbal Khan einen zweiten Topmanager des Bankhauses beschattet zu haben. Laut dem zweiten Bericht zur Beschattungsaffäre habe es sich bestätigt, dass der damalige Personalchef Peter Goerke im Auftrag der Credit Suisse Börsen-Chart zeigen während einiger Tage im Februar 2019 von einer Drittfirma beschattet wurde. Das teilte die Credit Suisse am Montag mit. Goerke hatte nur wenige Tage nach der Bespitzelungsaktion das Bankhaus verlassen.

Es gebe keine Hinweise, dass der Konzernchef Tidjane Thiam, andere Mitglieder der Konzernleitung oder Mitglieder des Verwaltungsrates von der Beschattung Kenntnis gehabt hätten, heißt es weiter. Damit werden Konzernchef Thiam wie Verwaltungspräsident Urs Rohner zwar entlastet, gleichwohl bleibt der Druck hoch, immerhin hatte Rohner noch Anfang Oktober erklärt, es habe keine weiteren Überwachungen gegeben.

"Die Untersuchung kam zum Schluss, dass Pierre-Olivier Bouee, ehemaliges Mitglied der Konzernleitung, den Auftrag erteilt hatte, Peter Goerke beschatten zu lassen", teilt die Credit Suisse weiter mit. Bouee, der nach der Affäre um die Überwachung von Khan im September zurückgetreten war, wurde nun von der Bank fristlos entlassen. Der Manager galt lange als enger Vertrauter von Bankchef Thiam. "Bei der Befragung durch den Verwaltungsrat und der Untersuchung durch Homburger nach dem Fall Iqbal Khan haben die verantwortlichen Personen bei der Frage nach weiteren Beschattungen nicht wahrheitsgetreu Auskunft gegeben und die Beschattung Peter Goerkes verschwiegen", erklärte nun die Bank.

In der vergangenen Woche hatte die "Neue Zürcher Zeitung" von dem Beschattungsfall berichtet. Die Credit Suisse hatte daraufhin eine Untersuchung eingeleitet. Auch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma erklärte am vergangenen Freitag, mit Hilfe eines unabhängigen Beauftragten aufsichtsrechtlich relevante Fragen klären zu wollen. So sollen Fragen zur Corporate Governance in Bezug auf die Beschattungsaffäre, das Informationsverhalten und die Nutzung elektronischer Kommunikationsmittel abgeklärt werden.


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Die Bank hatte früher im Jahr durch eine stümperhafte Beschattung des Spitzenbankers Khan für negative Schlagzeilen gesorgt. Der Vermögensverwalter Khan war bespitzelt worden, nachdem er bei der Credit Suisse gekündigt hatte und sein Wechsel zum Konkurrenten UBS bekannt geworden war. Bankchef Thiam blieb trotz der Affäre im Amt. Dieser habe nichts von der Aktion gewusst, hatte Verwaltungsratspräsident Urs Rohner damals gesagt.

dpa-afx/rtr/akn

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